Magdeburg l Keine zehn Pferde hätten ihn nach Magdeburg gebracht. Hässlich habe er die Stadt einst gefunden. Oft genug habe er sich ein Bild davon machen können, wenn er mit seiner Handballmannschaft, Einheit Halle, zu Bezirksligaturnieren da war.

Und doch hat Helmut Biedermann (77) die längste Zeit seines Lebens in Magdeburg gewohnt und gewirkt. Der Liebe und Kinder wegen zog es ihn von der Saale an die Elbe. Seit der Rente lebt und arbeitet der freischaffende Künstler in Neutrebbin, einem Dorf im Oderbruch. „Innere Emigration“, nennt er es.

Verbindung zu Magdeburg nie verloren

Die Verbindung zu Magdeburg verlor er dennoch nicht. Den Kontakt zu Freunden und Kunstschaffenden behielt er bei. So wie jene zu Leilani Heinicke und Stefan Groth, Galeristen der Kunstwerkstatt im Buckauer Engpass. Bei ihnen wurde eine außergewöhnliche Ausstellung des Malers und Bildhauers eröffnet. Es sind Arbeiten aus sechs Jahrzehnten, die zu sehen sein werden – zum größten Teil unveröffentlichte Zeichnungen, „Schubladenbilder“. Zeichnungen, einige Aquarelle und Skulpturen, die Momentaufnahmen seines Lebens zeigen. Motive, zu denen er mitunter eine emotionale Bindung habe.

Eine Kohlezeichnung zeigt beispielsweise sein erstes „Atelier“ in Magdeburg – ein Erker in der Sternstraße. „Dort habe ich stundenlang gesessen, die Menschen beobachtet und mich von den Mädels inspirieren lassen“, erzählt er. Später richtete er sich u. a. am Salbker See ein Atelier ein, in dem er in der Abgeschiedenheit der Natur an seinen zumeist großformatigen Werken arbeitete.

Maler sieht sich als Menschenmaler

Obgleich er in zahlreichen Städten mit seiner „Kunst am Bau“ Spuren hinterlassen hat, sei er ein „Menschenmaler“, insbesondere Akte und Porträts. „Es fasziniert mich, andere anzusehen, ihnen ins Gesicht zu schauen.“ Landschaften habe er nur auf Reisen gemalt, um Eindrücke zu konservieren, da er nie einen Fotoapparat dabei hatte.

Das habe sich in all den Jahren nicht geändert und doch unterscheiden sich die frühen und späten Arbeiten. Sie seien freier und lockerer geworden. „Am Anfang übt man, und je besser man sein Handwerk beherrscht, desto freier wird man.“

Zeichnungen und Aquarelle

Sichtbar wird das in der Auswahl der Arbeiten, die aus sechs Jahrzehnten seines Schaffens stammen. Zu sehen sind Zeichnungen, die beispielsweise seine Großmutter und Schwester zeigen, Skulpturen wie jene einer Frau auf der Flucht, die offen lässt, wie viele Kinder sie bei sich trägt – zwei am Fuße, möglicherweise eines im Bauch und eines in den Händen. Aber auch Aquarelle seines Gedichtbandes über das Sein sind ausgestellt. Zehn Bücher hat er mittlerweile herausgebracht, alle im Eigenverlag erschienen.

Eines davon, „Die Rosenfrau“, vereint Biedermanns Aktbilder mit Texten des Schriftstellers Ludwig Schumann, den er eigentlich nur um ein Vorwort bat. „Doch er schickte mir lauter anstößige amouröse Geschichten“, erzählt Biedermann noch immer amüsiert. Sie kennen einander gut.

Biedermann als Art Picasso

Galeristin Leilani Heinicke ist jedenfalls jetzt glückselig. Für sie sei Biedermann ein Picasso.

Lange schon hegte sie den Wunsch, seine Arbeiten in ihrer Kunstwerkstatt ausstellen zu können. Dass es mit einer derart einzigartigen Ausstellung geschehe, freue sie ganz besonders. Vor allem, weil die Bilder noch zum Heinz-Kunstmarkt am 17. Juni 2018, wenn sich der ganze Engpass in eine große Galerie verwandelt, zu sehen sein werden.

Finissage ist am 29. Juni

Die Finissage ist am 29. Juni , 19.30 Uhr, mit einer Lesung Biedermanns aus seinem Gedichtband. Zu sehen sein werden die Zeichnungen allerdings bis zum 6. Juli 2018.