Magdeburg l Geduld ist derzeit bei den Autofahrern gefragt, die auf der B1 in Richtung Osten unterwegs sind: Der Fahrbahnübergang von der südlichen Jerusalembrücke auf die sich anschließende Fahrbahn ist auf der rechten Spur defekt. Mitarbeiter des Tiefbauamts haben die entsprechende Spur deshalb am Donnerstagnachmittag gesperrt. Seitdem staut sich der Verkehr bis auf die Kreuzung auf dem Askanischen Platz und darüber hinaus.

An die Staus werden sich die Magdeburger gewöhnen müssen. Bislang wurde nur untersucht, was beschädigt ist. Jetzt muss analysiert werden, mit welcher Technologie der Schaden am besten behoben werden kann. Wenn diese Frage geklärt ist, muss eine Firma gesucht werden, die sich der Aufgabe stellt.

Kerstin Kinszorra, Pressesprecherin der Magdeburger Stadtverwaltung, sagte gegenüber der Volksstimme: „Wir können daher im Moment leider noch nicht abschätzen, wann der Schaden behoben ist.“ Unklar ist mithin auch, wie viel die Reparatur kosten wird. Kerstin Kinszorra: „Sobald weitere Einzelheiten bekannt sind, werden wir die Öffentlichkeit informieren.“

Fest steht immerhin, dass der Schaden an der Fahrbahn nichts mit Arbeiten an den Pfeilern der Brücke zu tun hat. Derzeit werden diese saniert. Die Brücke geht auf eine 1903 eröffnete Elbquerung zurück.

Unattraktive Alternativen

Die Alternativen zur Jerusalembrücke für die Überquerung der Elbe erscheinen derweil nur wenig attraktiv. Ganz im Norden der Stadt gibt es eine Brückenverbindung für die Autobahn 2 über den Fluss. Doch in Richtung Osten wird auf dieser gerade die Fahrbahn saniert, so dass tagsüber nur zwei Spuren, nachts nur eine frei ist. Vielmehr noch: Die Jerusalembrücke ist Teil der Umleitungsstrecke, wenn der Verkehr auf der Autobahn stockt.

Südlich der Jerusalembrücke befindet sich die Strombrücke. Auf dieser ist aufgrund des baulichen Zustands die zweite Richtungsfahrbahn seit Jahren gesperrt. Ohnehin geht es, da die Erweiterung des Strombrückenzugs erst noch gebaut wird, im folgenden Anschluss nur mühsam weiter: Die Zollbrücke ist eng, und die Anna-Ebert-Brücke ist so marode, dass sie nur noch mit Ausnahmegenehmigung genutzt werden darf. Und das nur mit Tempo 30, für Straßenbahnen mit Tempo 10. Lkw dürfen gar nicht über die Brücke.

Die Sternbrücke scheidet als Verbindung in die ostelbischen Stadtteile aus: Die früher geplante Straße durchs Überflutungsgebiet mit einer weiteren Brücke über die Alte Elbe wurde nie gebaut. Zu einer dritten vollwertigen Elbüberquerung zwischen Salbke und Prester gibt es bislang nur Überlegungen. Die nächste ohne Einschränkungen nutzbare Elbquerung befindet sich in Schönebeck.

Generalsanierung 1997

Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Jerusalembrücke 1947 bis 1952 wieder aufgebaut. Pünktlich vor der Eröffnung der Bundesgartenschau im Jahr 1999 gab es in den Jahren 1997 und 1998 eine General­instandsetzung. Seitdem läuft hier nur noch der Autoverkehr in Richtung Jerichower Land auf zwei Spuren, und die Straßenbahn hat ein separates Bett für die Gleise in beiden Richtungen. Für die Gegenrichtung des Verkehrs wurde zuvor parallel zu dem Bauwerk die nördliche ­Jerusalembrücke gebaut.

Die Magdeburger sind aufgrund einer Vielzahl von Baustellen den Kummer rund um die Staus bereits gewohnt. Doch die Behinderung auf der Jerusalembrücke kommt zur Unzeit. Mit dem Ende der Sommerferien wird in anderthalb Wochen der Verkehr wieder deutlich zunehmen. Zudem gilt die Strecke als wichtige Verbindung zu den großen Sportstätten im Osten der Landeshauptstadt.

Am Sonntag in einer Woche startet beispielsweise der 1. FCM mit einem Heimspiel gegen den FC Sankt Pauli in seine erste Saison in der Zweiten Fußball-Bundesliga. Angesichts des hohen Interesses der Zuschauer an diesem Spiel wird es daher am 5. August ohnehin eng auf dem Weg in Richtung Stadion.