Magdeburg l Eigentlich sollte das „Provisorium“ Herzchirurgie, das im November 1995 am Uniklinikum eröffnet wurde, nur wenige Jahre in Betrieb bleiben. „Leider werden es dann doch mehr als 20 Jahre“, sagt Dr. Jan L. Hülsemann, Ärztlicher Direktor der Uniklinik. Damals war der Bedarf in Sachsen-Anhalt so groß, dass schnellstens neben der Herzchirurgie an der Uni Halle eine zweite in Magdeburg eröffnet werden musste. Und man entschloss sich, erst einmal ein Provisorium in Form von Raummodulen (vorgefertigte Beton-Container) zu bauen. Allerdings ist die Bezeichnung „Provisorium“ nur für den Gebäudekomplex des Hauses 5a richtig, die Herzchirurgie darin erfüllte und erfüllt alle Anforderungen an eine moderne Patientenversorgung. Aber die Abteilung stößt längst an ihre Grenzen. Zurzeit werden dort jährlich rund 1000 Herzoperationen vorgenommen. „Der Bedarf liegt aber um rund 25 Prozent höher“, sagt Prof. Dr. Ingo Kutschka, Direktor der Universitätsklinik für Herz- und Thoraxchirurgie. Und auch dem demografischen Wandel (mehr ältere Menschen, weniger junge) müsse Rechnung getragen werden, denn bei einer älter werdenden Bevölkerung steige auch die Anzahl der schweren Herzerkrankungen.

Das neue Herzzentrum wird 40,2 Millionen Euro kosten. In ihm werden dann die Herzchirurgie und die Kardiologie zusammengelegt. Insgesamt wird das Zentrum 116 Betten haben. Davon sind 22 Intensivpflegebetten und 18 sogenannte „Intermediate-Care-Betten“. Diese sind für Patienten bestimmt, die sowohl von der Herzchirurgie als auch von der Kardiologie betreut werden. Vier Operationssäle wird das Zentrum bekommen, einer davon ist ein Hybrid-OP. „Diese OPs sind so eingerichtet, dass dort Eingriffe am ,geschlossenen‘ Herzen möglich sind, aber auch große Brustkorb-Eröffnungen“, so Prof. Kutschka. Als Beispiel: Wenn bei einer Herzkatheter-Untersuchung festgestellt wird, dass der Schaden am Herzen größer ist als angenommen, kann der Patient sofort operiert werden, ohne dass man ihn von einem OP zum anderen transportieren muss.

Neben den OP-Sälen bekommt das Zentrum auch mehrere Herzkatheterlabore und einen Ambulanzbereich. Auch wichtig für den Patienten: Es werden Ein- und Zweibett-Zimmer gebaut, drei oder vier Patienten in einem Zimmer werden dann der Vergangenheit angehören. Im neuen Herzzentrum werden zukünftig 1250 bis 1300 Herzoperationen jährlich möglich sein. Die Zusammenführung von Herzchirurgie und Kardiologie im Haus soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit beider Bereiche durch eine räumliche Nähe weiter verbessern helfen.

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Die Finanzierung wurde vom Land im Rahmen der Krankenhausplanung für Sachsen-Anhalt bereits 2015 genehmigt, bis Mitte kommenden Jahres müssen dann die genauen Pläne „abstimmungsreif“ für die Landesregierung und den Landtag vorgelegt werden, erklärt die kaufmännische Klinik-Direktorin Dr. Kerstin Stachel den weiteren Verlauf des Projekts.

Zum Gesamtprojekt „Herzzentrum“ gehört noch die Modernisierung und Erweiterung der zentralen Notaufnahme in Richtung Haus 60a (Kosten rund 2,4 Millionen Euro) und der Bau eines Hubschrauberlandeplatzes auf dem Haus 60a (Baukosten rund 4,2 Millionen Euro). Das alles dient dazu, vor allem die Versorgung von Notfallpatienten zu optimieren und für kurze und schnelle Wege zu sorgen.

Darum muss auch der eigentlich denkmalgeschützte Göderitz-Bau, in dem einst die Uni-Hautklinik untergebracht war, weichen. „Mit der Entscheidung für einen Abriss hat es sich vor allem die obere Denkmalschutzbehörde nicht leicht gemacht und rund ein Jahr lang insgesamt 13 verschiedene Varianten durchgespielt, wie der Göderitz-Bau in das Neubaukonzept für das Herzzentrum eingefügt werden kann“, sagt Dr. Hülsemann. Der Gesetzgeber stelle aber sehr hohe Anforderungen an die Notfallversorgung von Patienten. Eine Modernisierung des Herzzentrums sei mit dem von Stadtplaner und Architekt Johannes Göderitz entworfenen Gebäude nicht möglich.