Hintergrund

Die Hyparschale wurde 1969 errichtet, 1990 unter Denkmalschutz gestellt, 1997 gesperrt, im Jahr 2000 erstmals zum Verkauf ausgeschrieben und 2001, 2005, 2006, 2011, 2013 und zuletzt 2016 erneut.

Interessenten scheiterten sämtlich am Nachweis der Wirtschaftlichkeit.

Die Sanierungskosten werden von Gutachtern auf 4,2 Millionen Euro geschätzt; die Stadt ist zur Beteiligung in Höhe von 1,7 Millionen Euro und zur Draufgabe von Städtebaufördermitteln des Landes in Höhe von 1,2 Millionen Euro bereit.

Die AOC Immobilien AG aus Magdeburg war im Frühjahr 2016 einziger Bieter (1 Euro) in der Ausschreibung und plante für 7,8 Millionen Euro die Sanierung, den Einbau von Bürowürfeln und eine öffentliche Nutzung mit Café. Am Ende wies ihr Projekt eine Finanzierungslücke über 1,6 Millionen Euro auf. Stadt lehnt den Verkauf an AOC ab.

Jetzt folgen Verhandlungen mit einem weiteren Interessenten an der Halle; keine erneute Ausschreibung geplant.

Magdeburg l Die Einladung zur Sitzung am Freitag des Verwaltungsausschusses sah eigentlich nur eine "Information" zum Sachstand Hyparschale durch den Oberbürgermeister vor. Auch auf Volksstimme-Nachfrage gaben sowohl der Oberbürgermeister und Vertreter der drei großen Ratsfraktionen CDU/FDP/BfM, SPD und Linke noch am Donnerstag zu Protokoll, dass auf der Freitagssitzung noch keine abschließende Entscheidung zum Umgang mit dem einzigen Kaufangebot geplant sei. Doch es kam anders.

„Wir haben abgestimmt“, erklärte Oberbürgermeister Lutz Trümper am Freitag am späten Nachmittag am Redaktionstelefon. Das Ergebnis sei einstimmig bei nur wenigen Enthaltungen ausgefallen. „Wir beenden das laufende Ausschreibungs- verfahren ohne Verkauf.“

Projekt zur Rettung ist vom Tisch

Im Klartext: Das in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach öffentlich präsentierte Projekt der AOC Immobilien AG ist vom Tisch. Das Magdeburger Unternehmen strebte die Rettung der Hyparschale und eine gemischte Nutzung durch Büros und öffentlicher Nutzfläche (Café) an.

Grund für die Ablehnung des Verkaufs an AOC sei das lückenhafte Finanzierungskonzept für ihr 7,8 Millionen Euro teures Projekt. 1,6 Millionen Euro waren zuletzt ungedeckt. Der Beschluss des Verwaltungsausschusses sei, so Trümper, abschließend.

Weiterer Interessent für Hyparschale

Der Stadtrat werde nicht erneut mit dem Verkauf an AOC befasst, sondern stattdessen mit einem weiteren Interessenten verhandeln, der sich erst nach Ablauf der Bieterfrist im März beim Oberbürgermeister meldete. Dessen Namen hielt Trümper gegenüber der Öffentlichkeit weiter geheim, sagte allerdings, dass er die Sanierung und die öffentliche Nutzung der Hyparschale „als Kalthalle“ plane, also ohne Beheizung. Auf die Nachfrage, ob es sich dabei um eine sportliche Nutzung handele – im Gespräch war das Objekt schon einmal als Eislauf- und Rollschuhhalle – verneinte Trümper. Mehr wolle er dazu vorerst nicht sagen.

AOC-Vorstandsfrau Babette Schmidt reagierte, von der Volksstimme am Telefon über das Ausschussvotum in Kenntnis gesetzt, zunächst sprachlos und sagt dann: „Ja, ich bin schon schockiert, das kann man so sagen. Das überrascht uns wirklich. Wir haben schon sehr viel Arbeit in unser Projekt gesteckt.“

Wenig Kommunikationsbereitschaft

Schmidt hatte bis zuletzt um eine gemeinsame Verständigung mit der Stadtverwaltung zur Lösung der restlichen Finanzierungsprobleme gerungen, aber auch schon seit Monaten wenig Kommunikationsbereitschaft seitens der Verwaltung beklagt. „Das war von Anfang an eine sehr einseitige Sache.“ Sie habe, so Schmidt, nicht das Gefühl, dass das Ausschussvotum die Meinung der Magdeburger zum Umgang mit der Hyparschale widerspiegele. Von denen habe sie viel Zuspruch für ihre Rettungsidee erhalten.

Die Hyparschale ist bereits seit 1997 baupolizeilich gesperrt und völlig marode. Es herrscht Einsturzgefahr.