Magdeburg l Ein neues Centrum für Industrielle Intelligenz (CII) soll in Magdeburg etabliert werden. Zu verstehen ist die Einrichtung als Zusammenschluss wissenschaftlicher Einrichtungen und Unternehmen aus ganz Mitteldeutschland, die gemeinsam an Erforschung und Entwicklung der künstlichen Intelligenzarbeiten, hieß es während der feierlichen Gründung der Institution. 

Dabei geht es um den konkreten Einsatz der neuen Ideen in der Industrie. Zu den Einrichtungen, die in diesem Zentrum zusammenarbeiten werden, gehören das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Unterstützende Worte gibt’s aus der Landespolitik: Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Ude hofft, dass das Zentrum Weichen für die Zukunftsfähigkeit des Landes stellt.

Google bleibt uneinholbar

Durchaus kritischer klingen derweil die Worte von Marco Langhof, der Vorsitzender des IT-Verbands Sachsen-Anhalt ist: „In Asien und in den USA werden Milliarden in Forschung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz investiert.“ In Deutschland werde hingegen darüber diskutiert, ob in den kommenden Jahren einmal ein paar Millionen Euro in das Thema fließen könnten. „Wir sind dabei, den Anschluss zu verlieren“, so die Einschätzung von Marco Langhof.

In einer gewissen Weise gibt Michael Schenk, Uniprofessor und Leiter des Fraunhofer-Instituts IFF, dem Vertreter aus der Wirtschaft recht: „Wir dürfen sicher nicht erwarten, dass wir mit unseren Möglichkeiten Google überholen können.“ Es müsse darum gehen, Schritt zu halten und nicht weiter den Anschluss zu verlieren. Mit den vorhandenen Mitteln müsse man sich vielmehr auf die bestehenden Kompetenzen konzentrieren und diese für die Zukunft fit machen: „Die Stärke unseres Landes ist die industrielle Produktion. Hier müssen wir mit der künstlichen Intelligenz anknüpfen“, sagt Michael Schenk.

Vor allem die große Komplexität und Vielzahl der Themen der künstlichen Intelligenz (KI) erfordert es aus Sicht der Gründer, die vorhandenen Kompetenzen zu bündeln. Aus diesem Grund sollen im Centrum für Industrielle Intelligenz wissenschaftliche Expertise und individuelle Wünsche von Unternehmen zusammengeführt werden. Dafür möchten die beteiligten Forschungseinrichtungen sowohl eigene Wissenschaftler und KI-Experten als auch internationale Expertennetzwerke hinzuziehen.

Lösungen für die Praxis

Das Zentrum sieht Marco Langhof – trotz aller Kritik – vor diesem Hintergrund als Chance: Während in der Grundlagenforschung bereits gute Erfolge zu verzeichnen seien, komme es jetzt darauf an, schnellstmöglich produktive und praxistaugliche Lösungen für die Industrie zu realisieren. „In den Unternehmen gibt es bisher nur vereinzelt Erfahrungen – daher ist ein ,Centrum für Industrielle Intelligenz' ein attraktives Angebot. Seine Gründung ist ein folgerichtiger und wichtiger Schritt.“

Magdeburgs Unirektor Jens Strackeljan sieht in der genannten Grundlagenforschung eine Aufgabe seiner Einrichtung: Unabhängig vom Markt könne die Uni forschen und Trends setzen, so der Uniprofessor. Letztendlich sei es – so der Rektor übereinstimmend mit den anderen Rednern zur Gründung des Zentrums – ein erstrebenswertes Ziel, dass die Forschung am Ende in produktionsreife Produkte mündet.

Intelligent ist, was der Mensch kann

Das Navi im Auto oder das sprachbasierte Kommunikationssystem per se als künstliche Intelligenz zu bezeichnen, geht am Thema vorbei: In aktuellen Anwendungen handelt es sich oft um Lösungen, die im Wesentlichen aufgrund großer dahinterstehender Datenmengen funktionieren. Als künstliche Intelligenz betrachtet man eher die Fähigkeit von Maschinen, Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden.

Das Gabler Witschafts­lexikon nennt „Methoden, die es einem Computer ermöglichen, solche Aufgaben zu lösen, die, wenn sie vom Menschen gelöst werden, Intelligenz erfordern“ als charakteristisch für die künstliche Intelligenz. Vor allem die große Komplexität und Vielzahl der KI-Themen erfordere es aus Sicht der Gründer des Centrums für Industrielle Intelligenz in Magdeburg, die vorhandenen Kompetenzen zu bündeln.