Magdeburg l Ein positives Schockerlebnis hatte Denkmalpfleger Hans Jaintzyk, als er nach einem Volksstimme-Bericht anlässlich des 90. Todestages des Kraftdroschkenfahrers Walter Wittig entdeckte, dass ein Unbekannter die Inschrift an dessen Gedenkstein im Biederitzer Busch erneuert hatte. Dabei hatte der Unbekannte lediglich die Initialen L. K. und sein Handwerkszeug hinterlassen. Doch wer der Unbekannte war, wusste Jaintzyk nicht.

Zumindest bis jetzt: Denn nach einem weiteren Bericht, in dem sich Hans Jaintzyk und die Volksstimme auf die Suche nach L. K. machten, meldete sich dieser höchstpersönlich.

Magdeburger restauriert Gedenkstein

Doch noch vor dessen Anruf meldete sich ein anderer Leser, der ein Ehepaar während der Restaurationstätigkeiten am Gedenkstein gesehen hatte. Und tatsächlich handelte es sich bei dem Paar, das der Anrufer beschrieben hatte, um Lutz Kaufmann und seine Frau Ursula. Denn dem Leser war das Ehepaar nicht nur aufgefallen, weil es am Gedenkstein werkelte, sondern insbesondere weil beide in schicke 20er-Jahre-Klamotten gekleidet waren.

Einen Namen hatte sich der Anrufer während des Gesprächs mit dem Paar natürlich nicht geben lassen. Doch nur wenig später meldete sich der Unbekannte persönlich. Hinter den Initialen L. K. steckt der Magdeburger Lutz Kaufmann.

Mit dem Fahrrad zum Denkmal

Gemeinsam mit seiner Frau Ursula war er das erste Mal am 26. August 2017 unterwegs, um die Inschrift des Gedenksteins zu erneuern. Dafür war das Ehepaar extra mit dem Fahrrad aus dem Stadtteil Leipziger Straße in den Biederitzer Busch gefahren.

Das Denkmal für Walter Wittig kannte Lutz Kaufmann aber schon lange. „In den 1960er-Jahren bin ich regelmäßig mit meinen Eltern mit dem Fahrrad zum Baden an dem Gedenkstein entlanggefahren“, erzählt er und lobt Hans Jaintzyk für sein Engagement.

Magdeburger von Denkmalpfleger berührt

Die Idee dazu, die Inschrift zu restaurieren, hatte Ursula Kaufmann, als sie den Artikel über den 90. Todestag des Kraftdroschkenfahrers Walter Wittig am 23. August 2017 in der Volksstimme entdeckt hatte. „Sie war so berührt davon, dass sich Herr Jaintzyk seit Jahren um das Denkmal kümmert, und hatte bemerkt, dass die Inschrift sehr blass war“, berichtet Lutz Kaufmann beim Treffen mit Hans Jaintzyk und dessen Frau Christine Eichhorn.

Die Erneuerung der Inschrift war für den gelernten Restaurationsmaler ehemaliger Berufsalltag. Entsprechend blieb es nicht bei einer Tour zum Gedenkstein. „Denn erst wenn die Grundierung getrocknet ist, kann die Deckschicht aufgetragen werden“, erklärt Lutz Kaufmann dem Ehepaar und berichtet: „Ich habe mit der Wischtechnik gearbeitet.“ Zudem spielte Lutz Kaufmann ein Video ab, das seine Frau von der Aktion gemacht hatte.

Magdeburger mit Liebe zur Tradition

Den Grund für seinen Einsatz sieht Lutz Kaufmann in seinem Idealismus und der Liebe zur Tradition. So kam er zu dem Treffen mit Christine Eichhorn und Hans Jaintzyk in seiner alten Uniform der Nationalen Volksarmee. „Ich pflege Traditionen, und da ich Soldat bei der NVA war, möchte ich das aus Freude und Spaß ohne politischen Hintergrund beibehalten“, erklärt er.

Dass Lutz Kaufmann sich überhaupt zu erkennen gegeben hat, verdankt Hans Jaintzyk Wolf Kraus, einem Freund des Restaurationsmalers. Denn erst der hatte den 71-Jährigen davon überzeugt, sich bei der Volksstimme zu melden. „Ich habe die Schrift schließlich aus reinem Idealismus restauriert und nicht um die Öffentlichkeit zu suchen“, erklärt Lutz Kaufmann.

Zum Treffen hatten beide Männer Blumen für den Gedenkstein mitgebracht. Dass dann genau zu diesem Zeitpunkt auch noch die hölzerne Einfriedung des Gedenksteins erneuert wurde, war reiner Zufall. Darum hatte sich Waldemar Fitzner vom Waldpädagogischen Zentrum Magdeburg gekümmert.