Magdeburg l Er sieht aus wie einer von den „bösen Jungs“. Und tatsächlich geht Jörg-Peter Schubert in den Knast. Zum Glück sind es nur ein paar Tage. Und es ist lediglich für einen Filmdreh.

Der 51-jährige Magdeburger ist Komparse für den TV-Krimi Tatort. Teile der Handlung werden derzeit in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt an der Sudenburger Wuhne gedreht. Da es in Nordrhein-Westfalen keine JVA gibt, in der das TV-Team über einen längeren Zeitraum hätte drehen können, entschied sich die Produktionsfirma für Magdeburgs alte JVA.

Kein "böser Junge"

Insgesamt seien für den Dortmunder Tatort unter dem Arbeitstitel „Tollwut“ 23 Drehtage angesetzt. Am Donnerstag kam Jörg-Peter Schubert erstmals zum Einsatz. Er mimt einen Knastbruder. Klar sei das seinem Aussehen geschuldet. „Ich wirkte schon immer wie ein böser Junge, dabei bin ich das gar nicht.“ Doch die Glatze, das breite Kreuz, der strenge Blick waren genau das, was die Agentur „Filmgesichter“ aus Berlin für den Dreh gesucht hatte – je ungewöhnlicher, desto besser hieß es. Gesucht wurden „Türsteher“-Typen, Bodybuilder, Charaktergesichter und gefährlich aussehende Männer. Typen, die eben Knastbrüder spielen können. Und tatsächlich war Schubert einmal Türsteher. „Damals hieß das noch Einlassdienst“, erinnert er sich. Gearbeitet habe er für die Disco, die im damaligen Haus der Lehrer, dem heutigen Katharinenturm, war.

Bilder

Für vier Drehtage ist Jörg-Peter Schubert zunächst gebucht worden. Der erste ist nun Geschichte, weitere folgen am Montag und Dienstag sowie am 3. März. Was ihn an diesen Tagen erwartet, weiß er nicht. Selbst die konkreten Drehzeiten bekommen die Komparsen erst am Abend zuvor zugesandt. Am Donnerstag begann der Drehtag für ihn um 14.45 Uhr. Zum Einsatz kam er allerdings erst gegen 19 Uhr. Seine Aufgabe: „Ich stand mit ein paar Knastbrüdern vor den Zellen und tat so, als unterhielten wir uns.“ Der Fokus der Kamera sei derweil auf einen Schauspieler gerichtet gewesen, der einen Verbrecher spielt. Fünfmal sei die Szene gedreht worden, ehe der Regisseur zufrieden war.

Obgleich bei solchen Filmdrehs immer viel Leerlauf ist, habe Jörg-Peter Schubert Spaß an der Arbeit gehabt. „Das Team hat uns wirklich sehr nett aufgenommen“, erzählt er. Beim Catering traf er sogar auf Schauspieler Jörg Hartmann, alias Kommissar Peter Faber. Eine freundliche Begrüßung und ein bisschen Small Talk über das stürmische Wetter brachen das Eis zwischen Profi- und Laiendarsteller.

Wenngleich Jörg-Peter Schubert vor der Kamera Laie sein mag, so sind ihm Filmproduktionen nicht fremd. Als technischer Leiter des SES-Boxstalls habe er häufig mit TV-Aufnahmen zu tun. Zudem ist er Inhaber einer Event-Firma und kennt sich mit Produktionen zum Beispiel beim Sachsen-Anhalt-Tag oder dem Kaiser-Otto-Fest aus.

Beklemmendes Gefühl

Was für ihn hingegen gänzlich neu gewesen sei, waren die Einblicke in den ehemaligen Knast. In der langen Wartezeit habe er die Möglichkeit gehabt, sich Zellen anzuschauen. „Ich hatte dabei ein sehr beklemmendes Gefühl“, schildert er. Der Gedanke, wie viele gerade zu DDR-Zeiten „unschuldig“ in diese Löcher gesperrt wurden und wie viele Schicksale hinter diesen Gittern eingeschlossen waren, sei erdrückend gewesen. Allein für diesen Einblick habe sich der Einsatz bereits gelohnt. Doch auch darüber hinaus: Jörg-Peter Schubert hat bereits weitere Anfragen für Komparsenrollen bekommen, darunter sogar für einen Kinofilm. Mehr dürfe er dazu aber nicht verraten. Die böse aussehenden Typen scheinen gefragt zu sein.

Übrigens: Jörg-Peter Schubert habe in der 80er Jahren schon einmal vor der Kamera gestanden. „Das war für einen Polizeiruf, der in Magdeburg gedreht wurde. Ich musste damals in Hohmanns Badeanstalt sitzen und Bier trinken“, erzählt er lachend. Das Interesse an Film und Krimi kommt übrigens nicht von ungefähr: Jörg-Peter Schubert ist großer Tatort-Fan. Montags, mittwochs, donnerstags und sonntags schaue er die TV-Krimi-Serie. Sein Lieblingstatort sei jener aus Münster mit Axel Prahl als Hauptkommissar Thiel und Jan Josef Liefers als Rechtsmediziner Professor Boerne. „Obwohl letztlich nichts über den Schimanski-Tatort mit Götz George geht.“ Dass es mit dem Magdeburger Polizeiruf nun auch ein Krimi-Format aus seiner Heimatstadt gibt, finde er grundsätzlich gut. Für eine Landeshauptstadt sollte das außer Frage stehen. Allerdings habe er sich beim jüngsten Polizeiruf über einige Regiefehler geärgert. „Im Film waren morgens kahle Bäume zu sehen und nachmittags waren sie grün. So etwas sollte nicht sein“, meint er. Fan bleibe er dennoch. Schließlich hüpft das Magdeburger Herz, wenn der Dom oder die Elbe im Fernsehen zu sehen sind.