Magdeburg l Die Hubbrücke über die Elbe in Magdeburg hat schon mehrfach für Furore gesorgt. Als sie 1895 in Betrieb genommen wurde, war sie eine technische Meisterleistung. Sie konnte mit dem beweglichen Mittelteil (Hub) auf den Wasserstand der Elbe und auf Schiffsgrößen reagieren. In den 1990er Jahren verlor sie dann ihre Funktion für die Eisenbahn und wurde 2005 gesperrt.

Dann folgte 2009 der Verkauf von der Bahn an einen Investor im Zusammenhang mit der Bebauung des Elbbahnhofs. Und wieder machte der Stahlkoloss von sich reden. Neueigentümer Rolf Onnen und der dazugehörige Verein schafften es, mit Ideen wie der Spendenaktion für Bohlenbretter auf der Brücke den Übergang zu retten und 2013 wieder freizugeben. Das Kunstmuseum hatte zuvor 2008 mit dem Glas-Licht-Kunstwerk von Maurizio Nannucci noch eins draufgesetzt.

Bauhauswiege Magdeburg

Fast folgerichtig ist es da, wenn dem Bauwerk eine neue Rolle zugedacht wird. Es könnte künftig für Magdeburg als Bauhauswiege und Kulturhauptstadtkandidat die Werbetrommel rühren – und zwar mit bunten Folien. Rolf Onnen: „Es gab schon vor ein paar Jahren die Idee, Teile der Brücke mit knallbunten Farben zu versehen. Diesen Vorschlag wollen wir prüfen und sehen, ob er machbar ist.“

Die Farben sollen dabei nicht willkürlich ausgewählt werden. Als Vorlage gilt Piet Mondrian. Der niederländische Künstler gilt als einer der wichtigen Kunstschaffenden der Bauhausepoche, bei der Formen und Farben eine entscheidende Rolle spielten.

Kunst an der Brücke

Der Magdeburger Hans-Peter Wannewitz gilt als einer der Impulsgeber. Schon 2016 hatte er die Idee an die Brückenverantwortlichen herangetragen. „Ich interessiere mich sehr für Kunst, bin auf Reisen auf Mondrian aufmerksam geworden und hatte mich nach einem Aufruf mit eigenen Vorschlägen für die Gestaltung der Brücke beteiligt.“ Noch mehr: Wannewitz hat in seinem heimischen Garten schon mal vorgemacht, wie es auch an der Hubbrücke aussehen könnte. Die Tür zu einem Gartenhäuschen überzog er mit Mondrian-Farben. „Seitdem sprechen mich immer wieder Leute darauf an“, sagt Wannewitz.

Genau diesen Effekt erhoffen sich auch Rolf Onnen und der Brückenverein. „Für Magdeburg könnte das ein echter Hingucker werden. Ich bin überzeugt, dass so etwas überregional aufgegriffen werden würde. Warum also nicht einfach mal versuchen?“ Hintergrund: Die Hubbrücke, deren Zustand Onnen als „gut in Schuss“ bezeichnet, benötigt in den nächsten Jahren ohnehin einen Rostschutzanstrich.

Debatte anstoßen wie einst das Bauhaus

Für die Kosten von mehr als einer Million Euro - das Teuerste ist nicht die Farbe, sondern die Vorbehandlung - wird seit Jahren gesammelt, unter anderem mit White-Dinner-Brückenpicknicks. Im Zuge des Rostschutzanstrichs könnten die Brückenteile mit den Farben versehen werden. Aber was sagt der Denkmalschutz? Onnen: „Da es sich um Folien handelt, die nicht dauerhaft aufgebracht werden, sehe ich keine Probleme.“

Vorher will Onnen aber auf OB Lutz Trümper (SPD, aktuell im Urlaub) zugehen und zugleich weitere Partner gewinnen. Derzeit möchte er zunächst eine Debatte anstoßen - und das wollten die Bauhaus-Akteure vor 100 Jahren schließlich auch.

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