Magdeburg l Panisch springt der Hirsch umher. Er schüttelt seinen Kopf, reißt und zieht. Er fällt, steht auf, springt erneut. Doch der Maschendrahtzaun, der sich um sein Geweih gewunden hat, will sich einfach nicht lösen. Schlimmer noch. Es löst sich immer mehr Draht von der Rolle. Der Hirsch droht sich noch mehr zu verfangen oder sich bei seinem Kampf zu verletzen.

Besucher des Elbauenparks Magdeburg entdecken das verzweifelte Tier am zweiten Weihnachtsfeiertag und informieren einen Parkwächter, der wiederum die Feuerwehr rief. Inzwischen haben sich etliche Parkbesucher angesammelt, die dem Tier bei seinem verzweifelten Kampf mitleidig zuschauen.

Rettungsaktion birgt Gefahren für die Helfer

Zwei Feuerwehrbeamte und einem Parkwächter gelingt es, den Hirsch aus seiner misslichen Lage zu befreien. Mehrfach versuchten sie eine Decke über den Kopf des Tieres zu werfen, um es zu beruhigen. Während der Hirsch noch immer panisch umherspringt, werden sie beinah selbst verletzt. Erst als der Hirsch stürzt und liegen bleibt, gelingt das Vorhaben. Ein Feuerwehrmann kniet sich auf das Tier, der andere knotet mühsam den Zaun vom Geweih. Der Parkwächter hilft dabei.

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Nach ein paar Minuten ist es geschafft. Während der Feuerwehrmann noch immer auf dem Hirsch kniet und die Decke fixiert, bringen sich die anderen in Sicherheit. Mit einem Satz zur Seite zieht der Feuerwehrmann die Decke weg und der Hirsch springt frei und munter unter dem Applaus der Schaulustigen im Gehege umher. Aufatmen unter allen Beteiligten, denn das hätte auch anders ausgehen können, weiß Uwe Frömert. „Mit dem Geweih hätte der Hirsch durchaus jemanden aufspießen können. Ich bin froh, dass niemand verletzt wurde.“ Seit 15 Jahren betreut Uwe Frömert das Wildtiergehege im Elbauenpark. Das Damwildgehege umfasst rund 20 Tiere - je nachdem wie viele Jungtiere gerade da sind.

Was nach kämpfen aussieht, ist oft nur Spiel

Der Hirsch, der den Kampf mit dem Zaun aufnahm, sei ein vierjähriger Beihirsch, der eigentlich schon gar nicht mehr da sein sollte. Um den Bestand in Grenzen zu halten, werden Tiere in der Regel verkauft. Durch die Corona-Pandemie habe sich das in diesem Jahr etwas verzögert. Auch der kampfeslustige Hirsch sollte verkauft werden, einen Namen hat er daher nicht. Frömert weiß, dass er sich den Zaun zum Spielen ausgesucht hat. „Damwild sucht sich immer etwas zum Spielen. Meist tun sie es untereinander. Was für außenstehende wie Rangkämpfe aussieht, ist oft nur ein Spiel.“ Warum sich der Hirsch nun ausgerechnet einen Zaun als „Gegenspieler“ ausgesucht hat, weiß wohl nur er allein. Auch wie er an den Zaun gelangt ist, ist unklar. „Wir hatten die Zaunrolle eigentlich gut beiseite gepackt und versteckt. Doch scheinbar nicht gut genug.“

Frömert ist froh, dass der Hirsch mit dem Schreck davongekommen ist. Denn wie der Jäger weiß, hätte es für ihn durchaus tödlich enden können. „Hätte er sich verletzt oder wäre erschöpft zu Boden gesunken, hätte der Platzhirsch ihn wohl ausgemerzt“, erklärt Frömert. Das sei in der Natur nun mal so. „Kranke und schwache Tiere werden verstoßen oder eliminiert.“

Soweit ist es glücklicherweise nicht gekommen. „Der Hirsch hat jetzt verstanden, dass das eine doofe Idee war.“ Gegen den Schreck gab es für ihn und seine Artgenossen sogleich ein Festmahl. Weihnachtsbäume, die Händler nicht verkauften, bekommen die Tiere jedes Jahr serviert.