Magdeburg l Über den Antrag der AfD-Fraktion, in Magdeburg einen „Platz der Trümmerfrauen“ auszuweisen, hat der Stadtrat auf seiner Sitzung am 18. Februar 2021 zu entscheiden. Einen geeigneten Ort müsste die Arbeitsgruppe Straßennamen finden, die hinter verschlossenen Türen tagt. In einem Papier der Verwaltung hieß es dazu bereits, dass das dauern kann: Da im Innenstadtbereich die repräsentativen Flächen bereits benannt sind, würde hier eine Empfehlung auch unter Einbeziehung von Überlegungen zu Umbenennungen oder Teilumbenennungen anderer Stellen einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen.

Ob es soweit kommt, ist allerdings offen. Denn in keinem der im Vorfeld um ein Votum gebetenen Ausschüsse gab es eine Mehrheit für den Vorstoß. Durchgefallen ist die Idee auch im Bauausschuss, im Ausschuss für kommunale Rechts- und Bürgerangelegenheiten, im Ausschuss für Familie und Gleichstellung sowie im Verwaltungsausschuss.

Das lag aber nicht daran, dass die Kritiker das Thema nicht für relevant hielten. An der Begründung der Initiatoren, die dabei Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) mit den Worten „Das Bild der Trümmerfrau, die mit Maurerhammer und Schaufel den Schuttbergen zu Leibe rückt, war prägend für die Nachkriegsjahre“ zitieren, hatte sich niemand gestört. Und auch, dass in der aus der Not geborenen Situation sich viele Frauen an der Gesundung unserer Stadt verdient gemacht haben, gab es keinen Zweifel. Ein Denkmal gibt es bereits an der Johanniskirche.

Bewusstsein für Bestehendes

Doch unter anderen CDU-Stadtrat Frank Schuster macht deutlich, was er für den besseren Weg hält: „Wir haben das Denkmal von Heinrich Apel an der Johanniskirche. Und wir haben die Johanniskirche selbst. Jetzt noch einen Platz zu benennen - das ist ein bisschen viel“, sagte er im Bauausschuss.

Vielleicht, so seine Überlegung, sei es besser, diese Orte im Kontext des Wiederaufbaus stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

Rolle hinterfragt

Unabhängig von der Diskussion in Magdeburg gibt es übrigens auch kritische Stimmen zur bisherigen Bewertung von Trümmerfrauen. So hatte Geschichtsprofessorin Marita Krauss von der Uni Augsburg darauf verwiesen, dass der Mythos der Trümmerfrau der Propaganda der NS-Zeit entstammt. Und nach dem Krieg diente die Arbeit in den Trümmern oft auch als Sühne derer - unter ihnen auch Frauen -, die in der NS-Zeit Schuld auf sich geladen hatten.

Und Axel Schildt vom Institut für Zeitgeschichte in Hamburg verwies darauf, dass es vor allem Unternehmen mit ihren schweren Maschinen waren, die überhaupt in der Lage waren, der Trümmerberge Herr zu werden.