Magdeburg l Das hat es bisher noch nicht gegeben. Erstmals lobt der Anglerverein Magdeburg 200 Euro für Hinweise aus, welche zur Aufklärung illegaler Abfallablagerungen an den Magdeburger Angelgewässern, insbesondere an den Salbker Seen, führen. „Das ist eine einmalige Sache, aber wir wissen uns langsam nicht mehr anders zu helfen“, kommentiert Anglervereinschef Harald Rohr die ungewöhnliche Maßnahme.

Der Leidensdruck ist offenbar inzwischen ziemlich groß. Sechsmal haben die Petrijünger 2018 allein schon am Salbker See I aufgeräumt und Müll entsorgt. Dort werde es immer schlimmer, berichtet Rohr gegenüber der Volksstimme. Im Oktober 2017 gab es zum Beispiel eine große Aufräumaktion in der Umflut. Zwischen Pechau und Zipkeleben haben die Angler einen großen Berg illegal verkippten Bauschutt abgefahren. Die Stadt Magdeburg habe es „nicht fertiggebracht, diesen Abfall abzuholen“, erinnert sich der Chef der ca. 1800 Angler in Magdeburg.

Abfall stammt nicht von Anglern

Baustoffe, Sperrmüll – das sind Dinge, die nichts mit Hinterlassenschaften der Angler an ihren Pachtgewässern zu tun hätten, betont der Vereinsvorsitzende. Hier würden von Unbekannten Straftaten verübt - auf den Flächen der Stadt. Betrachte man den Salbker See I in Gänze, sei auch der nordwestliche Bereich, neben dem Parkplatz, ein Schwerpunkt. Im Schilf finde sich ebenfalls illegal entsorgter Abfall, welcher auf eine „nicht anglerische Party“ schließen lasse. Die Angler sollen sich aber ein ums andere Mal um die Entsorgung kümmern.

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Mit dem sechsmaligen Einsatz 2018 allein am Salbker See I „sind wir Angler unserer Pflicht aus dem Fischereipachtvertrag eigentlich umfänglich nachgekommen“.

Stadt Magdeburg nimmt Angler in die Pflicht

Vor diesem Hintergrund sorgte ein Schreiben der Stadt Magdeburg an den Anglerverein vor einigen Tagen für schlechte Stimmung. Darin hieß es: „… über illegale Abfallablagerung im südöstlichen Uferbereich des Salbker Sees I liegt dem Fachbereich Liegenschaftsservice, Fachdienst Grundstücksmanagement, der Landeshauptstadt ... eine Beschwerde des Umweltamtes ... vor“. Für die Entsorgung des illegal abgelegten Abfalls sehe das Amt die Angler in der Pflicht, weil diese einen Fischereipachtvertrag für das Gewässer besitzen und zur jährlichen Reinigung der für die Ausübung der Fischerei zugelassenen Uferzonen verpflichtet seien.

„Wenn der Stadt nichts anderes einfällt zur illegalen Müllentsorgung, als uns hier wieder in die Verantwortung zu nehmen, weiß ich auch nicht.“ Das ginge auf Dauer nicht, erklärt Rohr. Doch die Angler wollen auch diesmal helfen. Harald Rohr sagt: „Dann werden wir eben auch ein siebtes Mal unsere ,jährliche Reinigung‘ durchführen und hoffen, dass die Landeshauptstadt ihrerseits entsprechende Aktivitäten unternimmt, die Schmutzfinken ausfindig zu machen.“ Denn, „die Beräumung auf uns im Ehrenamt abzuwälzen, stößt auf Unverständnis“, fügt er an.

200 Euro Belohnung

Ob Salbker I oder II - es müsse grundsätzlich etwas passieren. „Sie als Müllkippe hinzunehmen, sollten wir keinesfalls dulden“, sieht der Vereinschef alle in der Pflicht. Und er hofft auch auf Mithilfe aus der Bevölkerung. Wer zum Beispiel illegale Entsorger beobachtet, solle sich die Autonummer notieren, Anzeige bei der Polizei stellen und zeitgleich den Anglerverein informieren. Wird ein Täter überführt, winken die 200 Euro Belohnung vom Verein. Eine einmalige Aktion, mit der man ein Zeichen setzen wolle.

Denn das Überführen der Täter ist das große Problem, wie auch die Stadt Magdeburg einräumt. Oft fehlten Zeugenhinweise. Auch der Abfall biete kaum stichhaltige Anhaltspunkte.

Stadt Magdeburg spricht von Ausnahme

Die Gesamtlage sieht die Stadt Magdeburg hingegen weniger dramatisch. Im Gegenteil: Illegale Müllentsorgungen seien „eher die Ausnahme“. Das wilde Verkippen von Bauschutt, Reifen, Fahrzeugbatterien u. Ä. sei sogar „deutlich zurückgegangen“. Schwerpunkte gebe es zudem keine. Wenn, dann geschehe dies meist außerhalb am Stadtrand oder im Umfeld von Industriebrachen.

Die Stadt sieht sich derweil auch in einer aktiven Rolle. Sei kein Verursacher ausfindig zu machen, übernehme sie fürs Erste die Beseitigung und versuche, den Verursacher zu ermitteln, „um die entstandenen Kosten in Rechnung zu stellen“.

Illegalen Müll der Stadt melden

Bürger hätten zudem viele Möglichkeiten, illegale Müllablagerungen zu melden (u. a. über die kostenlose Hotline des Stadtordnungsdienstes unter Tel. 0800/5407000 oder den MD-Melder) und machten davon auch rege Gebrauch.