Magdeburg l Ob Philippinen, Panama oder Papua Neuguinea: Wenn irgendwo auf der Welt neue Straßen und Eisenbahntrassen gebaut oder Kanäle verlegt werden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Technik „Made in Magdeburg“ zum Einsatz kommt. In Form von Prüfgeräten für den Tiefbau. Diese ist das Fachgebiet der Unternehmerfamilie Hennings. Mit ihrer HMP Magdeburger Prüfgerätebau GmbH haben sie sich auf die Fertigung, die Weiterentwicklung und den weltweiten Vertrieb solcher Geräte spezialisiert.

Mit Können durch die Nachwendezeit

Gebraucht werden sie praktisch überall, wo Erdarbeiten durchgeführt werden und verdichtet wird. Oder um es mit den Worten von Firmengründer Klaus Hennings zu sagen: „Wer bauen will, muss prüfen.“

Doch wozu dienen die Geräte aus der Elbestadt genau? Hennings erklärt: „Damit wird die Tragfähigkeit und die erreichte Verdichtung von Böden gemessen. Innerhalb von nur zwei Minuten weiß der Anwender, ob die verschiedenen Schichten, zum Beispiel beim Bau einer Straße, genug verdichtet wurden. Erst dann kann der Asphalt als Deckschicht aufgetragen werden. Das Prüfverfahren ist elementar wichtig, um sicher zu gehen, dass die Straße am Ende tatsächlich die notwendige Tragfähigkeit besitzt.“

Der Prüfgerätebau hat in der Elbestadt eine lange Tradition. „Hervorgegangen sind wir aus einem DDR-Betrieb“, erzählt Gunnar Hennings. Sein Vater Klaus Hennings leitete das volkseigene Werk zur Wendezeit.

Mitarbeitern den Job sichern

„Er hat den Betrieb dann übernommen. Zunächst mehr oder weniger aus sozialen Gründen, denn er wollte nicht, dass die Mitarbeiter auf der Straße stehen, sondern, dass es weitergeht“, erinnert sich Hennings junior. Dennoch traf das neue Wirtschaftssystem auch den Magdeburger Prüfgerätehersteller mit voller Wucht. Hennings senior gelang es aber, die Firma durch die Kapriolen der Nachwendezeit zu manövrieren.

Mit fünf Mitarbeitern begann er zunächst noch in den bescheidenen Räumen des volkseigenen Betriebs, die vorhandenen Prüfgeräte entsprechend den neuen Vorschriften weiterzuentwickeln und ein nachhaltiges Vertriebsnetz aufzubauen. „Dank intensiver Forschung und der Entwicklung neuer, qualitativ hochwertiger Produkte hat sich unser Unternehmen fest am Markt etabliert“, sagt der heutige Geschäftsführer Gunnar Hennings. Der Diplom-Ingenieur stieg selbst Mitte der 1990er Jahre nach seinem Studium ins Unternehmen der Eltern ein.

In den 1990er Jahren Millionen investiert

1997 investierte das Unternehmen einen Millionenbetrag in den Bau neuer Geschäfts- und Produktionsräume. 2006 wurden die Produktionskapazitäten durch einen weiteren Neubau noch einmal verdoppelt, das Team durch weitere hoch qualifizierte Mitarbeiter verstärkt.

Nebenher spezialisierte sich HMP auf den Handel mit Labortechnik. Mehr als 3000 Produkte gehören in diesem „Nebengeschäft“ mittlerweile zum Sortiment des Unternehmens, das bis heute auf 20 Mitarbeiter anwuchs.

Die eigene Entwicklungsabteilung ist dabei unabdingbar für den Erfolg. Befeuert wird der Erfindergeist durch Kooperationen mit Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer-Institut und Universitäten in mehreren Ländern. „Sehr eng arbeiten wir zum Beispiel mit einer Universität in Chile zusammen“, berichtet der Magdeburger Unternehmer.

Der von Klaus Hennings in den 1990er Jahren eingeschlagene Kurs war erfolgreich. Die Nachfrage nach Prüfgeräten aus Magdeburg ist seither stetig gewachsen – und das in aller Welt. „Heute verkaufen wir jedes zweite Prüfgerät ins Ausland und haben Vertriebspartner in über 100 Ländern“, sagt der Firmenchef.

In Europa zu den Marktführern

In Europa gehört das Traditionsunternehmen HMP aus Magdeburg mittlerweile zu den Marktführern der Branche. Dabei sind Hennings Prüfgeräte durchaus regionale Produkte, betont der Geschäftsführer: „Bis auf zwei Fertigungsteile stammt alles aus Sachsen-Anhalt. Für uns ist es wichtig, das Geld in unserer Region wieder zu investieren. So kann die Wirtschaft hier insgesamt wachsen.“

Erfolg weitgehend unter dem Radar

All das läuft in der Stadt in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend „unter dem Radar“, wie Gunnar Hennings bemerkt. „Das geht nicht nur uns so, sondern auch anderen Unternehmen, die auf ihrem jeweiligen Gebiet spitze sind. Da hat Magdeburg einiges zu bieten.“ Für die Kunden aus aller Welt ist das unerheblich. Bei ihnen ist die Prüftechnik „Made in Magdeburg“ bestens bekannt.

Morgen: Maler Christian Bussenius

"Made in Magdeburg" ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und Stadtmarketingverein Pro M.