Magdeburg l Die berühmte "Glasblume" im einstigen Palast der Republik in Berlin ist die wohl bekannteste Glaskunstarbeit aus Magdeburg, bei weitem aber nicht der einzige Repräsentant der Verbindung zwischen Magdeburg und dieser Kunstrichtung. Allerdings: „Magdeburg und die Glaskunst“ muss erforscht werden. Das jedenfalls findet die Stadtratsfraktion „Die Linke/future!“ — und ordnet die Sache als so wichtig ein, dass der Oberbürgermeister und das Rathaus aktiv werden sollen.

Im November 2018 hat die Fraktion einen entsprechenden Antrag in den Stadtrat eingebracht. Man wünscht sich eine Bestandsaufnahme und eine Würdigung dieser Kunstrichtung in Magdeburg. In erster Linie wird dabei an die sogenannte „baugebundene Kunst“ gedacht. Das sind vor allem künstlerisch gestaltete Glasfenster. Und die Linke hat dabei auch die Kulturhauptstadt-Bewerbung von Magdeburg im Blick. Das Thema „Glaskunst“ könnte eine wichtige Bereicherung der Bewerbung sein.

Glaskunst genauer betrachten

Dem stimmt das zuständige Baudezernat zu. Und auch, dass die Glaskunst in Magdeburg einer genaueren Betrachtung unterzogen werden müsse, so Baubeigeordneter Dieter Scheidemann in einer ersten Stellungnahme zum Antrag.

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Mit der Schließung der Werkstätten der „Glasgestaltung Magdeburg“ im Jahr 2000, die ab 1954 als Künstlergemeinschaft bestanden habe, endete eine Phase, in der die künstlerische Glasgestaltung in Magdeburg eine überregionale Bedeutung hatte. In dieser Zeit sei ein künstlerisches Werk entstanden, das auch heute noch nicht abschließend erfasst worden sei und kunstgeschichtlich neu bewertet werden müsse.

Zu den Künstlern der „Glasgestaltung Magdeburg“ gehörten Reginald Richter, Oskar Hamann, Richard O. Wilhelm, Walter Bischof, Marga Hamann, Ekkehard Frey und Kurt Rüdiger.

Glaskunst in Magdeburg erforschen

Bei der Erforschung der Werke der Magdeburger Glasgestaltung müsse man nicht bei null anfangen. Der Künstler Reginald Richter habe für die Stadt Magdeburg bereits 2002 in der Schrift „Glasgestaltung Magdeburg“ eine Bestandsaufnahme vorgelegt, die eine gute Basis für weitere Forschungen sei. Nach Auffassung der Denkmalpflege sei es aus heutiger Sicht erforderlich, den darin gesammelten Datenbestand im Sinne einer topographischen Inventarliste der Einzelwerke neu zu ordnen und zu ergänzen.

Das Problem dabei: Einige der herausragenden Werke der Künstlergruppe seien in den 1990er Jahren zerstört worden, so dass es dringend notwendig sei, die noch erhaltenen Kunstwerke zu erfassen.

Von einer pauschalen Unterschutzstellung der Glaskunst als Kulturdenkmal sei bei baubezogener Kunst dieser Art wegen ihres geringen Zeitabstands zur Gegenwart und der unterschiedlichen Qualitäten abzuraten, so das Baudezernat. Eine solche Vorgehensweise habe den Effekt, dass die künstlerische Qualität jedes Werkes außer Acht gelassen und sie lediglich als historische Zeugnisse der Stadtgeschichte aufgeführt würden.

Manifestationen der Nachkriegsmoderne

Klar sei, dass die Arbeiten der „Glasgestaltung Magdeburg“ und vergleichbare Werke von Christof Grüger und Charles Crodel in Magdeburger Kirchen als „Manifestationen der künstlerischen Nachkriegsmoderne im mitteldeutschen Raum zu sehen“ seien, so Dieter Scheidemann.

Allerdings sollte das Thema „Glasmalerei der Moderne“ nicht nur im Sinne von traditionsorientierter Denkmalpflege gesehen, sondern auch gezielt auf das aktuelle Kunstgeschehen eingegangen werden. Mit den Fenstern von Max Uhlig in der Johanniskirche in Magdeburg sei beispielsweise in jüngster Zeit ein Kunstwerk in außergewöhnlicher Dimension geschaffen worden.

Scheidemann schlägt vor, um eine aktuelle Übersicht über die erhalten gebliebenen Werken der „Glasgestaltung in Magdeburg“ zu bekommen, ein kunstgeschichtliches Gutachten erstellen zu lassen.