Missis-Wahl

Grande Dame der Magdeburger Modewelt, Margit Tietz, fährt zum internationalen Wettbewerb nach London

Seit Jahren betreut sie Nachwuchsmodels und hat einigen schon dabei geholfen, einen Miss-Titel zu holen. Nun bereitet sich die Grande Dame der Magdeburger Modewelt, Margit Tietz, selbst auf eine internationale Missis-Wahl vor.

Von Christina Bendigs
Margit Tietz ist 72 und lebt für die Mode. Im Oktober wird sie sich bei der Mrs. Universal Empire Beauty Wahl mit der internationalen Konkurrenz messen.
Margit Tietz ist 72 und lebt für die Mode. Im Oktober wird sie sich bei der Mrs. Universal Empire Beauty Wahl mit der internationalen Konkurrenz messen. Foto: Christina Bendigs

Magdeburg/London - Schon als Kind habe sie zu Hause einen Laufsteg angelegt und ihre Kleider präsentiert – und blieb der Mode auf unterschiedliche Weisen ein Leben lang treu. Mit 72 Jahren könnte es für Margit Tietz nun auch noch mit einem internationalen Missis-Titel klappen. Sie bereitet sich derzeit auf die „Mrs. Universal Empire Beauty“-Wahl vor, die im Oktober erstmals in London ausgerichtet wird und über alle Altersgruppen hinweg die schönsten Frauen der Welt kürt. Man soll eben nie den Glauben verlieren, dass sich Träume erfüllen können.

Der „Missis Universal Empire Germany“-Titel ist Margit Tietz jedenfalls schon mal sicher. Und selbst wenn sie am Ende die Schärpe mit dem internationalen Titel nicht gewinnt, so werde sie dort doch viele Kontakte knüpfen – allein das sei es wert, an der Wahl teilzunehmen.

Um zu erzählen, wie es dazu kam, muss Margit Tietz aber etwas weiter ausholen, denn es waren Umwege und Zufälle, über die sie von der Londoner Corporation angesprochen und mit dem Deutschland-Titel ausgezeichnet wurde. Und ein bisschen verrückt ist es wohl auch. Schließlich war es ein Kurztrip nach Paris, der ihr die notwendige Aufmerksamkeit einbrachte. Margit Tietz wurde über Facebook zu einem Fotoshooting in Paris eingeladen. Wäre sie in Magdeburg in den extravaganten Dessous Bahn gefahren, hätten sich die Leute wohl seltsam angeschaut. Doch in Paris führte an einem Tag, an dem offenbar vieles schieflief, nichts daran vorbei.

Foto-Shooting unterm Eiffel-Turm

Dennoch posierte sie am Ende vor dem Eiffelturm und anderen Pariser Sehenswürdigkeiten, und natürlich wurden ihr auch die Bilder zur Verfügung gestellt.

Margit Tietz hier beim Shooting in Paris.
Margit Tietz hier beim Shooting in Paris.
Foto: Paulette Mouquet

Die gleiche Frau, die sie beim Shooting kennenlernte, lud sie schließlich zu der Missis-Wahl ein, mit dem die Magdeburgerin ihrem Leben im Zeichen der Mode schon ein Krönchen aufsetzte.

Es war niemand Geringeres als Heinz Bormann, der „Rote Dior“, für den Margit Tietz erstmals einen öffentlichen Laufsteg betrat. Der aus Schönebeck stammende Mode-Designer erlangte bald Promi-Status. Und zwei Mappen zeugen von den modischen Stationen der Grande Dame der Magdeburger Modewelt. 1985 gründete Margit Tietz selbst ihre erste Modelgruppe und reiste später mit den Frauen von Rostock bis Dresden durch die DDR, um die neuesten Kreationen zu präsentieren. Ihr Mann habe dabei stets die Moderationen übernommen. Die beiden hatten eigentlich einen Gemüseladen am Hasselbachplatz, nach der Wende machten sie daraus eine Pizzeria und eine Bar. Zwischenzeitlich war Tietz auch arbeitslos.

Mode macht Frauen noch schöner

Doch immer wieder rappelte sie sich auf, gründete eine Boutique, bis sie mit 63 ihren Job kündigte, um nur noch das zu machen, was ihr Freude bereitet: Mode. In der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in Berlin mischte sie bei der Schau „Otto macht Mode“ mit, wo einmal jährlich die Kreationen der Modeschöpfer aus Sachsen-Anhalt gezeigt werden. Seit drei Jahren findet die Schau in Magdeburg in der Johanniskirche statt, hätte voriges Jahr zehnjähriges Bestehen gefeiert, wenn die Corona-Pandemie nicht dazwischengekommen wäre. „Wenn alles gut geht, wird die Veranstaltung in diesem Jahr nachgeholt, am 9. Oktober“, sagt sie. Kurz darauf, Ende Oktober, fährt die Beraterin für Effectcosmetics dann zum Wettbewerb nach London.

Was ihr an der Mode gefällt, ist die damit verbundene Schönheit. „Viele Frauen, die sich nicht schminken, sind wunderschön“, sagt sie, „aber sie könnten noch schöner sein, würden sie sich ein wenig zurechtmachen“, sagt die modebegeisterte Margit Tietz, die inzwischen in der Nähe von Magdeburg wohnt und auch Oma geworden ist.

Ihr Abendkleid für den Wettbewerb näht Jona Hoffmann von Silbernadel-Couture. Die aus Kasachstan stammende Saarländerin weilte unlängst in Magdeburg, um in der Galerie Fabra Ars ihre Kollektion zu präsentieren. Man darf gespannt sein auf die nächsten Otto-macht-Mode-Schauen, bei denen Margit Tietz sicher auch ihre Erfahrungen aus London ins Spiel bringen wird. Jetzt heißt es aber erst einmal „Daumen drücken“ für die Missis-Wahl. Da ist selbst die erfahrene Modelmanagerin aus Magdeburg aufgeregt.

Margit Tietz hier mit Schärpe und Krönchen
Margit Tietz hier mit Schärpe und Krönchen
Foto: Achim Viehweg