Magdeburg l Es ist ein ruhiger Freitagabend. Draußen regnet es immer mal wieder und mit 15 bis 17  Grad Celsius kann von einer sommerlich milden Nacht keine Rede sein. Dennoch sind am 18. August 2017 die Mitarbeiter von Stadtordnungsamt und Polizei erstmals gemeinsam am Hasselbachplatz in Magdeburg unterwegs.

Zum ersten Mal laufen sie gemeinsam Streife, um mehr Präsenz zu zeigen. Gegen 20 Uhr beginnen sie ihren Dienst im Revier an der Hallischen Straße. Rund um den Hasselbachplatz, wo sonst zahlreiche junge Leute zusammensitzen, ist an diesem Abend nicht viel los. Denn das Wetter ist einfach zu schlecht. Dennoch: Zu tun gibt es einiges.

21 Uhr
An der Liebigstraße entdecken Polizei und Ordnungsamtsmitarbeiter einen Mann, der gerade gegen einen Baum uriniert. Oliver Leschke und Gert vom Baur vom Ordnungsamt sprechen ihn an. Der Mann versteht kaum Deutsch, bedeutet ihnen aber, dass er dringend seine Notdurft habe verrichten müssen. Diese Ordnungswidrigkeit kostet ihn 15 Euro.

Die Ordnungsamtsmitarbeiter fragen ihn nach seinen Dokumenten und auch nach Geld. Doch der Mann hat kein Geld bei sich und ist in einer Flüchtlingsunterkunft gemeldet. Oliver Leschke notiert sich die Personalien des Mannes. In der nächsten Woche wird das Ordnungsamt sich noch einmal mit ihm in Verbindung setzen. Fürs erste scheint der Mann einen gehörigen Schrecken bekommen zu haben.

21.15 Uhr
Am und auf dem Spielplatz an der Hegelstraße treffen sich einige Jugendliche. Mit Taschenlampen suchen sich Ordnungsamtsmitarbeiter und Polizisten ihren Weg über das Gelände. Ihre Erscheinung ist durchaus beeindruckend. „Was machen Sie denn hier?“, fragen zwei Jugendliche mit Respekt. „Wir laufen Streife“, kommt die Antwort der Ordnungshüter und sie wollen wissen, wie alt die Jugendlichen seien.

Sie gingen in die zehnte Klasse, sagen sie. Einer zückt seinen Ausweis, um das zu beweisen. Danach geht der Streifendienst weiter. „Wir dürfen Personen nicht ohne Grund kontrollieren“, sagt Ordnungsamtschef Gert vom Baur, der an diesem Abend selbst mit Streife läuft, weil sein Kollege wegen eines Krankheitsfalles sonst allein gewesen wäre.

21.30 Uhr
Hinter der Straßenecke von Leibniz- und Liebigstraße klirrt Glas. Eilig laufen Polizisten und Stadtmitarbeiter um die Ecke und sehen zwei Jugendliche, die sie ansprechen. Wieder lassen sie sich Personalausweise zeigen. Einer der Jugendlichen sagt, die Flasche habe dort schon gestanden und er habe dagegen getreten. Der Jugendliche wird von Oliver Leschke aufgefordert, die Scherben aufzusammeln. „Und damit sollte der Fall dann erst einmal erledigt sein“, sagt er.

22.30 Uhr
„Wir haben einen Einsatz“, sagt die Polizistin. Eilig laufen alle los. Am Breiten Weg hat es eine Schlägerei gegeben, einem Mann wurde ein Zahn ausgeschlagen. Er wirkt aggressiv. Ganz klar: Das ist ein Fall für die Polizei.

Als er sieht, dass die Beamten an diesem Abend von Presseleuten begleitet werden, droht die Situation zu eskalieren. Ein weiterer junger Mann, der mit der Situation augenscheinlich nichts zu tun hat, kommt immer wieder heran und beschwert sich über die Kameraleute. „Wenn Sie sich davon gestört fühlen, gehen Sie einfach beiseite“, sagt die Polizistin. Doch der junge Mann scheint regelrecht Streit zu suchen.

Jetzt stehen deutlich mehr Menschen am Hasselbachplatz – Schaulustige, aber auch Leute, die auf die letzten Straßenbahnen warten. Während die Polizei ihre Arbeit macht, kommt eine Passantin auf Oliver Leschke zu und gibt ihm ein Portemonnaie, das sie einige Tage vorher am Domplatz gefunden habe. Leschke: „Das kommt ins Fundbüro und der Besitzer bekommt Post.“

22.45 Uhr
Auf dem Gehweg am Breiten Weg ist ein Mustang geparkt. Gert vom Baur fertigt ein Knöllchen. In anderen Ländern werden diese einkommensabhängig verteilt. Heißt: Wer mehr verdient, muss auch mehr zahlen.

23.15 Uhr
Feierabend für die Kollegen des Ordnungsamtes. Händeschüttelnd verabschieden sie sich von den Polizisten. Die gönnen sich nun auch erst einmal eine kleine Pause.

23.55 Uhr
Zwei Polizeiautos mit Blaulicht fahren den Breiten Weg hinauf. Kurz darauf sind auch die beiden Polizisten im Laufschritt unterwegs in Richtung Hasselbachplatz. Weitere Polizeiautos trudeln ein und sperren den Bereich ab. Zahlreiche Polizisten sind innerhalb kürzester Zeit vor Ort und befragen Leute und suchen den Bereich nach der Tatwaffe ab. Es soll eine Messerstecherei gegeben haben.

2 Uhr
Jetzt haben auch die beiden Polizisten Feierabend.