Magdeburg l Einigermaßen überrascht waren Christoph Serbser und Oliver Hornemann, als sie in der Volksstimme unter der Überschrift „Magdeburg-Motive für Bauzaun“ über den Stadtratsantrag zur Gestaltung des Holzzauns am künftigen Domquartier lasen. Denn der Marketingfachmann und der Vorstand der „Otto von Guericke“-Wohnungsbaugenossenschaft haben sich schon längst eine eigene Idee für ihren Abschnitt des Bauzauns überlegt – und greifen somit der Diskussion im Stadtrat voraus.

Unter dem Titel „Bauzaungalerie“ werden während der Bauzeit für das neue Wohn- und Geschäftshaus, die gut und gerne zwei Jahre betragen wird, Magdeburger Künstler die Gelegenheit haben, ihre Werke zu präsentieren. Dazu werden die Motive auf große Planen aufgetragen, die auf einem Teilstück des 120 Meter langen Bauzauns an der Ecke Breiter Weg/Danzstraße aufgehängt werden. Alle zwei Monate werden sie gewechselt und ein neuer Künstler kann seine Werke zeigen.

Webseite ab Mitte Juni

Die Planen kommen aber nicht auf den Müll, sondern werden anschließend für den guten Zweck versteigert, wie Oliver Hornemann erklärt. Sowohl Einrichtungen, die davon profitieren wollen, als auch Künstler, die sich bewerben wollen, können das voraussichtlich ab Mitte Juni auf der eigens eingerichteten Webseite www.baustellengalerie.de tun. Dort können die Reproduktionen auch ersteigert werden.

Der Erlös wird komplett gespendet. Die Künster zahlen für die Chance nichts, die Genossenschaft trägt die Kosten für Herstellung und Wartung der Planen. Auf die gesamte Bauzeit kommt ein mittlerer fünfstelliger Betrag zusammen, schätzt der Genossenschaftsvorstand. Geld, das an dieser Stelle aber gut angelegt ist, wie er meint. „Wir fanden es wichtig an diesem Standort. Wir dachten uns: Wenn der Zaun zwei Jahre sich selbst überlassen wird, das können wir nicht wollen“, erklärt er.

Unterstützung gibt es sowohl von der Stadtverwaltung als auch vom Stadtmarketingverein Pro M und der Ströer GmbH als Vermarkter öffentlicher Flächen, auch mit Blick auf die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025. Die Verwaltung begrüßt die Idee, „insbesondere auch um illegalen Graffiti oder Werbung vorzubeugen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.

Die ersten Künstler hätten schon zugesagt, darunter Fotograf Kai Spaete, der Tanzbilder zeigen wird. Angesprochen sind Fotografen, Grafiker, Maler, aber auch Graffiti- oder Tattoo-Künstler, sagt Christoph Serbser. „Durch die lokale Komponente trägt es auch zur Identifikation mit der Stadt bei“, ist er sich sicher.