Viele Brachflächen und Schrottimmobilien

Der Südosten in Magdeburg benötigt eine Entwicklungshilfe

Brachliegendes Industriegelände, verfallene Häuser, holprige Straßen. Im Südosten Magdeburgs besteht eine lange Mängelliste. Nur bedingt kann die Stadt eingreifen.

Von Marco Papritz
Kein Drehort für einen Endzeitfilm, sondern das Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes ? kurz RAW ? in Salbke. Das Gelände befindet sich in Privatbesitz. Offen ist, wie es entwickelt wird. Ungebetene Besucher, von denen es in den vergangenen Jahren einige gab, sollen mit Stacheldraht ferngehalten werden.
Kein Drehort für einen Endzeitfilm, sondern das Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes ? kurz RAW ? in Salbke. Das Gelände befindet sich in Privatbesitz. Offen ist, wie es entwickelt wird. Ungebetene Besucher, von denen es in den vergangenen Jahren einige gab, sollen mit Stacheldraht ferngehalten werden. Foto: Marco Papritz

Magdeburg - Positiv ausgedrückt hat der Südosten großes Entwicklungspotenzial. Allen voran das Gelände des früheren Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) in Salbke. Einst wurde der Betrieb als Teil der sogenannten Perlenkette von Südost von Tausenden Arbeitern aufgesucht, heute ist er verwaist. Die Industriebauten verfallen, der Wildwuchs sprießt. Auf Initiative der Stadt könnten die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Magdeburg und die Wohnungsbaugenossenschaften mit dem Eigentümer den Dornröschenschlaf beenden und ein ökologischer und energieautarker Wohnungsbau angekurbelt werden. Diese Theorie hat Stadtrat Dennis Jannack (Fraktion Die Linke) für das RAW-Gelände als auch Fahlberg-List entwickelt und sie in einer Ratsanfrage an die Stadtverwaltung weitergetragen. Eine entsprechende Anfrage an die Genossenschaften sei „teilweise positiv aufgenommen und Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert“ worden, heißt es von Jörg Rehbaum, seit Anfang des Monats neuer Baubeigeordneter der Stadt. Diese Bereitschaft sei allerdings noch sehr vage, denn ein intensiver Austausch über Rahmen und Möglichkeiten habe noch nicht stattgefunden.

Die Wobau wird nicht mit im Boot sein

Anders sieht es bei der Wobau, dem städtischen Wohnungsunternehmen, aus. Sie werde sich „eher auf die Bewirtschaftung ihrer Kernbestände sowie die zukunftsorientierte Entwicklung des eigenen Flächenpotenzials konzentrieren“, wie dem Beigeordneten mitgeteilt wurde. Die Wobau hatte sich in den zurückliegenden Jahren von ihren Beständen in Salbke, Fermersleben und Westerhüsen getrennt.

Ein Stadtratsbeschluss zum Aufstellen eines Bebauungsplans (B-Plan) für das RAW-Gelände zur Realisierung von Wohnen, Gewerbe und Mischbebauung datiert aus dem Jahr 2016. Bislang ist das Verfahren noch nicht weit vorangekommen. Unter anderem wurden Gutachten für Schall- und Artenschutz erstellt, ein Nutzungskonzept steht bislang aus. Jörg Rehbaum verweist darauf, dass bereits konkrete Gespräche mit den Eigentümern stattfinden würden. Nach der Entwicklung des Nutzungskonzeptes werde ein Vorentwurf des Bebauungsplans erstellt.

Gespräche mit Kaufinteressenten

Auch bei Fahlberg-List werden Gespräche geführt. Seit dem Ende des Chemieproduzenten hat sich auf dem Gelände ein Industrie- und Gewerbepark entwickelt, der mit dem Rückzug der Schirm AG (verlagert ihre Produktion nach Schönebeck) vor einer großen Veränderung steht. Es gebe Kaufinteressenten für das ehemalige Fahlberg-List-Areal, „mit denen erste Gespräche zur Entwicklung des Gebiets geführt wurden“, heißt es dazu in der Stellungnahme. Kernthema werde die Altlastensanierung sein.

Wie beim RAW-Gelände hat die Stadt nur bedingte Eingriffsmöglichkeiten, da sie nicht der Eigentümer der Flächen ist. Bei der Entwicklung von sogenannten Schrottimmobilien, von denen im Südosten nach wie vor einige zu finden sind, kann die Stadtverwaltung Aufbauarbeit leisten. Und zwar indem sie spezielle Bereiche als Sanierungsgebiet ausweist. Damit wird ein steuerlicher Anreiz für Immobilienbesitzer und Investoren gegeben, die Bauten wieder zum Leben zu erwecken – sprich, Investitionen in die Altbausubstanz zu tätigen. An der Behebung des Missstandes leerstehender Gebäude in Südost werde „im Rahmen der Möglichkeiten der förmlich festgesetzten Sanierungsgebiete kontinuierlich in Zusammenarbeit mit den Eigentümern gearbeitet“, lässt Rehbaum wissen.

Eigenheimgebiet im Blick

Für die Stadt ist der Südosten in Hinblick auf den Eigenheimbau interessant, der eine große Nachfrage auf sich zieht. Um diese Nachfragen nach Baugrundstücken bedienen zu können, plant die Landeshauptstadt eine neue Eigenheimsiedlung zu entwickeln – auf kommunalem Grund am Iltisweg. Damit die 45000 Quadratmeter fassende Fläche für den Häuslebau genutzt werden kann, hat der Stadtrat im Frühjahr dem Aufstellen eines Bebauungsplanverfahrens zugestimmt.