Sommerfest

Geflüchtete Jugendliche feiern Umbau ihres Wohnheims im Bruno-Taut-Ring in Magdeburg

Wo einmal das Postlager und ein Café gewesen ist, sind unter anderem drei neue Wohnungen entstanden. Auf etwa 500 Quadratmetern ist so für alle zwölf Bewohner reichlich Platz.

Von Jasmin Teut
Die Jugendlichen konnten endlich in die neuen Wohnungen der ehemaligen Gewerbeeinheit im Bruno-Taut-Ring ziehen.
Die Jugendlichen konnten endlich in die neuen Wohnungen der ehemaligen Gewerbeeinheit im Bruno-Taut-Ring ziehen. Foto: Jasmin Teut

Magdeburg - Noch vor einem Monat konnte sich wohl keiner genau vorstellen, wie aus einer Gewerbeeinheit ein Jugendwohncamp entstehen wird. Aber der Umbau ist nun geschafft und die Kinder und Jugendlichen konnten in ihr neues Domizil einziehen. Das diesjährige fünfte Sommerfest der BVIK GmbH (Bilden, Vermitteln, Integrieren, Kommunale Dienstleistungen) wurde daher direkt zum Anlass genommen, um Interessierten eine Besichtigung der neuen Räume zu bieten.

Dort, wo sich zuvor das Lager einer Post befunden hat, sind nun die Büroräume der Einrichtung. Auch ein Café wurde zuvor in dem Gebäude betrieben, sagt BVIK-Geschäftsführer Taoufiq Elmourabiti. Insgesamt zwölf Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aus ihrem Land geflüchtet sind, finden in der neu eingerichteten Wohngruppe ihren Platz. Auf circa 500 Quadratmetern sind mit dem Umbau drei Wohnungen, ein Bürokomplex und ein Veranstaltungsraum geschaffen worden, sagt Elmourabiti. Während der Umbauarbeiten zog die Wohngruppe in ein Zwischenquartier. Dies sei eine Notlösung gewesen, denn die Betreuung der Jugendlichen gestaltete sich nicht leicht. „Unser Büro war im Erdgeschoss und die Wohnungen im 15. Stock“, sagt der Geschäftsführer.

Doch nun können sie sich Zuhause fühlen. Schon im Eingangsbereich zieren etliche gerahmte Fotos die Wand. Sie erinnern unter anderem an ehemalige Bewohner, wie zum Beispiel an Mohammed Almouri. Mit 15 Jahren ist er in die Wohngruppe gezogen und ist nun angehender Student, sagt Elmourabiti.

Behindertengerechte Wohnungen

Die neuen Schlafzimmer sind zwischen zehn und 16 Quadratmeter groß und mit dem Nötigsten wie Bett, Schrank und Schreibtisch ausgestattet. Gestaltungsmöglichkeiten sind den Jugendlichen überlassen. So wurde zum Beispiel ein Schlafzimmer mit einer schwarzen Tapete verschönert.

Die Schlafzimmer befinden sich in insgesamt drei Wohnungen, darunter Einzel- und Doppelzimmer. Jede Wohnung hat außerdem eine Wohnküche und ein Badezimmer. „Wir haben darauf geachtet, dass es behindertengerecht ist, falls jemand im Rollstuhl zu uns kommt“, sagt Elmourabiti. So wurde in jeder Wohnung eine ebenerdige Dusche und eine Rampe am Eingang des Gebäudes gebaut.

Die drei Wohnungen sind nach dem jeweiligen Alter aufgeteilt, erklärt der Geschäftsführer. In der ersten Wohnung finden die Jüngsten ihren Platz, in der zweiten dementsprechend die mittlere Altersstufe. In der letzten Wohnung, die mit vier Einzelzimmern ausgestattet ist, sind die Ältesten zu finden, die bald aus dem Wohncamp ausziehen werden. Für Alaa Aloloida dauert es noch etwas, bis er ausziehen wird. Der 15-Jährige ist seit acht Monaten in der Wohngruppe. Der Stadtteil und die Wohngruppe gefällt ihm gut, sagt er selbst.

Der 14-jährige Neuzugang Ahmad Al Alo hatte keine Schwierigkeiten, sich in die Gruppe zu integrieren. „Ich komme mit allen gut klar“, sagt der aus Syrien stammende Junge. Und falls es doch mal Streit oder andere Anliegen gibt, ist zu jeder Uhrzeit ein Betreuer vor Ort. „Nachts ist immer jemand hier und tagsüber, je nachdem, bis zu vier Betreuer“, erklärt der Geschäftsführer. Neben dem Besuch der Schule wird auch an den Deutschkenntnissen der Jugendlichen gearbeitet. „Das wird immer schwieriger“, sagt Elmourabiti. Früher kamen Kinder zu ihm, denen nur ein paar Jahre Schule gefehlt hat. Heute seien es mitunter Kinder, die fast zehn Jahre keine Schule mehr von innen gesehen hätten. Gerade diejenigen, die aus Kriegsgebieten kommen, benötigen mitunter extra Unterstützung. Dafür stehen ausgebildete Traumapädagogen in der Wohngruppe zur Verfügung.

Von nichts kommt nichts

Das Ziel des Geschäftsführers ist vor allem die Selbstständigkeit der Kinder und Jugendlichen. „Sie sollen hier Fuß fassen“, sagt er. Worüber sie sich freuen würden, seien Fahrräder. Die fehlen noch im BVIK. Ein weiteres Ziel von ihm ist jedoch auch, ihnen beizubringen, sich etwas zu erarbeiten – ganz nach dem Motto: Von nichts kommt nichts. So haben sie zum Beispiel erst kürzlich eine Aktion gestartet und sammelten auf dem Platz vor der Wohngruppe Müll.