Magdeburg l Die meisten Türen rund um den Hasselbachplatz sind verschlossen. Viele Geschäfte und Restaurants haben entsprechend der Landesvorgaben zur Eindämmung des Coronavirus dichtgemacht. Eine Ausnahme ist das Magdeburger Antiquariat von Annerose Busse – Buchhandlungen sind derzeit noch von der Schließungsverfügung ausgenommen. „Aber es kommen kaum noch Leute“, muss sie einräumen.

Um ihren Kunden eine kleine Freude in der allgegenwärtigen Krise zu bereiten, hat sie ihr Schaufenster in der Liebigstraße hergerichtet. „Mach Limo aus Zitronen!“ ist dabei das Motto der Gestaltung, die von Zeichnungen des im Vorjahr verstorbenen Magdeburger Künstlers Gerd Bunzenthal getragen wird. Sie sollen „berühren, erfreuen und ermutigen“. Ein „bischen Freude in diesen unruhigen und beängstigenden Zeiten“ will Annerose Busse damit spenden.

Einladung zum Limo-Fest

Getreu des Mottos ist sie optimistisch: Wenn alles überstanden ist und „das Leben wieder sprudeln darf, dann lade ich zu einem Limo-Fest ein“, sagt sie. „Und vielleicht wird daraus ja auch eine größere Aktion für den ganzen Hasselbachplatz“, ergänzt sie hoffnungsvoll. Und auch gleichsam schön gestaltete Schaufenster im Hasselkiez wären eine gute Geste, findet sie.

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Einen ganz anderen Weg hat das Café Central in der Sternstraße eingeschlagen. Weil die Gäste nicht mehr in die Kneipe kommen dürfen, kommt die Kneipe zu ihnen – zumindest virtuell. Am Wochenende ist die neue Veranstaltungsreihe „Central Digital“ gestartet. Die Premiere mit einem DJ-Set von Chris Renard vom Soultunes Magdeburg konnte per Livestream auf Facebook am Sonnabend ab 21 Uhr verfolgt werden. „Das Video wurde mittlerweile über 4000 Mal aufgerufen und erreichte mehrere Tausend Menschen“, freut sich Geschäftsführerin Julia Mantwill. Das Central-Team hatte sich zuvor an die Aufgabe gesetzt, weiterhin Menschen zusammenzubringen und aktiv etwas für den Erhalt des eigenen Ladens zu tun.

Übertragung für Zuschauer

Während der Liveübertragung konnten alle Zuschauer im Facebook-Chat und in einer Videokonferenz miteinander in Kontakt treten – fast so wie am Kneipentresen. Die Übertragung war für die Zuschauer kostenfrei. Alle, die Künstler und Laden unterstützen wollten, konnten dies allerdings über ein „virtuelles Trinkgeld” tun.

„Künstlern fehlen aktuell Auftrittsmöglichkeiten und uns fehlen die Gäste. Damit entfallen Gagen und Einnahmen. Natürlich stehen wir voll hinter den Maßnahmen, die Covid-19-Infektionsrate zu reduzieren. Aber einfach rumsitzen, wollen wir auch nicht. Mit ‚Central Digital‘ wollen wir trotz der schwierigen Situation etwas tun, um unsere laufenden Kosten zu decken und lokale Künstler zu unterstützen”, erklärt Julia Mantwill.

250 Euro in digitaler Hutkasse

Insgesamt wanderten über 250 Euro in die digitale Hutkasse, die jetzt sowohl dem Künstler als auch dem Lokal zugute kommen. „Die Unterstützung und das Feedback der Menschen ist grandios. Wir haben selbst nicht damit gerechnet, dass direkt zum Start so viel Geld zusammenkommt und dass wir eine derart hohe Reichweite erzielen. Umso mehr freuen wir uns jetzt auf die nächsten Ausgaben“, sagt die Central-Chefin.

Das nächste „Central Digital“ ist für das kommende Wochenende geplant.

www.facebook.com/CafeCentralMagdeburg