Magdeburg l Der Magdeburger Wolfgang Stein hat ein ungewöhnliches Hobby: Er sammelt Postkarten. Fast 2200 Stück hat er über die Internetseite Postcrossing erhalten und ebenso viele verschickt. Die Karten hebt der 66-Jährige nach Datum sortiert in mehreren Kästen auf – viele Stadtansichten und Landschaftsbilder sind darunter, sowie Darstellungen von Feen und anderen Fabelwesen.

Im digitalen Zeitalter sind Postkarten seltener geworden. Umso mehr schätzt Wolfgang Stein das handgeschriebene Wort. „Im Vergleich zu einer E-Mail ist der Aufwand, eine Postkarte zu schreiben, wesentlich höher, das heißt, das Interesse am anderen ist größer“, erklärt er und schwärmt weiter: „Es ist ein Gegenstand, den ich immer wieder in die Hand nehmen kann und nicht etwas, das elektronisch simuliert wird.“ Gerne stöbere er in seinen Karten und lese sie immer wieder.

Post aus Jugendzeiten aufgehoben

Vor sechs Jahren meldete er sich im Internet bei Postcrossing an. Seine Begeisterung für die Karten begann aber bereits früher. Er habe zu vielen Gelegenheiten Grußkarten an Freunde und Verwandte geschickt und schon immer gerne Post bekommen. Ein Wegwerfen der Briefe kam dabei nicht in Frage. „Ich glaube, ich hebe alles auf. Aus Jugendzeiten gibt es bestimmt noch Post von Freunden, die inzwischen gar nicht mehr leben.“

Über sein Faible für ungewöhnliche Briefmarken sei er schließlich in einer Fachzeitung auf die Onlineplattform aufmerksam geworden. Seitdem lässt ihn die Sammelleidenschaft nicht mehr los.

Dabei ist das Postkartenverschicken nicht unbedingt ein günstiges Hobby. „Ins Ausland kostet das Porto durchweg 90 Cent und die Karte selber mindestens 45 Cent“, sagt Wolfgang Stein. Mehr als 3000 Euro hat er so über die Jahre in sein Hobby investiert. Trotzdem wird er von seiner Familie unterstützt. „Meine Frau und unsere Tochter freuen sich auch, wenn mal eine Karte aus Neuseeland oder Südafrika im Kasten ist,“ erzählt Wolfgang Stein.

Favoriten sind Australien und Neuseeland

Australien und Neuseeland gehören dabei zu den von ihm favorisierten Ländern. „Von je weiter die Karte herkommt, desto lieber ist sie mir“, sagt er und fährt fort: „Viele Postkarten bekomme ich aus Russland, den Vereinigten Staaten und Holland. Anscheinend kommen viele Mitglieder von Postcrossing aus diesen Ländern. Ich habe so gut wie noch keine Postkarte aus kleineren Ländern wie Montenegro, Andorra oder Lichtenstein.“

So manche Kuriositäten und Seltenheiten zählt der Rentner, der selbst schon fast die ganze Welt persönlich bereist hat, zu seiner Sammlung. So beispielsweise eine Postkarte aus Russland, die zur Hälfte mit Briefmarken beklebt ist oder sogenannte Maxikarten, bei denen das Kartenmotiv identisch ist mit dem der Briefmarke.

Eine Postkarte erreichte ihn kürzlich aus Moskau. Die Absenderin schrieb über die Magdeburger Bronzetüren der Sophienkathedrale in Viliky Novgorod. „Dass die Leute darauf achten, wohin sie die Karten schicken und so etwas dann wissen, ist toll“, findet Wolfgang Stein.

Postcrossing ist ein kostenfreies Internetangebot. Möchte man eine Karte verschicken, bekommt man die Adresse eines zufällig ausgewählten Mitgliedes genannt. Jede Karte erhält eine Identifikationsnummer, mit der sie zugeordnet werden kann. Für jede verschickte Karte bekommt man eine von einem anderen Mitglied zugesandt.