Magdeburg l Wenn sie könnten, würden die kleinen Besucher den Organisatoren ihrer Kinderstadt in Magdeburg bestimmt gern aushelfen – mit ein paar Elbos. Es ist die eigene Währung der Ferienkinder in ihrer selbst verwalteten Stadt.

Alle zwei Jahre öffnet sie in den Sommerferien auf dem grünen Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal ihre Pforten. Doch so einfach ist es im wahren Leben nicht. Ein paar Elbos werden nicht reichen.

Magdeburger Verein fehlen 80.000 Euro

In der Kasse des organisierenden Vereins Elberado e. V. klafft im Moment eine gewaltige Finanzierungslücke von rund 80.000 Euro. Ein Grund laut Organisatoren: Die Landeshauptstadt Magdeburg habe als ein großer öffentlicher Förderer angekündigt, ihre Unterstützung zurückzufahren. Dies erklärte Katrin Donocik vom Vorstand des Vereins.

Das Jugendamt Magdeburg, das das Projekt 2016 noch mit rund 23.500 Euro unterstützte, habe für 2018 nur noch eine Förderung von maximal 10.000 Euro in Aussicht gestellt. Begründet worden sei dies mit dem „niedrigen Haushalt“, so Katrin Donocik.

Magdeburg kennt neue Finanzierung nicht

Simone Borris, Jugend- und Sozialbeigeordnete der Stadt Magdeburg, konnte diese Aussage am 14. November 2017 am Abend nicht bestätigen. Sie wisse nichts davon, dass die Stadt Magdeburg die Förderung reduzieren wolle. Ihr liege lediglich das Protokoll eines Treffens zwischen Vertreten des Vereins und des Jugendamtes vom 13. September 2017 vor. Dort sei es um offene Rückforderungen der Stadt an den Verein Elberado aus den Kinderstädten 2012 bis 2016 gegangen.

„Für 2014 waren es zum Beispiel rund 1100 Euro“, so Borris. Offenbar herrscht Uneinigkeit über die Verwendung der Fördergelder zwischen Amt und Verein. Endgültig zu klären war das am Abend allerdings nicht mehr. 

Gründer waren "Magdeburger des Jahres"

Katrin Donocik zeigte sich derweil enttäuscht von der Stadt Magdeburg. „Die meisten Elberado-Besucher sind Kinder aus Magdeburg. Es sind im Grunde die Ferienspiele der Stadt“, sagte sie gegenüber der Redaktion. Die Volksstimme-Leser hatten die Initiatoren von Elberado 2014 für ihr besonderes Engagement zu „Magdeburgern des Jahres“ gewählt.

Katrin Donocik sagte, sie wünsche sich mehr Unterstützung gerade von der Stadt. Doch leider würden ihnen zurzeit „viele Steine in den Weg gelegt“.

Magdeburger Verein ohne Eigenmittel

Auch mit den Eigenmitteln in Höhe von rund 36.000 Euro gebe es Probleme, führte Donocik aus. Diese könne der Verein derzeit nicht aufbringen. „Jeder Euro, den unser Verein durch Spenden einnimmt, fließt in die Kinderstadt Elberado“, betont Katrin Donocik. Kleine Vereine wie Elberado e. V. hätten aktuell das Problem, dass unentgeltliche Leistungen (z. B. diverse Stunden des Ehrenamts bei der Vorbereitung der Kinderstadt) nicht mehr als Eigenleistung anerkannt würden, so wie es in der Vergangenheit durchaus der Fall gewesen sei. „Wie sollen wir als Verein so viele Eigenmittel zusammenbekommen“, fragt das Vorstandsmitglied.

Insgesamt werden zur Durchführung der nächsten Kinderstadt rund 203.000 Euro benötigt, um die Kosten für Material, Personal, Logistik und Versorgung decken zu können. Es sollte ein kleines Jubiläum gefeiert werden. Die fünfte Kinderstadt war schon fest terminiert: Vom 23. Juli bis 3. August 2018 sollten sich die Tore wieder für die Ferienkinder öffnen. Nun die Absage für Elberado 2018.

Magdeburger Rektorin bedauert Absage

Prof. Dr. Anne Lequy, Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal, bedauert das. „Die Kinderstädte haben wir als Kooperationspartner immer gern unterstützt. Das Projekt wurde zudem von vielen engagierten Studierenden getragen“, so Lequy. Sie würde sich freuen, wenn die Kinderstadt „für 2019 finanziell wieder gut genug unterstützt wird, um diese wunderbare Idee weiterleben zu lassen“.

Besteht dazu die Chance? Was, wenn sich jetzt noch kurzfristig weitere Geldgeber finden würden? „Für 2018 wäre das nicht mehr zu schaffen. Aber dann vielleicht 2019“, macht Katrin Donocik Hoffnung. Denn: Der Verein stehe nach wie vor hinter dem Projekt Elberado. Die derzeit 33 aktiven Mitglieder würden weiter arbeiten und darum kämpfen, die Finanzierungsprobleme zu lösen. „Aber wir müssen uns neu aufstellen“, räumt Katrin Donocik ein.