Orte des Umbruchs werden zum Spielort für Künstler

Der Kulturanker-Verein hatte in den vergangenen Jahren immer wieder in Magdeburg Objekte für die Besucher in einer neuen Art und Weise erschlossen und neu interpretiert. Unter den Zielen waren eine Reihe von Gebäuden, die derzeit einen Neuanfang erleben.

Beispielsweise entsteht aus dem Altstädtischen Krankenhaus – Spielort der Romantik 2.0 im Jahr 2012 – ein völlig neues Quartier mit Hotel und seniorengerechtem Wohnen. Speicher B im Wissenschaftshafen, wo 2014 „Olo Bianco“ für eine Kulturstätte auf Zeit gesorgt hatte, wird derzeit fürs Forschungszentrum Stimulate ausgebaut. „Die neue Sinnlichkeit“ lockte 2015 ins ehemalige Gefängnis in der Halberstädter Straße. Diesen Komplex möchte ein Investor aus Halle inzwischen für Wohnzwecke wiederbeleben. In diesem Jahr hat der Verein an der Weltgartenschau in Taiwan den deutschen Beitrag betreut. Für ein Wochenende wirkte der Verein an der Verwandlung des Großen Ziegenbergs in Ballenstedt in einen „Zauberberg“ maßgeblich mit.

Die Magdeburger Stadthalle gilt als eines der bedeutenden Objekte der Moderne der 1920er Jahre in der Elbestadt. Sie wurde für die Deutsche Theaterausstellung im Jahr 1927 eröffnet. Das nach Plänen von Johannes Göderitz und Wilhelm Deffke erbaute Gebäude muss dringend saniert werden. (ri)

Magdeburg l Langsam wird es ernst fürs September-Kunstprojekt für die Magdeburger Stadthalle: Der Magdeburger Verein Kulturanker veranstaltet in dem denkmalgeschützten Gebäude der Moderne vom 13. bis 15. September 2019 ein „Kunstfest der Moderne“. Mehr als 50 Künstler sollen den Besuchern ermöglichen, sich die Stadthalle in einer völlig neuen Art zu erschließen und sich dem Bauhausjubiläum zu nähern. Geöffnet ist an dem Wochenende im Spätsommer von 16 bis 1.30 Uhr am Freitag, von 11 bis 5 Uhr am Sonnabend und von 12 bis 18 Uhr am Sonntag.

Vereinsvorsitzender Karsten Steinmetz erläutert: „Wir wollen dabei einen Rundweg durch bekannte Bereiche schaffen, aber auch an Orte, die dem Publikum normalerweise verborgen bleiben.“ Bei einer Exkursion haben eine Reihe der Akteure diese Orte inzwischen in Augenschein genommen, auf sich selbst wirken lassen. Was könnte man vor den Spiegelreihen in einer Künstlergarderobe beispielsweise zeigen? Welche Objekte wirken in einem Treppenhaus besonders? Wie setzt man das Casino in Szene? Wie kann man den Raum eines Flurs wirksam inszenieren? Diese Fragen sind es, die in den kommenden Wochen geklärt werden müssen.

Theater, Musik, Literatur, Performance

So vielfältig die Fragen sind, so vielfältig sind auch die Angebote an das Publikum. Geboten werden u. a. Theater, Literatur, Musik und Performance. Und nicht zuletzt: Bauhaus heißt auch, selbst Hand anlegen. Dazu wird es fünf Workshops geben. „Die fantastisch-surreal gestalteten Räume und der labyrinthartige Weg durch die Stadthalle hindurch lässt das Publikum ein Teil dieser algorithmischen Welt werden“, heißt es in der Einladung zu dem Wochenende.

Bilder

Nach und nach kristallisieren sich auch die einzelnen Programmpunkte heraus. Auf der Bühne stehen wird so mit Bas Böttcher ein Star der Poetry-Slam -Szene. Mehrere Bands werden akustische Akzente setzen. Auf der Liste stehen mit „Die Botschaft“ eine deutschlandweit angesagte Elektroband aus Berlin, die Bands „Anspielung“, „Brain Funk“ und „Hyparschall“ aus Magdeburg, die Musikerin Hanna Meyerholz aus Münster sowie „Graeme Salt and Band“. Mit dabei sein werden auch Bongo- und Maultrommelspieler.

Magdeburger Stadthalle als Kunstplattform

Magdeburg (ri) l Vom 13. bis 15. September machen Künstler die Stadthalle Magdeburg zu einer Kunstplattform. Einige der mehr als 50 Aktuere haben das Bauhausdenkmal besucht.

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

  • Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

    Rundgang durch die Magdeburger Stadthalle. Foto: Martin Rieß

Party am Sonnabend

Eine große Party ist für den Sonnabend des Veranstaltungswochenendes, für den 14. September 2019 geplant. Mehr als 20 DJs sollen dann in fünf Bereichen bis in die frühen Morgenstunden auflegen.

Das Urban Collective aus Leipzig wird modernen Tanz mit musikalischer Begleitung zeigen, und unter dem Titel „Design des Lebens“ soll ein eigenes Tanztheaterstück entwickelt werden und damit an ein künstlerisch in der Zeit des Bauhauses besonders beachtetes Kunstformat angeknüpft werden. Zum Mitmachen locken auch Improtheater und Sport, und auf die Bühne kommt eine passende Modenschau zum Thema Moderne.

Filme aus der Bauhauszeit

Mit dabei an dem Wochenende ist auch Thomas Tode. Er ist Kurator und Filmhistoriker aus Hamburg. Der Film spielte in der Programmatik des Bauhauses – insbesondere bei Walter Gropius und László Moholy-Nagy – eine beachtliche Rolle, auch wenn es niemals gelang, die erstrebte „Filmversuchsstelle“ als Fach am Bauhaus einzurichten. Dennoch gibt es einen erstaunlich umfangreichen Filmkorpus, an dem 25 Studenten und Professoren beschäftigt waren. Die Ansätze reichen vom Filmen zur Reformarchitektur über sozialkritische Reportagen bis zu den erwarteten abstrakten Filmen.

Eigentlich hätte das Kunstwochenende in der Stadthalle eine Art Abrissparty werden können. Doch daraus wird nichts. Denn die Sanierung des Baudenkmals für rund 65 Millionen Euro verzögert sich. Statt zum Jahresbeginn sollen die Arbeiten erst im kommenden Jahr in der zweiten Jahreshälfte beginnen, und voraussichtlich bis zum Juli wird die Einrichtung daher für Veranstaltungen genutzt. Die Folge davon ist, dass die Akteure des Septembertermins doch noch sehr sorgfältig mit dem in die Jahre gekommenen Inventar und Interieur der Stadthalle umgehen müssen.