Magdeburg l  Die neue Anlage soll auf dem bestehenden Betriebsgelände am Kraftwerk-Privatweg im Norden Magdeburgs entstehen. Für 2024 ist die Aufnahme des Regelbetriebs vorgesehen. Dann werden in dem sogenannten Block 3 jährlich bis zu 270.000 Tonnen Gewerbeabfälle zusätzlich verbrannt.

Zusätzliche Energie

Das 2005 eröffnete Werk wandelt schon jetzt jährlich rund 650.000 Tonnen Hausmüll und ähnliche Abfälle in Wärme für 44.000 Haushalte und Strom für 110.000 Haushalte um. Geht die neue Anlage in Betrieb, könnten mehrere Zehntausend Haushalte zusätzlich mit Strom- und Heizenergie versorgt werden.

Exporte ins Ausland nehmen stark ab

Für die neue Anlage gibt es laut MHKW-Geschäftsführer Rolf Oesterhoff großen Bedarf. Der resultiere aus dem Wegfall von Mitverbrennungskapazitäten in Kohlekraftwerken wegen des Kohleausstiegs. Außerdem falle mehr Restmüll aus Gemeinden an. Zudem stiegen die Gewerbeabfälle. Obendrauf komme, dass Anreize für Müllexporte ins Ausland zurückgehen und deshalb in Deutschland entsorgt werden müsse.

Kapazitäten erhöhen

„Wir haben uns deshalb nach reiflicher Überlegung entschlossen, in Rothensee die Kapazitäten zu erhöhen und zu investieren“, so Oesterhoff weiter. Verträge mit Unternehmen seien gemacht oder befänden sich in Anbahnung. Rund ein Drittel der Müllmenge komme aus der Region.

Ein weiterer Großteil aus Ostdeutschland. Der Rest werde aus ganz Deutschland angeliefert. Etwa 220 Lkw-Ladungen mit Abfall landen bisher schon täglich im Müllheizkraftwerk an. Mit der dritten Linie werden es dann noch einmal 60 mehr sein, so Oesterhoff. Deshalb soll am Werk eine neue Ausfahrt auf den Bebeldamm gebaut werden.

Klärschlamm in den Ofen

Außerdem werde in die neue Verbrennungslinie noch eine Klärschlamm-Verbrennungsanlage integriert. Sie soll den Stoff so umweltfreundlich wie möglich entsorgen. Klärschlamm darf, sofern er nicht für die Landwirtschaft genutzt werden kann, nicht dauerhaft deponiert werden. Immer schärfere Vorschriften sorgen nun dafür, dass immer weniger Klärschlamm in der Landwirtschaft verwendet werden kann und daher in Anlagen, wie künftig auch in Rothensee, verbrannt werden muss.

Acht Tonnen je Stunde

Rund die Hälfte des Klärschlamms in Deutschland wird bereits verbrannt, analysierte das Umweltbundesamt. Für die Zukunft wird ein weiterer Anstieg erwartet. Deshalb will das Müllheizkraftwerk auch in diesen Markt mit einsteigen. Die neue Klärschlammverbrennungsanlage wird über eine Kapazität von acht Tonnen je Stunde verfügen.

Gute Entscheidung

Das alles habe letztlich zur Planung eines neuen Verbrennungsblocks geführt, begründete MHKW-Aufsichtsratschef Bernhard M. Kemper. Stellvertreter Helmut Herdt sieht es ebenso: „Das ist auch eine gute Entscheidung für den Industriestandort Magdeburg. Das Müllheizkraftwerk hofft nun auf eine Genehmigung des aufwändigen Antragsverfahrens bis Ende 2021. Eine Prognose darüber wollte das Landesverwaltungsamt in Halle nicht abgeben. Sprecherin Denise Vopel bestätigt aber den Eingang der Antragsunterlagen und kündigte zugleich eine Öffentlichkeitsbeteiligung an.

Positive Reaktionen aus der Bürgerschaft

Die hat das Müllheizkraftwerk schon in Teilen von sich aus vollzogen. In einer Informationsveranstaltung wurden Vertreter der Rothenseer Gemeinwesenarbeit über das Vorhaben vor ihrer Nase in Kenntnis gesetzt.

Öffentlichkeit wird informiert

Wolfgang Ortlepp, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Rothenseer Bürger, sagte auf Anfrage: „Wir fühlen uns transparent und gut informiert und sehen im Moment keinen Anlass für eine grundsätzliche Kritik.“ Ende August soll dann auf einer Sitzung auch die allgemeine Öffentlichkeit informiert werden.

Magdeburg unterstützt

Positiv beurteilt wird der Ausbau des Müllheizkraftwerkes auch vom Magdeburger Wirtschaftsdezernat. Deren frischgebackene Beigeordnete Sandra Y. Stieger wertete: „Jede Investition oder, wie in diesem Fall, die Erweiterung eines Unternehmens zeigt die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes. Und diese ist positiv. Für Magdeburg bringt die Investition Aufträge während des Baus, bis zu 40 qualifizierte Industriearbeitsplätze und mit der Ausweitung des Geschäftsbetriebes mehr zu erwartenden Umsatz für das MHKW. Daher ist das Engagement sehr zu begrüßen und wird von der Stadt positiv bewertet.“ Als Wirtschaftsdezernat stehe man als Ansprechpartner zur Verfügung.

Nach Angaben des Müllheizkraftwerkes sollen zu den 35 direkten neuen Arbeitsplätzen etwa 70 weitere bei Zulieferern hinzukommen.

Die Geselschafter

Gesellschafter des Müllheizkraftwerkes sind der Konzern EEW Energy from Waste aus Helmstedt (51 Prozent, 15 Standorte in Deutschland) und die Städtischen Werke Magdeburg (49 Prozent). Das Müllheizkraftwerk war 2005 für 250 Millionen Euro gebaut worden und zählt derzeit knapp 100 Mitarbeiter.