Magdeburg (vs) l Marie Christin Vorhölter weiß genau, was sie will. Sie will Fleischerin werden und die Welt ein Stück besser machen. Dafür arbeitet und lernt sie nicht nur mehr als andere in ihrem Alter. Dafür räumt sie auch mit Vorurteilen auf und überspringt ganz leicht vorherrschende Klischees.

„Ich konnte mir keinen anderen Berufswunsch vorstellen“, sagt die 19-Jährige. Schon als Kind sei sie begeistert gewesen von einer Fleischerei in Menz. Von dem, was dort gemacht wird und vor allem, wie es gemacht wird. Beratung sei hier wichtig und der richtige Umgang mit dem Fleisch. Sie kommt wieder, schnuppert bei Praktika ins Handwerk und will mehr. Als sie im Berufsausbildungszentrum von der trialen Ausbildung – einer Mischung aus Berufsausbildung und Studium mit Vorbereitung auf den Meisterbrief – hört, ist sie sofort Feuer und Flamme.

Ausbildung in Menz

2018 liefert sie nach ihrem Abitur, das sie am Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg absolviert, mit ihrem Einstieg in diese Ausbildungsform die Premiere in Sachsen-Anhalt. Vor ihr hat das noch niemand hier gemacht. Den perfekten Ausbildungsort findet sie in der Fleischerei in Menz. Dort ist man sofort begeistert. Einen weiblichen Lehrling hat es in dem Traditionsbetrieb noch nie gegeben. „Es war genau die richtige Entscheidung“, sagen nicht nur Chef und Kollegen, sondern auch die Auszubildende.

Für Lehre und Studium ist Marie Christin Vorhölter viel unterwegs – gedanklich und räumlich. Sie arbeitet im Ausbildungsbetrieb, fährt in die Berufsschule nach Weißenfels und für das Studium nach Hannover. Zwischendurch lauscht sie Online-Vorlesungen am Computer.

Magdeburgerin einzige Frau in Klasse

In ihrer Berufsschulklasse ist sie das einzige Mädchen, aber das macht ihr nichts aus, sagt sie. Und auch unter den Kommilitonen ist die junge Frau ein Exot. Für den Bachelor-Titel im „Handwerksmanagement“ kommen Studenten aus vielen Bereichen zusammen – ein weiterer Fleischer ist nicht dabei.

Wenn Marie Christin Vorhölter in viereinhalb Jahren fertig ist, hat sie viel gelernt über Marketing, Rechnungswesen oder Betriebswirtschaft. Nach dieser Zeit hat sie den Gesellenbrief, den Meisterbrief sowie den Bachelor of Arts im Handwerksmanagement in der Tasche. All das möchte die junge Frau für eine Zukunft in einer Führungsposition oder auch für ein eigenes Unternehmen einsetzen. „Dann“, meint sie, „habe ich die Chance, wirklich etwas zu verändern, die Welt ein bisschen besser zu machen.“ Sie sagt: „Ich möchte den Menschen zeigen, dass wir mehr machen, als Tiere zu schlachten. Ich kann es kaum abwarten, mein Wissen anzuwenden.“

Es fehlt an Transparenz

Sie findet nichts dabei, wenn Menschen kein Fleisch essen. „Ich kann das verstehen“, sagt Marie Christin Vorhölter, „aber oft stecken falsche Gründe dahinter.“ Oft ginge es um die Tierhaltung, darum, wie man mit dem Fleisch umgehe, Beratung fehle oft und Transparenz. „Wer auf Frische setzt und mit Verantwortung an das Thema herangeht, kann viel bewirken“, ist sie sich sicher. Im Freundeskreis, unter den Mitstudenten, überall trifft sie auf Vegetarier und Veganer.

Die angehende Fleischerin unterhält sich viel mit ihnen, auch mit anderen, die skeptisch gucken, wenn sie sagt, was sie lernt. „Es ist doch besser, die Umstände zu ändern und bei den Ursachen anzusetzen. Ein Beispiel ist unser Betrieb, der auf Qualität achtet und überregional bekannt ist“, so die Auszubildende.

In ihrer Familie stehen oft Fleischgerichte auf dem Speiseplan. „Wir lieben es, gemeinsam zu kochen und zu essen“, sagt sie und beschreibt, wie wichtig ihr die Nähe zu den Eltern und den drei Geschwistern ist. Auch darum könne sie sich nicht vorstellen, von hier wegzugehen. Und auch, weil sie „Magdeburg einfach toll findet“.

Magdeburg ist Heimatstadt

Marie Christin Vorhölter schwärmt von der Stadt, von der angenehmen Größe, den vielen tollen Ecken und dem Dom, den sie in Schulzeiten immer vor Augen hatte. Sie sagt: „Immer, wenn ich von Weißenfels nach Hannover fahre, würde ich am liebsten in Magdeburg aussteigen. „Mit einem weinenden Auge fahre ich nach Hannover weiter. Ich freue mich immer wieder die Türme des Magdeburger Doms zu sehen, dann bin ich ,zu Hause‘ in meiner Heimatstadt Magdeburg.“

„Made in Magdeburg“ ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Weitere Informationen gibt es auf einer eigenen Internetseite.