Magdeburg l Lebenswege sind manchmal unergründlich. Damit will sich Simone Jäger aus Rheinland-Pfalz aber nicht abfinden. Die gebürtige Magdeburgerin ist nun 56 Jahre alt – und hat gerade erst erfahren, dass sie noch eine Halbschwester hat. Das liegt daran, dass ihr leiblicher Vater über viele Jahre so einige Geheimnisse hütete.

Doch der Reihe nach. Simone Jäger wurde 1964 in Magdeburg geboren. Groß geworden ist sie allerdings, ohne ihren leiblichen Vater kennengelernt zu haben. Ihre Mutter sprach nicht über ihn. Erst im jugendlichen Alter erfuhr sie ein paar wenige Details. „Als ich 24 Jahre alt war, habe ich es nicht mehr ausgehalten. Ich wollte unbedingt wissen, wer mein leiblicher Vater ist, wollte ihn kennenlernen“, erzählt sie.

Den Vater selbst ausfindig gemacht

Da ihr Vater Unterhalt für sie zahlte, bekam sie zumindest über die Unterhaltszahlungen heraus, dass ihr Vater Siegfried W. heißt und in einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern wohnt. Das war 1988. „Damals habe ich mich in den Trabi gesetzt und bin einfach drauf los in den angegebenen Wohnort gefahren“, erzählt Simone Jäger.

In dem knapp 5000 Einwohner zählenden Örtchen fragte sie sich mutig durch. Irgendwer müsste doch einen Siegfried W. kennen. Und tatsächlich. In dem Ort kannte man ihn. „Dann stand ich vor seiner Tür“, erinnert sich Simone Jäger. Aus der „Chiffre“ Siegfried W. wurde ihr leiblicher Vater. Der war mittlerweile wieder verheiratet, hatte zwei Kinder.

So richtig weiter kam Simone Jäger bei der Erforschung ihrer Familiengeschichte dadurch zunächst aber nicht, erzählt sie. Ihr Vater gab nicht alles preis, was sie gern gewusst hätte. Erst durch weitere eigene Recherchen kam sie darauf, dass neben den beiden Halbgeschwistern auch noch ein Halbbruder existierte. Sie fand ihn und nahm Kontakt mit ihm auf.

Eigene Recherchen stocken

Erst 2020 erfuhr sie dann, dass es neben den mittlerweile gefundenen drei Halbgeschwistern auch noch Zwillinge aus der zweiten Beziehung ihres Vaters gab. Sie müssen in der Zeit zwischen 1958 und 1962 in Magdeburg geboren worden sein, fand Simone Jäger bislang heraus.

Jetzt setzt sie alles daran, auch sie zu finden. Doch mit eigenen Recherchen kommt sie nicht weiter. „Ich weiß nur, dass ein Zwilling wohl nicht mehr lebt und meine gesuchte Halbschwester Petra heißen und selbst zwei Kinder haben soll“, sagt Simone Jäger. „Ich möchte sie unbedingt finden. Wir teilen das gleiche Schicksal, dass wir ohne Vater aufgewachsen sind.“

Dass die Zwillinge zwischen 1958 und 1962 in Magdeburg geboren worden sein müssen, schließt Simone Jäger daraus, weil ihr Vater zu der Zeit in Magdeburg arbeitete. 1957, im Alter von 18 Jahren, arbeitete er zunächst ein Jahr lang als Geselle bei einem Klempnermeister. Danach war er beim VEB Spezialbaukombinat sowie an den Städtischen Bühnen Magdeburg angestellt, bis er Ende 1964 zurück nach Mecklenburg-Vorpommern ging, so die Recherchen von Simone Jäger.

Nur ein Foto vom Vater bekommen

Auch die gesuchte Petra war offenbar auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater. „Ich weiß nur, dass sie sich etwa um das Jahr 2000 mit einem sehr nett geschriebenen Brief an unseren Vater gewendet hat und ihn gern kennenlernen wollte. Leider ohne Erfolg, sie erhielt von seiner Frau nur einen Brief mit einem Bild vom Vater zurück“, hat Simone Jäger erfahren. Eine Adresse der „Petra“ bekam sie dadurch allerdings nicht heraus. 2003 verstarb ihr gemeinsamer Vater. „Mir tut es sehr leid, dass sie ihn nicht kennenlernen konnte.“

Nun hofft Simone Jäger inständig, dass sich ihre Halbschwester finden lässt, sich vielleicht in der Familiengeschichte wiedererkennt und sich meldet. Den Kontakt zu Simone Jäger stellt die Magdeburger Volksstimme (lokalredaktion@volksstimme.de ) dann her.