Magdeburg l Erleichterung und Anspannung liegen dicht beieinander. Seit 2. Juni 2020 probt das siebenköpfige Ensemble auf dem historischen Industriegelände an der Dodendorfer Straße in Magdeburg. „Uns hat der Optimismus nur immer für kurze Zeit verlassen“, sagt Tobias Hengstmann gestern. Alle Akteure seien froh, dass trotz Einschränkungen gespielt werden könne. Doch bevor Details zum neuen Stück im Pressegespräch verraten werden, spricht er über die organisatorischen Herausforderungen der 2020er Vorstellungen im Technikmuseum. Corona und kein Ende, alles Menschenmögliche wurde getan, um den Verordnungen des Landes Sachsen-Anhalt zu entsprechen.

Das Hygienekonzept steht und wird hoffentlich von der Stadt Magdeburg akzeptiert. Ausreichend Desinfektionsmittel sind vorhanden, alle Gäste werden platziert, Mundschutzpflicht gilt nicht auf den Zuschauerplätzen und im Gastronomiebereich. Lediglich die Stuhlkissen bleiben in diesem Jahr aus hygienischen Gründen in den Kisten. Wer weich sitzen möchte, sollte sich sein eigenes mitbringen. „All das soll die Besucher keineswegs abschrecken“, versichert Sebastian Hengstmann. Ganz im Gegenteil wolle man mit diesem Bündel an Maßnahmen ein Sicherheitsgefühl vermitteln. Es werde gegenüber der Vergangenheit deutlich mehr Abstand zwischen den Gästen herrschen. Saßen rund 250 Zuschauer einst dicht an dicht, fast wie auf der Hühnerstange, sind 2020 nur rund 80 in jeder Vorstellung zugelassen.

Spielzeit wird um eine Woche verlängert

Für die Hengstmänner zeichnet sich mit dem Sommertheater Licht am Ende des Tunnels ab. Seit Monaten ist ihr Kabarett geschlossen. Wenn es ab September keine entscheidenden Änderungen gibt, stehe das private Haus wie andere Bühnen und Einrichtungen vor einer kaum zu lösenden Aufgabe.

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Um einen Teil der Verluste zu kompensieren, entschloss sich das Ensemble, seine Freilichtinszenierung statt der sonst üblichen sechs in diesem Jahr sieben Wochen aufzuführen. Und die Brüder Sebastian und Tobias setzen auf Sponsoren.

Tische zu verkaufen

Neben den wegbrechenden Einnahmen entstehen zusätzliche Mehrkosten durch die aufwendigen Hygieneauflagen. 40 kleine Tische des neuen Bestuhlungskonzepts sind käuflich. Wer ein Exemplar nach Hause oder in die Firma tragen möchte, kann das für 300 Euro tun. Wer sich rechtzeitig dafür entscheidet, bekommt nicht nur zwei Freikarten für die aktuelle Produktion, sondern zudem zwei weitere für das Sommertheater 2021.

Eins versprechen die Akteure hoch und heilig: Bei Faust 2 werde es keine Mund-Nase-Masken geben, keine Szenen zu Corona oder zu Abstandsregeln. Lachend versichert Frank Hengstmann, dass dies auch bei den improvisierten Stellen im Stück so sein soll. Beim Schreiben der Texte habe er penibel auf einen Corona-Verzicht geachtet.

Am Ende steht die Frage: „Himmel oder Hölle&#

Wer ansonsten auf Bezüge zu Goethes Faust hoffe, erlebe eine Enttäuschung. Zur Aufführung komme ein komplett neues Buch. Zwar spielten selbstverständlich Fest und Mephisto entscheidende Rollen, doch ansonsten gehe es um sechs der zwölf Aufgaben, die Herkules für die Aufnahme in den Olymp und zur Anerkennung als Gottheit zu absolvieren hatte. Zum Ende stehe jedoch die Frage „Himmel oder Hölle“.