Magdeburg l In der ersten Aprilwoche 2018 passierte das Beschlusspapier die Magistratsrunde beim Oberbürgermeister; sein langer Kurztitel: „Ausbau Eisenbahnknoten Magdeburg, 2. Ausbaustufe, Bauvorhabend Eisenbahnüberführung Ernst-Reuter-Allee – Planung Umfeldgestaltung“.

So viele Vorworte hätte das die Drucksache verantwortende Baudezernat mit Blick auf den inhaltlichen Umfang gar nicht machen müssen. Der nämlich ist denkbar schmal.

Lichtnetz und Belag in Grautönen

Im Ergebnis des Masterplans Umfeldgestaltung von 2012 - zuvor hatten sich Planungsbüros aus ganz Deutschland Gedanken gemacht – soll der Stadtrat Magdeburg ganze drei Elemente beschließen: „1. duchgehendes Lichtband unterhalb der Brücken, 2. Lichtnetz mit Leuchtringen am City Carré, 3. Belag der 0-Ebene in Grautönen“.

Weitere Beschlusspunkte sind die Beauftragung eines Planungsbüros zur Gestaltung der Tunnelportale und die künstlerische Gestaltung der Ansichtsflächen der Brückenwiderlager (Wände links und rechts des oberirdischen Durchgangs unter den neuen Bahnhofsbrücken).

Masterplan abgespeckt

Die Begründung des Beschlusspapiers listet in erster Linie auf, warum nicht geht, was einst im Masterplan vorgesehen war.

Die Tunnelportale sollten ursprünglich gefällig gerundet mit einer Lärmschutzkonstruktion aus gelochtem Aluminium eingefasst sein. Weil im Bauverlauf eine Verbreiterung der Bohrpfähle nötig wurde, fehlt nun der Platz für die runden Ein- und Ausfahrten. Aber auch aus Kosten- und Wartungsgründen empfiehlt die Stadtverwaltung Magdeburg nun Portale in „Rechteckform“ mit „Klinkerverblendungen im Farbton ockergelb“.

Statische Gründe angeführt

Aus statischen Gründen sei außerdem der Einbau horizontaler Streben aus Stahlbeton in die östlichen Portale nötig. Wie das alles auch noch nach etwas aussehen kann, dafür soll nun ein Planungsbüro im kommunalen Auftrag Vorschläge unterbreiten.

„Aus statischen Gründen nicht ausführbar“ sei die geplante Sonderkonstruktion für eine auf zwei Meter Breite unterleuchtete Decke in der Passage unter den Bahnhofsbrücken. Jetzt sollen es durchgehende Lichtbänder richten.

Sitzinsel am Tunnel ersatzlos gestrichen

Am Willy-Brandt-Platz sahen die Freiraumplaner von einst eine futuristisch geformte, knallrote Sitzinsel für mehr Aufenthaltsqualität vor. „So nicht mehr ausführbar“, lautet die knappe Beurteilung des Baudezernates aus heutiger Sicht. Auch hierfür werden „statische und räumliche Randbedingungen“ verantwortlich gemacht. Die geplante Sitznische ist ersatzlos gestrichen.

Probleme gibt es schließlich selbst beim geplanten Pflaster. Weil im südlichen Bereich umfangreiche Medientrassen auf der Tunneldecke verlegt werden müssten, sei „keine ausreichende Überdeckung“ für die Einbettung der Pflastersteine vorhanden. Die vom Baudezernat vorgeschlagene Alternative: „Eine Lösung besteht im Aufbringen von farbigem Asphalt, ggf. mit Scheinfugen.“

20 Leuchtringe am Tunnelportal

Einzig das schon 2012 geplante Lichtnetz über den östlichen Tunnelportalen vor dem City Carré hat die Jahre überdauert und soll samt 20 Leuchtringen an den MVB-Masten aufgehängt werden.

Für die künstlerische Gestaltung des neuen Eingangs zur Innenstadt von Magdeburg sind 150.000 Euro vorgesehen. Die Stadt Magdeburg setzt auf Graffiti für die etwa 400 Quadratmeter großen Wände der Brückenwiderlager links und rechts des neu entstehenden Durchgangs oberhalb der Tunnelebene. Geplant ist hierfür die Auslobung eines Künstler-Wettstreits.