Bildung

Magdeburg verstärkt die Mission schwimmen lernen

Zusatzzeiten für Kurse in den kommunalen Hallen und kostenlose „Seepferdchen“-Kurse für Magdeburger Kita-Kinder.

Von Katja Tessnow
Schwimmschüler bei der Wassergewöhnung am Beckenrand. Lebensrettungsgesellschaften warnen seit Jahren vor steigenden Nichtschwimmerzahlen in ganz Deutschland – mit lebensgefährlichen Folgen.
Schwimmschüler bei der Wassergewöhnung am Beckenrand. Lebensrettungsgesellschaften warnen seit Jahren vor steigenden Nichtschwimmerzahlen in ganz Deutschland – mit lebensgefährlichen Folgen. Foto: picture alliance/dpa

Magdeburg - Bereits in den vergangenen Jahren schlug die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bundesweit vielfach Alarm: Immer mehr Kinder lernen nicht schwimmen. Die Hallenschließung zur Corona-Pandemie hat das Problem verschärft. Wie Magdeburg gegensteuern will.

Die Statistiken, auch die aus Magdeburg, sind so eindrucksvoll wie bedenklich. Eine Untersuchung förderte bereits 2018 zutage: Binnen vier Jahren – von 2014 bis 2018 – war Zahl der jungen Magdeburger, die auch den Schwimmunterricht in Klasse 3 als Nichtschwimmer beenden, stetig angestiegen; von 480 auf mehr als 630. Heißt: Jedes dritte Magdeburger Kind im Alter von acht bis neun Jahren konnte schon vor Corona nicht sicher schwimmen. Kurs- und Unterrichtsausfall wegen geschlossener Hallen in der Pandemie haben die Lage enorm verschärft. Auf Wartelisten für Kurse stauen sich rund 500 Schwimmlernwillige. Legten 2019 noch mehr als 900 Kinder in kommunalen Kursen das Seepferdchen ab, waren es 2020 nur noch 533 und bis Ende Mai 2021 nur 136. Vereine und Lebensrettungsgesellschaften werden regelrecht überrannt von Eltern, die ihre Kinder händeringend versuchen, in Schwimmkursen unterzubringen. Allein: Die Kapazitäten – vor allem die nötigen Hallenzeiten – fehlen. Das soll sich nun ändern.

Mehr Hallenzeiten für Schwimmkurse

„Maßnahmen zur Erhöhung der Schwimmausbildung“ heißt ein Informationspapier, das die Beigeordnete für Kultur, Schule und Sport, Regina-Dolores Stieler-Hinz (Grüne) Anfang August vorgelegt hat. Inhalt ist im Wesentlichen eine deutliche Ausweitung der Hallenzeiten für den Schwimmunterricht und Schwimmarbeitsgemeinschaften von Schulen und Vereinen sowie Schwimmkurse in kommunaler Regie. Der öffentliche Badebetrieb muss in den Magdeburger Schwimmhallen Nord und Olvenstedt – vornehmlich an Wochentagen zwischen 14 und 16 Uhr – zurückstehen.

Was den Schwimmunterricht der Schulen anbelangt, der in den vergangenen beiden Schuljahren gar nicht oder nur teilweise abgehalten werden konnte, hat das Land Sachsen-Anhalt Geld zum Nachholen bereitgestellt. Schulen sind angehalten, in Zusammenarbeit mit Vereinen Arbeitsgemeinschaften zum Erlernen des Schwimmens zu gründen. Vereine bekommen die Trainerstunden bezahlt.

Stadt mietet Spaßbad fürs Kita-Schwimmen an

Daneben hat die Stadt mit dem privaten Betreiber des Nemo-Spaßbades die Anmietung des Sportbeckens samt Personal zur Ausrichtung von Schwimmkursen bereits für Kita-Kinder ausgehandelt .

Bereits im Oktober 2020 hatte der Stadtrat den Start eines Pilotprojektes für Kita-Schwimmkurse beschlossen. Die Initiative dazu kam von der AfD und die fast ungeteilte Ratszustimmung dazu ist ein Novum wider den Ratsbann gegen andere Initiativen aus dem rechtspopulistischen Lager. Der Umstand markiert nach zahlreichen anderen Initiativen zum Beispiel aus dem linken Lager, dass sich sämtliche Ratslager über Parteigrenzen hinweg und die Stadtverwaltung des Ernstes der Lage in Sachen mangelhafter Schwimmkunde ganzer Generationen sehr bewusst sind und dringend gegensteuern möchten.

Die Verwaltung, voran die zuständige Beigeordnete Stieler-Hinz, untermauert den Willen dazu mit schnellem Handeln in Sachen Umsetzung. Weil die kommunalen Hallen nicht genug Platz fürs parallele Abhalten von Schulschwimmstunden, Vereinssport und Kita-Kurse bieten, mietet die Stadt mit Beginn des neuen Schuljahres das Nemo-Spaßbad für die Schwimmkurse der Vorschüler an. „Hier sollen bis zu 72 Kita-Schwimmkurse durch Mitarbeiter des Nemo außerhalb der Ferien von Montag bis Freitag im Zeitraum von 8 bis 11 Uhr durchgeführt werden“, berichtet Stieler-Hinz vom Ergebnis entsprechender Verhandlungen zwischen Stadt und Spaßbad-Betreibern. Die Kosten – pro Kurs wird mit 1500 Euro kalkuliert – trägt die Stadt aus eigener Kasse. Insgesamt veranschlagt sie für die erste Kita-Schwimmsaison ein Budget in Höhe von 108000 Euro. Gedeckt wird es aus Einsparungen bei der Bewirtschaftung der kommunalen Hallen aufgrund der angeordneten Corona-Schließzeiten.

Kostenlose Kurse starten im November

Für die Kitas, respektive die teilnehmenden Kita-Kinder, sind die Kurse kostenfrei. Die Einrichtungen haben lediglich die Beförderung der Kinder zum Bad zu organisieren und zu beaufsichtigen. Die Kitas würden, so Stieler-Hinz, aktuell über das neue Angebot informiert. Starten sollen die Schwimmkurse für Kita-Kinder am 1. November. Ein Kurs umfasst zehn Lerneinheiten von jeweils 45 Minuten Länge. Sie sollen binnen zwei Wochen im täglichen Unterricht von Montag bis Freitag abgehalten werden. Ziel sind die Wassergewöhnung und der Abbau von Angst, das Vermitteln von Freude an der Bewegung im Wasser, das Erlernen des Brustschwimmens sowie einfacher Sprünge und des Tauchens im flachen Wasser sowie – schließlich – die Abnahme des Schwimmabzeichens „Seepferdchen“.