Olvenstedt l Glücklich hält Josephine Hildebrandt aus Magdeburg ihren kleinen Emil auf dem Arm. Am Freitag, 3. April 2020, um 10.02 Uhr kam er auf die Welt. 3730 Gramm schwer, 52 Zentimeter lang. Alles lief gut, Mutter und Kind sind gesund und wohlauf. Und trotzdem war es eine etwas andere Situation als bei der Geburt ihres ersten Sohnes Oscar fast genau auf den Tag vor sieben Jahren. Denn in Zeiten von Corona gibt es auch am städtischen Klinikum einige Beschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen.

Väter dürfen bei der Geburt dabei sein

Auch Josephine Hildebrandt hat sich, obwohl kerngesund, vorher so ihre Gedanken gemacht, wie die Entbindung angesichts der ganzen Vorsichtsmaßnahmen wohl ablaufen würde. „Ich habe vorher noch mal auf der Internetseite des Klinikums nachgeschaut, ob mein Mann Jürgen bei der Geburt denn überhaupt dabei sein darf“, erzählt sie. Er durfte. Am städtischen Klinikum besteht zwar wie in anderen Kliniken auch ein Besuchsverbot. Doch bei der Entbindung darf eine Bezugsperson dabei sein – in der Regel ist dies der Vater, sagt Dr. Holm Eggemann, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Danach allerdings greift wieder das Besuchsverbot. Auf der Wochenstation sind Besuche nicht erlaubt und werden nur in Ausnahmefällen genehmigt. So wird es auch im St. Marienstift und in der Universitätsklinik für Frauenheilkunde gehandhabt.

„Das war schon ein wenig komisch, aber zwei, drei Tage ohne Besuch gehen auch vorüber. Dadurch war es recht ruhig“, sagt Josephine Hildebrandt. Am Sonntag konnte sie mit Emil das Krankenhaus verlassen. Draußen am Haupteingang mussten Emils Papa Jürgen und Brüderchen Oscar zunächst warten. Einer Mitarbeiterin des Klinikums wurde die Babyschale übergeben, nach einigen Minuten konnten sie Mama und das neue Familienmitglied in Empfang und mit nach Hause nehmen. „Bis auf die Sache mit dem Mundschutz, den alle getragen haben, bekommt man sonst eigentlich nicht viel mit von der Corona-Sache“, meint Josephine Hildebrandt rückblickend.

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Separater Flügel mit Kreißsaal

Das sei auch das Ziel, sagt Chefarzt Eggemann. Bei allen Vorsichtsmaßnahmen sollen die Schwangeren genau so betreut und versorgt werden wie vor der Corona-Krise. Dennoch hat man sich auch an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf die veränderte Situation eingestellt. Die Infoabende und Kreißsaalführungen, die sonst üblich waren, sind derzeit ausgesetzt. Das Gespräch zur Planung der Geburt, das mit den Schwangeren geführt wird, findet jedoch nach vorheriger Terminabsprache weiterhin statt.

Auch auf den Fall, dass eine mit Corona infizierte Schwangere am Klinikum aufgenommen wird, hat man sich vorbereitet. Dazu ist auf der Station ein separater, mit Schleuse abgetrennter Flügel hergerichtet worden. Aktuell zwei Zimmer stehen dort bereit. Bei Bedarf könnten in dem isolierten Bereich weitere Zimmer eingerichtet werden. Die Entbindung fände in einem eigenen Kreißsaal statt. Der ist genauso ausgerüstet, wie die anderen vier Kreißsäle, die im Klinikum zur Verfügung stehen, erklärt die leitende Hebamme, Yvonne Knuth. Benötigt wurde der Bereich bislang nicht. „Alles, was gemacht werden muss, wird auch gemacht – ob mit Corona infiziert oder nicht“, verspricht Chefarzt Eggemann. In Absprache mit der Kassenärztlichen Vereinigung könne zudem die ambulante Betreuung von infizierten Schwangeren am Klinikum stattfinden.

Ängste von Schwangeren, wie sich eine Corona-Infektion auswirken könnte, kann Chefarzt Eggemann zerstreuen: „Bislang sind keine schweren Krankheitsverläufe bei infizierten Schwangeren bekannt.“ Die große Mehrheit der Schwangeren würde nur leichte oder mittelschwere Symptome, ähnlich einer Erkältung beziehungsweise Grippe aufweisen. Auch gebe es bislang keine Hinweise darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übertragen werden kann. Auf seiner Internetseite hat das Klinikum Antworten zu den häufigsten Fragen von Schwangeren rund um das Coronavirus veröffentlicht.