Magdeburg l „Die Bäume müssen gefällt werden, ob wir dort bauen oder nicht“, stellt Johannes Kempmann, Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg, fest. Der Energieversorger plant, eine insgesamt 10 Kilometer lange Fernwärmetrasse von der Steinkuhle bis in die Beimssiedlung zu verlegen. Insgesamt könnten dadurch gut 14.000 Kunden an die Wärmeversorgung aus der Müllverbrennung angeschlossen werden.

„In der Beimssiedlung haben wir gut 100 alte Gaskesselanlagen, die ausgetauscht werden müssen“, erklärt der SWM-Chef die Notwendigkeit. Im Sinne der Nachhaltigkeit könnte durch die Wärme aus dem Müllheizkraftwerk der CO2-Ausstoß drastisch gesenkt werden. „Für uns macht das großen Sinn“, sagt er.

Bäume nicht mehr standsicher

Für das Großvorhaben muss eine Genehmigung beim Landesverwaltungsamt eingeholt werden. In deren Zuge wurde auch ein landschaftspflegerischer Begleitplan erstellt. Ein beauftragter Landschaftsplaner hat dabei auch die Bäume in der sogenannten „Pappelallee“, einem Gehweg zwischen Beimsstraße und Seehäuser Straße, untersucht. Dabei hat er festgestellt, dass sie allesamt nicht mehr standsicher seien.

Die Schäden seien so erheblich, dass weitere Pflegemaßnahmen ergebnislos bleiben würden. Bei den jüngsten Stürmen wurden bereits einige Bäume geschädigt. Deshalb sollen die 183 Pappeln gefällt werden, dies sei „alternativlos“, lautet das Urteil des Gutachters – ganz egal, ob die SWM tatsächlich ihre neue Trasse dort bauen oder nicht.

Warten auf Genehmigung

Denn das steht bislang noch gar nicht fest, betont Kempmann. Zum einen steht die Genehmigung noch aus, die aber für den Sommer 2018 erwartet wird. Zum anderen müsse man als teilweise städtisches Unternehmen auch auf die Wirtschaftlichkeit des Projekts achten. Schließlich soll eine zweistellige Millionensumme investiert werden.

Weil aktuell aber die Preise für Bauleistungen und Metall stetig steigen, könne es auch sein, dass das Vorhaben aus Kostengründen abgeblasen wird und dann doch die alten Kesselanlagen gegen neue ausgetauscht werden. Die Fällung der Pappelallee beeinflusse das aber nicht, die soll Kempmanns Aussage zufolge im Herbst geschehen. Eine offizielle Bestätigung von der Stadtverwaltung Magdeburg gab es dazu auf Anfrage noch nicht.

Neue Bäume werden gepflanzt

Um den Anwohnern den Verlust der Bäume zu erleichtern, wollen die SWM einen Vertrag mit der Stadt schließen, sollte die Trasse gebaut werden. Darin soll festgelegt werden, dass im Anschluss an die Verlegungsarbeiten der Gehweg so befestigt wird, dass die seit langem kritisierten Pfützenteppiche nach Starkregen verschwinden. Außerdem sollen 183 neue Pappeln gepflanzt werden, so der SWM-Geschäftsführer.

Im Herbst würde man voraussichtlich in der Beimssiedlung mit der Verlegung beginnen. Die weiteren Abschnitte werden bis Ende 2020 nach und nach umgesetzt.