Prüfen der Chancen

Magdeburg will Standort für Tesla werden

Magdeburg prüft die Chancen, dem E-Auto-Hersteller Tesla einen Standort anbieten zu können. Problem: Es gibt keine großen Freiflächen.

Magdeburg l Die Chancen, dass sich der US-amerikanische Elektroautohersteller Tesla für Magdeburg als Standort eines neuen Werkes entscheidet, dürfen sicher nicht zu hoch eingeschätzt werden. So geht die Stadtverwaltung Magdeburg davon aus, dass der Konzern eine Ansiedlung im äußersten Westen Deutschlands favorisiert – selbst wenn Magdeburg als möglicher Kandidat bereits genannt wurde.

Dabei ist auch das Land Sachsen-Anhalt bereits auf das Unternehmen zugegangen – ebenso wie fast alle anderen Bundesländer. Und auch Kommunen werben offensiv um Tesla.

Bekannt ist beispielsweise, dass Tangerhütte im Landkreis Stendal seinen Hut in den Ring geworfen hat. Seitens der Magdeburger Stadtverwaltung heißt es, dass es selbstverständlich großes Interesse an einem Werk des Elektroautoherstellers gebe.

Die Verwaltung hatte entsprechend einem vom Stadtrat Magdeburg beschlossenen Antrag der Fraktion „Links für Magdeburg“ Informationen zusammengetragen, welche Punkte für Magdeburg sprechen und was zu tun ist. Das Ergebnis: Auch wenn die Automobilindustrie nicht zu den Hauptkompetenzen des Wirtschaftsstandorts Magdeburg gehöre, gibt es beispielsweise mit Weber Automotive in der Blumenstraße in der Stadt bereits einen Automobilzulieferer.

Und in einem erweiterten Sinne gehörten auch Magdeburger Unternehmen zur Branche, die Wärmebehandlung und Härterei im Auftrag von Zulieferern anbieten. Von erheblicher Bedeutung sei aber, dass mit dem Ikam – dem Institut für Automobilität – im Industrie- und Gewerbezentrum Barleben und an der Otto-von-Guericke-Universität Forschungs- und Entwicklungskompetenz vorhanden ist. Und auch die Hochschule Magdeburg-Stendal betreibt bereits jetzt Forschung und Entwicklung im Auftrag von Automobilherstellern.

Ein großer Knackpunkt in Magdeburg sind aber inzwischen fehlende Flächen. Denn die gute Wirtschaftsentwicklung hat die noch vor zwei Jahren verfügbaren großflächigen Ansiedlungsstandorte mit Flächen von bis zu 200.000 Quadratmetern in der Stadt und im Umland erheblich verringert. Sofort verfügbar wäre in Magdeburg eine Fläche von etwa 120.000 Quadratmetern – und das sei für einen Automobilhersteller zu klein.

Zum Vergleich: Das BMW-Produktionswerk in Leipzig weist eine Flächengröße von deutlich über 100 Hektar auf – und damit ein Areal, das mit einer Million Quadratmetern einem Viereck von einem mal einem Kilometer entspricht. Die im gemeinsamen Gewerbegebiet Magdeburgs mit der Gemeinde Sülzetal bestehenden Reserven haben sich zwischenzeitlich ebenfalls stark verringert – und zwar auf 250.000 Quadratmeter.

In einer Information aus der Stadt Magdeburg heißt es: „In Kenntnis dieser unbefriedigenden Situation gibt es derzeit Überlegungen der Stadtverwaltung, neue größere Industriegebiete auf dem Territorium der Landeshauptstadt auszuweisen, um zumindest perspektivisch auch bei flächenintensiven Projekten konkurrieren zu können.“ Potenzial gibt es im Süden der Stadt und im Norden im Stadtteil Sülzegrund.

Die Entscheidung für den Aufbau einer Produktion ist von weiteren Faktoren abhängig. Neben der Verfügbarkeit von Flächen spielen so die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften, logistische Lieferketten, Fördergelder und die Attraktivität einer Region für Fach- und Führungskräfte mit passenden Angeboten fürs Wohnen, eine hervorragende Schul-, Ausbildungs- und Studienlandschaft sowie Freizeitangebote eine große Rolle.

„Erfahrungsgemäß ist Magdeburg diesbezüglich konkurrenzfähig, um international agierende Unternehmen von der Stadt zu überzeugen“, heißt es seitens der Stadtverwaltung.