Magdeburg l Los ging es mit den Demonstrationen bereits am Morgen. Auf fünf Routen fuhren ab 9 Uhr Landwirte mit ihren Traktoren, begleitet von der Polizei, durch die Landeshauptstadt. Die Bewegung „Land schafft Verbindung“ hatte dazu aufgerufen, um auf die Interessen der Agrarbetriebe hinzuweisen und gegen aus ihrer Sicht zu harte Umweltschutzvorgaben zu protestieren. Unter anderem auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof versammelten sich zahlreiche Bauern mit ihren Traktoren zu einer Kundgebung, um mit den Magdeburgern ins Gespräch zu kommen.

Wegen der Sternfahrt durch die Stadt kam es zu Behinderungen und zeitweisen Sperrungen. Ein großes Verkehrschaos blieb jedoch aus. Die Polizei sprach von 264 Teilnehmern der Sternfahrt und keinen besonderen Vorkommnissen, die Organisatoren sagten, es seien mehr als 400 Traktoren in Magdeburg gewesen. Gegen Mittag normalisierte sich die Verkehrssituation wieder. Bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben kam es wegen der Bauernproteste teilweise zu Verspätungen bei Bus und Bahn.

Am Nachmittag hingegen legte die „Fridays for Future“-Bewegung den Verkehr in der Innenstadt lahm. Nach Kundgebungen auf dem Bahnhofsvorplatz zogen mehrere Hundert Teilnehmer über die Otto-von-Guericke Straße zum Hasselbachplatz, wo sie sich in der Mitte des Kreisverkehres für Kundgebungen platzierten. Der Straßenbahnverkehr kam fast komplett zum Erliegen. Zeitweise stauten sich 14 Bahnen im Breiten Weg, deren Weiterfahrt durch die Demonstranten verhindert wurde. Mit den Worten „Unser Klima hat Vorfahrt“ warben die Magdeburger Verkehrsbetriebe um Verständnis dafür, dass es aufgrund der Demonstration zu Einschränkungen kommen könnte.

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Zu den zahlreichen Aktionen rund um den 75. Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs und gegen die Vereinnahmung des Tages durch Rechte, gehörte unter anderem eine Kundgebung am Standort der Alten Synagoge an der Julius-Bremer-Straße. Etwa 200 Menschen hatten sich dort versammelt, sangen gemeinsam Lieder, erinnerten an Schicksale jüdischer Menschen in Magdeburg und zogen entlang mehrerer Gedenkorte durch die Stadt bis zum Hauptbahnhof, wo derweil die evangelische Jugend für Frieden trommelte. Hier hatten sich zahlreiche Demonstranten versammelt, da es zunächst hieß, dass hier ein angemeldeter rechter „Trauermarsch“ starten sollte. Dem wollten sie sich entgegenstellen.

Am Neustädter Bahnhof formierte sich währenddessen die „Regina“-Bewegung (Ravende Europäer gegen Intoleranz und Nationalismus). Rund 500 Teilnehmer zogen angeführt von einem Musik-Truck, aus dem kraftvolle Bässe drangen, über den Uniplatz, Richtung Hasselbachplatz. Jetzt wurde der tatsächliche Startpunkt des vermeintlichen „Trauermarsches“ der Rechtsgesinnten bekannt. Diese formierten sich unter großem Polizeiaufgebot nahe dem Buckauer Bahnhof. Aber auch hier stellten sich Gegendemonstranten mit einer Sitzblockade in der Porsestraße dem rechten Aufzug in den Weg.

Der „Trauermarsch“ wurde dennoch fortgesetzt, führte über die Schönebecker Straße und entlang des Schleinufers, wo es in Höhe der Sternbrücke zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Gegendemonstranten kam. In den sozialen Netzwerken wurde Kritik an der Vorgehensweise der Polizeibeamten geübt. Auf dem Weg zum Hauptbahnhof kam es immer wieder zu Konfrontationen. In der Ernst-Reuter-Allee stießen erneut Demonstranten und Gegendemonstranten aufeinander. Im Einsatz waren am gestrigen Tag etwa 800 Polizeikräfte aus fünf Bundesländern. Die Demonstrationen waren bis Redaktionsschluss nicht beendet.