Volksstimme: Die Zuwanderung von Flüchtlingen ist für viele Magdeburger Diskussionsstoff. Wie würden Sie den Stand der Integration beschreiben?

Lutz Trümper: Da gibt es eine breite Spanne. Die meisten von ihnen, die aus Ländern wie Syrien kommen, strengen sich an und wollen zum Beispiel eine Ausbildung machen, wollen Deutsch lernen und wollen einen Schulabschluss machen. Das ist sehr gut so. Menschen, die zu uns kommen, haben nur eine Chance dauerhaft hier zu bleiben, wenn sie ihr eigenes Geld verdienen. Nach einer Änderung des Ausländerrechtes werden wir das deshalb nach drei Jahren strikt prüfen. Es kann jedenfalls nicht sein, dass jemand mit 25 Jahren zu uns kommt, keine Anstrengungen unternimmt und dann 40 Jahre lang Sozialhilfe erhält. Und es wird die Zeit kommen, wo auch nach Syrien wieder Menschen zurückgeschickt werden können. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg. Aber es gibt eben auch die, die sich nicht benehmen, die im Drogenhandel aktiv sind, die Leute auf der Straße attackieren. Hier ist der Bund gefragt, dass die, die sich hier nicht integrieren wollen, wieder nach Hause geschickt werden. Das muss auch hart umgesetzt werden, weil das die Akzeptanz derjenigen erhöht, die sich hier integrieren wollen.

Fachkräftemangel ist eines der Schlagworte des Jahres 2019. Können uns dort Zugewanderte helfen?

Natürlich, wir als Stadt bilden selber welche aus, zum Beispiel als Busfahrer oder Straßenbahnfahrer. Aber noch zu viele sind in wenig qualifizierten Jobs unterwegs. Das Einkommen reicht dann gerade für sie selbst. Wenn sie eine Familie haben, wird es dann schon schwieriger.

Noch mal zur Innenstadt: Viele Magdeburger begeistert die Lichterwelt. Dennoch: Was würden Sie anders machen 2020?

Ich würde die Lichtskulpturen auf dem Domplatz etwas entzerren. Wenn man da ein Foto von den Pferden machen will, dann sind die anderen Elemente auch noch mit drauf. Platz ist auf dem Domplatz ja genug. Ansonsten kann man noch erweitern, auch in einigen Stadtteilen. Ansonsten höre ich viel Positives. Normalerweise bekomme ich ja nur Briefe, in denen sich jemand beklagt. Jetzt habe ich auch mal Post bekommen, in der die Lichterwelt in höchsten Tönen gelobt wurde von Bürgern aus der Stadt.

Da drängt sich die Frage auf: Sollte der Weihnachtsmarkt zurück auf den Domplatz oder sollte man ihn zumindest bis dahin erweitern?

Ich habe mit meiner Position da nie hinter dem Berg gehalten und immer gesagt, dass ich einen Weihnachtsmarkt dort toll finden würde. Eine große Eisfläche in die Mitte und ein historischer Teil im Möllenvogteigarten – da wäre viel möglich. Jetzt haben wir uns aber entschieden und lassen die Diskussion ruhen. Vielleicht gibt es irgendwann noch mal einen Anlass, neu darüber nachzudenken. Ich werde jedenfalls in den nächsten zwei Jahren keine Initiative ergreifen, den Weihnachtsmarkt auf den Domplatz zu holen. Die Lichterwelt zeigt aber zunächst einmal, dass die Laufbewegung zwischen den Einkaufszentren Allee-Center und Karstadt durch die Bärstraße bis zum Domplatz und zurück funktionieren kann.

Zur Weihnachtszeit ist die Innenstadt gut besucht. Was kann die Stadt tun, damit die City auch in anderen Jahresphasen belebter ist?

Das ist eine der zentralen Fragen der Stadtpolitik. Deshalb haben wir das auch in der Kulturhauptstadt-Bewerbung thematisiert mit dem Motto „Out of he void – raus aus der Leere“. Wir brauchen mehr Anlässe, dass Menschen in die Innenstadt kommen, dort einkaufen, sich aufhalten und Kultur genießen. Das kann Kultur auf wechselnden Plätzen sein, so dass man in der Innenstadt immer wieder etwas erleben kann unter freiem Himmel. Das wird ein spannender Prozess und den wollen wir auf den Weg bringen. Da bringen sich viele auch privat mit ein. Das City Carré plant einen Umbau und will sich viel stärker als bisher nach außen öffnen. Und für den ehemaligen Busbahnhof neben dem City Carré gibt es auch Interessenten, so dass dort wieder Belebung entsteht.

Der Alte Markt hat einen Gestaltungswettbewerb hinter sich. Er wird barrierefrei, bekommt Springbrunnen und die Bäume werden versetzt. Lockt man damit mehr Menschen an?

Ich glaube ja. Wenn das alles umgesetzt ist, hat der Platz eine viel bessere Aufenthaltsqualität. Wenn man jetzt abends dorthin kommt, ist da nichts los. Das muss sich ändern. Der Umbau ist eine Vorlage dafür. Die Frage ist im Moment nur, wann man das macht. Denn das wäre ja wieder eine große Baustelle.

Die MVB haben bald noch mehr Strecken zu befahren, aber schon jetzt zu wenige Wagen und Fahrer. Vor zwei Jahren haben Sie hier im Jahresendinterview die MVB-Probleme zur Chefsache erklärt. Was hat sich seitdem verbessert?

Fahrer sind im Moment nicht das Problem. Straßenbahnzukauf ist eine große Sache, die ist auf den Weg gebracht. Jetzt müssen wir erst mal das Depot in Rothensee sanieren, dann die Straßenbahnen kaufen, dann die Strecken fertigstellen. Das wird alles bis mindestens 2023 dauern. Und dann ist die spannende Frage, wie man noch mehr Leute zum Umsteigen vom Auto auf den Nahverkehr bewegt. Da geht es insgesamt noch mal um 450 Millionen Euro an Investitionen, wenn man ungefähr doppelt so viele Leute wie bisher zum Umsteigen vom Auto in Bahn oder Bus innerhalb von zehn Jahren bewegen will. Das sollte man als Ziel ausgeben inklusive begleitender Maßnahmen wie die Verteuerung des Innenstadtparkens und der Einzelfahrscheine als Abschluss.

Kommen wir zum Sport: Magdeburg möchte 2024 Spielort der Handball-EM werden. Das kostet ein paar Hunderttausend Euro. Warum?

Solche Wettbewerbe sind immer Werbung für die Stadt, in der sie stattfinden. Viel hängt auch davon ab, welche Länder dann hier gegeneinander antreten. Wir haben erst mal Ja zur Bewerbung gesagt und warten ab, was passiert.

Das Stadion ist gerade für mehr als elf Millionen Euro hüpfsicher gemacht worden. Der Verein stieg just während der Bauphase aus der Zweiten Liga ab.

Die Investition war trotzdem richtig. Sie ist auch eine Voraussetzung dafür, dass der FCM wieder aufsteigt.

Trotzdem, der FCM bekommt sein Wohnzimmer aktuell selten voll, der SCM nebenan beim Handball aber schon. Rückt da nicht automatisch wieder der Ausbau der Getec-Arena, wie in den 2000er Jahren schon mal diskutiert, auf den Plan?

Aktuell ist das kein Thema, wird auch nicht vom SCM an mich herangetragen. Kleinere Maßnahmen wie Lautsprecheranlagen sind ja gemacht worden. Weitergehende Pläne größerer Art gibt es bis auf den Ausbau des VIP-Bereiches nicht.

Die Ostelbier wünschen sich immer noch ein funktionierendes Verkehrskonzept. Wann kommt es endlich?

Es gibt ja eines. Es wird aber niemals möglich sein, dass ein Fußballspiel mit Zehntausenden Besuchern stattfindet – und niemand merkt das vor seiner Haustür im Umfeld. Großveranstaltungen sind Extremsituationen, die etwa alle 14 Tage stattfinden. Für solche Extremsituationen kann ich aber nicht einen ganzen Stadtteil umbauen. Ich setze noch auf einen anderen Effekt. Wenn die Besucher merken, dass man dort nur mit langen Zeiten wieder wegkommt, gehen sie zu Fuß oder nutzen Bus, Bahn oder Fahrrad. In 20 Minuten ist man ja aus der Innenstadt am Stadion oder an der Getec-Arena zu Fuß. Von daher glaube ich, dass sich das einspielen wird. Man wird aber nie eine Situation schaffen können, wo jeder problemlos mit dem Auto an- und abreisen kann. Das gibt es auch in keiner anderen Stadt.

Worauf können sich die Magdeburger 2020 freuen?

Auf jeden Fall auf die zweite Phase der Kulturhauptstadtbewerbung, den Baubeginn der Strombrückenverlängerung und die Straßenbahn, die ab etwa Jahresmitte wieder durch die Tunnelbaustelle fahren wird. Außerdem hoffe ich, dass der FCM noch mal nach oben in der Tabelle aufrückt.

Und was müssen die Magdeburger 2020 ertragen?

Das werden wohl die Baustellen sein. Die sind ja nach dem Jahreswechsel nicht einfach weg.