Magdeburg l Feststimmung am 23. November 2019 in der Magdeburger Johanniskirche: Zum elften Mal wurde der Lothar-Kreyssig-Friedenspreis vergeben. Das Preisgeld über 4500 Euro teilen sich dieses Mal das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra, die Initiative Papatya aus Berlin und Jenny Rasche als Gründerin des Vereins Kinderhilfe für Siebenbürgen.

„Engagement von unten. Das ist es, was in heutiger Zeit wichtiger ist denn je“, sagte Stephan Hoenen, Superintendent des Kirchenkreises Magdeburg und Vorsitzender des Kuratoriums Lothar-Kreyssig-Friedenspreis. Die Preisträger seien ausgewählt worden, weil sie die Menschlichkeit achten, das Naheliegende tun und die Probleme ansprechen.

Ehre für drei Initiativen

Verein Kinderhilfe für Siebenbürgen: Die Gründerin des Vereins Kinderhilfe für Siebenbürgen, Jenny Rasche, lebt und arbeitet mit ihrer Familie gemeinsam mit Kindern und anderen Familien in der rumänischen Region Siebenbürgen. Unter anderem hat sie ein kleines Waisenheim gegründet. Im Fokus steht die Minderheit der Roma, die Diskriminierungen ausgesetzt ist. Ihr Verein mache auf die Armut und Not, aber auch auf die Würde der Menschen in Rumänien aufmerksam, heißt es seitens des Kuratoriums. Der deutsche Standort des Vereins hat seinen Sitz in Stapelburg im Landkreis Harz.

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Kriseneinrichtung Papatya: In Berlin bietet die Kriseneinrichtung Papatya Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund Schutz. Diese sind wegen kultureller und familiärer Konflikte von zu Hause geflohen. Die Einrichtung stellt sich auf die Seite dieser Frauen und Mädchen. Es gehe auch darum, ihnen eine Stimme in der Öffentlichkeit zu geben. Die Berliner engagieren sich gegen häusliche Gewalt, Verschleppung und Zwangsheirat.

Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra: Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus wurde das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra mit dem Lothar-Kreyssig-Friedenspreis ausgezeichnet. Das Bündnis bestärkt die Einwohner des kleinen Ortes Themar in Thüringen darin, die eigene weltoffene Haltung in ihrem Wohnumfeld öffentlich zu vertreten. Wenige Tage zuvor war der Initiative bereits der Regine-Hildebrandt-Preis verliehen worden. Sie stellt sich unter anderem auch gegen die Bewertung von Menschen nach Nützlichkeitskriterien.

Namhafte Preisträger

Der Friedenspreis wurde vom Evangelischen Kirchenkreis Magdeburg anlässlich des 100. Geburtstages des promovierten Juristen Lothar Kreyssig in Form einer Stiftung ins Leben gerufen. Die Preisverleihung findet seit 1999 alle zwei Jahre im November in der Johanniskirche statt. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten erhielten Personen und Gruppen den Preis, die sich um Versöhnung verdient gemacht haben, besonders im Blick auf jüdische Menschen und auf unsere ost- und südosteuropäischen Nachbarn. Ebenso will der Preis Menschen würdigen, die sich gesellschaftlichen Herausforderungen im Geist von Lothar Kreyssig unter den Prämissen von Gerechtigkeit und Menschenwürde stellen.

Bislang verliehen wurde der Magdeburger Lothar-Kreyssig-Friedenspreis beispielsweise an den früheren Ministerpräsident Polens, Tadeusz Mazowiecki, an Hildegard Hamm-Brücher, an den Stolpersteine-Schöpfer Gunter Demnig und den Architekten der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz, Helmut Morlok, die Amadeu-Antonio-Stiftung sowie an den katholischen Theologen und promovierten Germanisten Theo Mechtenberg.