Magdeburg l Einen 22-Jährigen, der ein Fenster an der Johanniskirche einwarf, haben Zivilbeamte der Polizei in der Nacht zum 19. September 2020 gegen 0 Uhr auf frischer Tat ertappt. Die Beamten konnten beobachten, wie der 22-Jährige einen Stein gegen eines der Fenster warf, das daraufhin zerbrach, berichtet die Polizei. Der 22-Jährige wurde noch vor Ort gestellt. Allein für diese Straftat stehe ein Schaden im hohen fünfstelligen Bereich im Raum, erklärt ein Sprecher des Polizeireviers Magdeburg auf Volksstimme-Nachfrage. Der Anbau weist massive Schäden auf. Doch nicht nur das: Auch die Glasfenster des Kirchenschiffs sind zum Teil beschädigt. Ob dies auf den 22-Jährigen zurückzuführen ist, dazu laufen die Ermittlungen noch.

In der Lagebesprechung der Polizei sei die Johanniskirche in den vergangenen Tagen wegen Sachbeschädigungen immer wieder mal Thema gewesen, berichtet der Sprecher der Polizei weiter. Zivilkräfte seien zumeist an Orten der Stadt unterwegs, wo Kriminalität drohe, würden aber auch Schwerpunkte wie jetzt die Johanniskirche beobachten, um Straftaten zu verhindern oder Täter erfolgreich zu ermitteln.

Von einer "Ungeheuerlichkeit" spricht auf Volksstimme-Nachfrage Dieter Scheidemann als Baubeigeordneter der Stadt und als Vertreter des Kuratoriums Johanniskirche, das den Wiederaufbau und auch den Einbau der wertvollen Max-Uhlig-Fenster begleitet hat. Die Schäden am Anbau seien massiv. Zum Glück seien im Fall der Fenster des Kirchenschiffs nur die äußeren Scheiben betroffen. Die dahinterliegenden Uhlig-Fenster seien bislang unversehrt geblieben. Wie dem Vandalismus Einhalt geboten werden könne, darüber müssten sich alle Beteiligten an der Johanniskirche verständigen. Eventuell müsse ein entsprechender Wachschutz beauftragt werden. Eine Plexiglas-Schicht einzubauen, sei nicht möglich.

Bilder

Glas allein schon ein Kunstwerk

Das Glas der Uhlig-Fenster sei besonders filigran und allein schon ein Kunstwerk. Dass jemand versucht, die Johanniskirche als historisches Bauwerk und auch das Kunstwerk zu beschädigen, "hat uns schon sehr getroffen", sagt Scheidemann.

Die zerstörte Johanniskirche hatte jahrelang als leere Hülle in Magdeburg gestanden und war zugleich Mahnmal für Krieg und Zerstörung. Ab den 1990er Jahren wurde sie wieder aufgebaut und schließlich zur Veranstaltungshalle entwickelt. Der Einbau der Fenster des Künstlers Max Uhlig war der Abschluss des Wiederaufbaus. Erst am 16. September 2020 fand der offizielle Festakt zur Einweihung der Fenster statt.

Das Fenster-Kunstwerk kostete etwa 1,4 Millionen Euro. Rund 150.000 Euro wurden von Unternehmen, Vereinen, Institutionen und Privatpersonen gespendet. Der übrige Anteil wurde mit Fördergeld finanziert.