Magdeburg l „Am Faunbrunnen in der Leiterstraße stinkt es gewaltig!“, schreibt ein Volksstimme-Leser an die Redaktion. Täglich komme er dort auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad entlang. „Derzeit umfahre ich das Gebiet aber weiträumig“, sagt er. Grund ist der extreme Geruch, der von Unmengen von Vogeldreck ausgeht. Auf dem Boden und den Blättern des kleinen Baumhains in Magdeburg sind die Hinterlassenschaften zu sehen. „Der Gestank ist kaum auszuhalten“, so der Leser.

Eine Anwohnerin der Leiterstraße berichtet von großen Schwärmen von Staren, die sich dort allabendlich unter lautem Getöse niederlassen. „Immer wieder ein beeindruckendes Naturspektakel“, berichtet sie. Doch auch sie kennt den übel riechenden Nachteil: „Tausende Stare haben auch ordentliche Hinterlassenschaften. Einsetzende Gerüche erlauben es dann nicht mehr, die Fenster geöffnet zu lassen. Ganz penetrant wird es bei Regen“, beschreibt die Leserin.

Stadt reinigt Baumscheiben

Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra erklärt auf Volksstimme-Anfrage: „Dem Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg ist das Problem bekannt. Die Exkremente werden im Zuge der turnusmäßigen Pflege der Baumscheiben und nach Bedarf durch die Mitarbeiter entfernt.“ Das sei in der Leiterstraße bereits der Fall gewesen. Mitarbeiter des Stadtgartenbetriebs hatten den Geruch in der Vorwoche ebenfalls schon bemerkt und eine Reinigung der Baumscheiben sowie des Faunbrunnens veranlasst. Zu möglichen Ursachen der „Vogelinvasion“ könne die Verwaltung jedoch nichts sagen, so Kerstin Kinszorra.

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Das kann aber Vogelkundler Ernst-Paul Dörfler. „Wir sind auf dem Höhepunkt des Vogelzugs. Nach meiner Einschätzung ist es daher eine vorübergehende Erscheinung“, sagt er. Die Stare seien derzeit auf dem Weg von Skandinavien, dem Baltikum und Nordrussland nach Süden. In Etappen von jeweils gut 50 Kilometern geht es Stück für Stück voran. „In unseren Breiten dient die Elbe als Orientierung“, sagt Dörfler. Ihr Ziel seien die Mittelmeerstädte wie Rom oder Athen, wo sie in dicht belaubten Bäumen den Winter verbringen.

Klimawandel ist schuld

Da die Tiere auf dem Herbstzug ohnehin „bummeln“ – anders als im Frühjahr, wenn nur die schnellsten Vögel die besten Brutplätze ergattern – kann es sein, dass sie sich auch längere Zeit in einem Gebiet aufhalten. Angesichts der aktuellen Sommertemperaturen sei das auch kein Wunder. „Warum soll ich mich anstrengen?“, frage sich der Star, so Dörfler. Solange kein Schnee liegt, finden die Vögel auch ausreichend Futter.

Somit sei der Klimawandel dafür verantwortlich, dass die Schwärme hier länger und öfter verweilen. „Wenn es damit so weitergeht, werden wir hier bald römische Verhältnisse haben“, warnt er. Dort sollte man im Dezember nur mit einem Regenschirm am Tiber entlanggehen, um nicht von Vogeldreck getroffen zu werden.

Ein probates Mittel gegen die Schwärme gebe es nicht. An glitzernde CDs oder ähnliches würden sich die Tiere schnell gewöhnen, wenn sie merken, dass keine Gefahr von ihnen ausgeht, erklärt Ernst-Paul Dörfler. In Weinanbaugebieten werde mit Netzen gearbeitet, was keine Option für die Leiterstraße wäre. Die beste Lösung daher: kaltes Herbstwetter.