Streifzug durch die Gefängnisgeschichte

Über 110 Jahre wurde das Gefängnis Magdeburg hinter dem Landgericht an der Halberstädter Straße als Jusitizvollzugsanstalt genutzt. Eröffnet im Jahr 1903 war der Komplex bis 2013 in Betrieb. Danach wurden die letzten Gefangenen in andere Justizvollzugsanstalten verlegt – vor allem auch ins neu gebaute Objekt in Madel bei Burg. Was blieb, ist ein Bereich des offenen Vollzugs, der aber nicht in dem vom Land verkauften Objekt untergebracht ist. Genutzt wurde der Komplex während seiner Betriebszeit u. a. als russisches Militärgefängnis, als Polizeigefängnis und Stasigefängnis. Bis zu 1000 Häftlinge waren hier untergebracht.

Im Jahr 2015 hatte der Gebäudekomplex eine völlig neue Nutzung erfahren. In dieser Zeit hatte der Verein Kulturanker 250 Künstler eingeladen, die Zellen und weitere Flächen auf dem Gelände zu gestalten. Umrahmt wurde die Ausstellung von Juni bis September von Veranstaltungen. Der Titel des Festivals lautete „Die neue Sinnlichkeit in der zeitgenössischen Kunst“.

Nach Schließung und Kunstschau hatte das ehemalige Gefängnis leergestanden. Das Land als Eigentümer suchte einen Investor, fand aber lange Zeit keinen. Obwohl der Verkehrswert nur mit 90 000 Euro angegeben war, hatte das Finanzministerium mindestens 620 000 Euro gefordert. Der Investor aus Halle bot schließlich 680 000 Euro. (ri)

Magdeburg l Der Verkauf des früheren Magdeburger Gefängnisses an einen Investor aus Halle durch das Land ist abgemachte Sache. Doch bevor hier gebaut wird, muss die Stadt den Weg dafür frei machen. Daher liegt dem Stadtrat für die kommende Woche eine Drucksache zur Einleitung eines sogenannten Satzungsverfahrens vor. Im Vorfeld hat am 15. August 2019 der Bauausschuss das Thema diskutiert. Das Votum fiel am Ende klar aus: Sechs Stadträte votierten für den Vorschlag aus der Verwaltung, einer dagegen, zwei enthielten sich. SPD-Stadtrat Falko Grube sagte: „Es ist gut, dass das in die Pötte kommt. Und ich bin gespannt, wie man in diese Gebäude Wohnungen einfügt.“

Elke Schäferhenrich ist Abteilungsleiterin für verbindliche Bauleitplanung im Stadtplanungsamt und erläuterte, was die Herausforderung bei dem Vorhaben ist: „Der Käufer plant eine Umnutzung.“ Geplant sind hier Kleinwohnungen für Studenten und Senioren sowie ein sogenanntes Boardinghotel. In diesem werden die Räume längerfristig als in einem normalen Hotel vermietet. „In diesem Bereich ist aber bislang keine Wohnnutzung vorgesehen“, so die Abteilungsleiterin weiter. Dies müsse alles in den Bebauungsplan eingefügt werden.

Lärm von Ring und Bahn

Von Interesse ist eine solche Veränderung nicht zuletzt aufgrund der besonderen Anforderungen an Wohnräume, die in dem Bebauungsplan eine Rolle spielen dürften. An erster Stelle dürfte in diesem Bereich der Lärmschutz stehen. Denn direkt am Gebäude vorbei führt sowohl die Bahnstrecke in Richtung Braunschweig als auch die Brücke des Magdeburger Rings über diese. Hier gilt es, durch eine geschickte Anordnung von Räumen und Schallschutzmaßnahmen Ruhe in die Räume zu bringen.

Geklärt werden muss auch noch die Erschließung. Zwar liegt der Gebäudekomplex sehr verkehrsgünstig: Ein paar Meter weiter ist eine Straßenbahnhaltestelle, Einkaufsmöglichkeiten sind fußläufig zu erreichen und nebenan ist sogar eine Auffahrt auf den Magdeburger Ring. Doch die Erschließung auf dem Gelände muss geregelt werden. Zum Abstellen der Autos soll ein eigenes Parkhaus errichtet werden. Doch um für einen Notfall gewappnet zu sein, muss die Feuerwehrzufahrt abgesichert sein. Und dazu muss sichergestellt werden, dass eine Umfahrung für die Einsatzfahrzeuge gewährleistet ist. Flächen dazu, so hieß es aus dem Bauausschuss, befinden sich im Eigentum des Landes.

Bislang kein Denkmalschutz

Keine Aussagen konnte die Stadtverwaltung dazu machen, ob bekannt ist, inwiefern der Investor aus Halle ein solches Projekt stemmen kann. Hintergrund ist, dass die Stadt eben nicht als Verkäufer mit im Spiel war, sondern der Gebäudekomplex vom Land veräußert wurde. Nachgefragt hatte zu dem Thema CDU-Stadtrat Reinhard Stern.

Obwohl es sich bei dem Gebäudekomplex um ein in Teilen hoch betagtes Gemäuer handelt, liegt auf ihm kein Denkmalschutz. Ob man diesem Gebäude im Sinne des Schutzes historischer Substanz dieses Siegel nicht verleihen sollte, wollte Marcel Guderjahn wissen. Wie Matthias Lerm, Leiter des Magdeburger Stadtplanungsamtes, berichtete, kann die Stadt nur entsprechende Vorschläge unterbreiten. Die letzte Entscheidung liege aber bei der Denkmalschutzbehörde des Landes.

Stadtrat kann den Weg ebnen

Trotz aller Auflagen kann der Status des Denkmalschutzes für Investoren aus Abschreibungs- und Fördergründen von Interesse sein. Dass indes das Siegel nicht unbedingt vor einem Abriss zu schützen vermag, beweist in Magdeburg das Beispiel des Stadtbads, das 1997 abgerissen wurde, oder zuletzt eines Klinikgebäudes auf dem Gelände des Universitätsklinikums.

Am 20. Aigust 2019 befasst sich der Umweltausschuss noch einmal mit dem Thema und gibt ein Votum ab. Am 22. August 2019 dann kann der Stadtrat endgültig grünes Licht geben für die Einleitung des von dem Investor gewünschten Satzungsverfahrens.

Erstellt werden soll letztendlich ein sogenannter vorhabenbezogener Bebauungsplan. Erarbeitet wird dieser von einem durch den neuen Eigentümer beauftragten Büro.