Magdeburg l Das Problem ist kein neues – seit Jahren ärgern sich Anlieger des Hasselbachplatzes wie Karl-Heinz Erhardt über Ruhestörungen und Sachbeschädigungen am Hasselbachplatz. „Wenn ich Besuch habe, bringe ich ihn abends über die Tiefgarage hinaus, damit er nicht über den Hasselbachplatz muss“, berichtet er.

Und er selbst würde auch gern mal abends auf Magdeburgs Kneipenmeile unterwegs sein. Doch das meidet er inzwischen. Zu groß seien die Bedenken, durch die Gruppen junger Leute zu gehen, die sich dort auf offener Straße verabreden, an den Sitzgelegenheiten Alkohol konsumieren, in Büsche und Hauseingänge urinieren, Böller zünden und mutwillig zum Beispiel Papierkörbe und Blumenkübel zerstören.

Polizei und Stadt Magdeburg kennen Probleme

Seit Jahren beschweren sich Erhardt und weitere Anwohner regelmäßig bei der Stadt und der Polizei. Getan habe sich bislang allerdings nichts, sagt Erhardt. Man brauche sich nicht zu wundern, dass es immer schlimmer wird, „ich habe noch nicht gesehen, dass die Polizei Ordnungswidrigkeiten geahndet hat, stattdessen sitzt die Polizei im Bulli daneben und schaut zu“, kritisiert er. Seiner Ansicht nach müssten das Ordnungsamt der Stadt und die Polizei gemeinsam auf Streife gehen und Ordnungswidrigkeiten ahnden und Strafen verhängen. Er erwägt, die Stadt Magdeburg zu verklagen und für entstandene Schäden in die Verantwortung zu nehmen – mit einem Anwalt stehe er bereits im Gespräch.

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Auch die Gastronomen und Kneiper am Hasselbachplatz sind verärgert. So berichtet ein Betroffener, dass er draußen um 22 Uhr die Musik abschalte und die Terrasse um 1 Uhr schließe, während die Jugendlichen und jungen Erwachsenen rund um den Hasselbachplatz weiterfeierten.

Doch nicht nur das. Seine Gäste müssten sich teilweise beim Essen anschauen, wie die jungen Leute in die Büsche urinieren. Kein schönes Bild. Und überhaupt seien die vielen pöbelnden und angetrunkenen Gruppen nicht zuträglich für das Gewerbe, und auch nicht förderlich für ein eigentlich so schönes Altstadtviertel. „Es müsste ein striktes Alkoholverbot am Hasselbachplatz geben. In anderen Städten geht das doch auch“, fordert er. Hinzu kämen die Negativschlagzeilen, die Magdeburg damit bundesweit auslöse. Namentlich genannt werden möchte der Gastronom nicht. Denn er ist besorgt, dass beim nächsten Mal seine Bar mit Steinen attackiert werde.

Kritik am Zustand der Polizei

Zu Wort gemeldet hat sich auch die Interessengemeinschaft (IG) Innenstadt. „Die Pflicht, die öffentliche Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten, lag und liegt auf der Seite der Staatsmacht“, heißt es in einer Stellungnahme. „Die Zustände am Hasselbachplatz sind an beinahe jedem Wochenende alles andere als ein Aushängeschild für Magdeburg“, heißt es dort.

„Die Ereignisse der Freitagnacht offenbaren in verheerender Weise auch den inneren Zustand der Polizei in Sachsen-Anhalt“, fährt die IG Innenstadt fort. Wenn die Kräfte in der Landeshauptstadt nicht einmal für einen alkoholisierten Mob ausreichten und erst nach Stunden die Verstärkung aus Halle eintreffe, um die Lage zu beruhigen, dann stelle sich in beängstigender Weise die Frage: „Was passiert eigentlich (nicht), wenn uns einmal überraschend Schlimmeres heimsucht?“, schreibt IG-Sprecher Arno Frommhagen.

Auch Geschäftsanlieger des Hasselbachplatzes, die – weil nachts geschlossen – mit dem nächtlichen Tumult am Wochenende direkt nichts zu tun haben, sind besorgt. Vertreter der Stadtsparkasse Magdeburg prüfen aktuell, ob der nachts zugängliche Selbstbedienungsbereich umgebaut und nur noch partiell zugänglich gemacht wird, informierte Pressesprecher Mathias Geraldy auf Nachfrage. Zwar sei die Sparkassen-Filiale bei den Krawallen in der Sonnabendnacht nicht betroffen gewesen, Sachbeschädigungen an den Wochenenden seien aber immer wieder zu verzeichnen.

Alle hoffen, dass die Eskalation nun zumindest zu einer Verbesserung der Lage führt.