Aktion

Eine rot-weiße Mütze für mehr Sicherheit für Menschen mit Seheinschränkungen in Magdeburg

Auf die Gefahr durch Poller für Menschen mit eingeschränkten Sehfähigkeiten hat kürzlich der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt aufmerksam gemacht. Er fordert, die Poller farblich zu kennzeichnen.

Von Christina Bendigs 12.07.2021, 00:59
Auch den Pollern vor dem Landtag von Sachsen-Anhalt wurde eine rot-weiße Mütze übergestülpt, um auf den Bedarf einer besseren Sichtbarkeit hinzuweisen.
Auch den Pollern vor dem Landtag von Sachsen-Anhalt wurde eine rot-weiße Mütze übergestülpt, um auf den Bedarf einer besseren Sichtbarkeit hinzuweisen. Foto: Blinden- und Sehbehindertenverband

Magdeburg - So mancher dürfte beim Anblick der rot-weißen Zipfelmützen verdutzt gewesen sein. Auf Pollern in der Innenstadt hatten Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenverbands die Mützen gesetzt, um sie kontrastreich zu kennzeichnen. Denn von den Pollern geht für Menschen mit einer Seheinschränkung eine große Gefahr aus, wie Bernd Peters als Leiter der Geschäftsstelle des Blinden- und Sehbehindertenverbandes in Sachsen-Anhalt berichtet. „In der Stadt ist vieles grau und hebt sich dadurch schlecht voneinander ab – grauer Fußweg, graue Poller, für Menschen mit Seheinschränkungen kann das in einem Sturz und mit Verletzungen enden“, sagt er. Daher beteiligte sich der Verband am bundesweiten Sehbehindertentag an einer originellen Aktion. In der Magdeburger Innenstadt wurden Pollermützen verteilt, unter anderem auch vor dem Landtag und am Ulrichplatz. Auch die Pfosten von Verkehrsschildern könnten durch eine rot-weiße Markierung gekennzeichnet werden. Ob aus Sicht des Blinden- und Sehbehindertenverbandes auch eine andere farbliche Markierung in Frage kommt? Eher nicht. Denn rot-weiß bedeutet Gefahr. Und auf eben diese Gefahr soll ja hingewiesen werden.

Doch nicht überall können Poller farblich gekennzeichnet werden. Poller werden erst dann rot-weiß gekennzeichnet, wenn sie als Sperrpfosten genutzt werden, berichtet Kerstin Kinszorra als Pressesprecherin der Stadt auf Volksstimme-Nachfrage. Und als solche werden sie zumeist nur am Beginn einer Straße oder eines Weges genutzt. Nach Rücksprache mit dem Landesverwaltungsamt habe sich ergeben, dass eine farbliche Kennzeichnung der Pfosten von Verkehrsschildern nicht zulässig sei, weil dadurch die Wirkung der Verkehrszeichen beeinträchtigt werden würde und eine Verwechslungsgefahr mit anderen Verkehrseinrichtungen bestehen würde. Zudem bestehe aus Sicht des Landesverwaltungsamtes für eine solche Kennzeichnung keine Erfordernis.

Poller sollen Denkmal nicht beeinträchtigen

Die Denkmalbehörde der Stadt weist darauf hin, dass auch Poller, je nach Lage zu einem Kulturdenkmal zählen und auf das äußere Erscheinungsbild eines Kulturdenkmals wirken und dieses beeinträchtigen können. Daher haben sie sich in die Freiraumplanung einzufügen. Durch die Poller sollte sich eine geringstmögliche Beeinträchtigung des Kulturdenkmals ergeben, eine starke Kontrastbildung der Anlage zum Kulturdenkmal sei zu verhindern. Das sei durch eine zurücknehmende Farbigkeit, meist anthrazitgrau, gegeben.

Aus Sicht der Stadtgestaltung sei die Identität eines Ortes zunehmend durch die Vielfältigkeit von Oberflächen, Formen und Farben „stark überformt“. Werbetafeln und anderes Stadtmobiliar stünden bereits in Konkurrenz zueinander. Statt einer farblichen Kennzeichnung sollte überlegt werden, ob es nicht eine andere Alternative gibt. In Betracht komme beispielsweise eine Beleuchtung der Poller, so dass sie sich besser vom grauen Asphalt abheben.

Rechtsamt und Behindertenbeauftragte sehen derzeit keine Probleme mit Pollern als gefährliches Hindernis. Deshalb gebe es aktuell keine Pläne zum Nachrüsten oder zu einem Austausch von Pollern.