Magdeburg l Es ist ein ehrgeiziges Projekt, dem sich der Domförderverein derzeit widmet: Mit der Restaurierung des Epitaphs von Domherr Friedrich von Arnstedt im südlichen Seitenschiff will der rührige Verein eine der letzten Wunden, die der Zweite Weltkrieg im Dom gerissen hat, heilen. Das Grabmonument soll mit der Hilfe von Wissenschaftlern aus dem Bereich Informatik und Maschinenbau der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg rekonstruiert werden. Kein leichtes Unterfangen, da von dem kunstvollen Epitaph an der Wand des südlichen Kirchenschiffes nur noch einige Rudimente zu erkennen sind. Mehr als 400 Bruchstücke dieses Anfang des 17. Jahrhunderts entstandenen Arnstedtschen Epitaphs konnten gesichert werden. Und dieses Puzzle gilt es nun wieder zusammenzusetzen.

Modernste Messtechnologien und 3D-Bildgebungsverfahren sollen dabei helfen. Die Wissenschaftler der Uni haben bereits aufwändige Scans im Dom durchgeführt. Ihr Ziel: eine Computervisualisierung. Im nächsten Schritt wird dann über die Rekonstruktion zu entscheiden sein.

Aus der Volksstimme vom Plan erfahren

Von dem ambitionierten Plan hat nun auch Reinhilde Artschwager aus Salzwedel in der Volksstimme gelesen. Sie ist geborene von Arnstedt und eine Nachfahrin des Domherrn und Stifters aus der Anfangszeit des 17. Jahrhunderts. „Als ich in der Volksstimme davon erfuhr, habe ich versucht Kontakt aufzunehmen, wusste aber nicht genau, an wen ich mich wenden kann“, erzählt Reinhilde Artschwager. Also fasste sie kurzerhand den Entschluss, gemeinsam mit ihrer Enkelin Paula Schulz in ihre Geburtstadt zu fahren, um im Dom auf Spurensuche zu gehen.

Bilder

Wie es der Zufall wollte, war gerade einer der Wissenschaftler der Uni vor Ort und konnte ihr den Kontakt zum Domförderverein vermitteln. Nun trafen sich Ursula Klinger, Astrid Kuscher und Michael Sußmann vom Förderverein mit der Nachfahrin zum Gedankenaustausch im Dom. Dabei konnte Reinhilde Artschwager nicht nur nochmals einen Blick auf das noch zerstörte Epitaph werfen, sondern auch in der sogenannten Wärmekammer im Dom einige der gesicherten Teile des Arnstedtschen Epitaphs bewundern. Michael Sußmann hatte zudem für den Gast ein altes Foto besorgt, das das Grabmonument noch vor der Beschädigung zeigt.

Im Plausch mit den Vorstandsmitgliedern des Fördervereins erzählte Reinhilde Artschwager auch aus ihrer Familiengeschichte. Ihr Bruder Dieter hatte sich intensiv mit der Ahnenforschung der Familie beschäftigt und auch sie ein Stück weit damit angesteckt. Einige Dokumente hatte sie zu de Treffen auch mit gebracht. Darunter war auch ein „Adliges Taschenbuch“ von 1904. Hier konnte sie den Vorstandsmitgliedern ein Stück ihrer Familiengeschichte nachzeichnen.

Kontakt soll gehalten werden

„Mich würde interessieren, wer denn das Denkmal in Auftrag gegeben hat. Denn Friedrich von Arnstedt ist ja 1608 verstorben, 1610 wurde mit dem Epitaph begonnen“, so die Nachfahrin. Hier konnte Michael Sußmann konnte gleich Aufklärung liefern. „Das waren meist die Familien, die das in Auftrag gaben“, so Sußmann. Die Zeitspanne zwischen dem Tod und dem Beginn des Baus hatte damit zu tun, dass die Familien zunächst mit dem Künstler absprachen, was genau sie sich vorstellten – und auch was es kosten würde. Nach einiger Vorbereitung ging es dann an die Umsetzung.

Der Förderverein und Reinhilde Artschwager, die 1944 von Cracau nach Salzwedel zog, wollen nun weiter in Kontakt bleiben. Mit großem Interesse verfolgt die Nachfahrin die weiteren Schritte zur geplanten Sanierung des Epitaphs. Bis zum Herbst wird sie sich wohl aber noch gedulden müssen. Dann könnten die Wissenschaftler eventuell schon mehr sagen. Derweil wirbt der Domförderverein weiter um Spenden für sein Vorhaben. Mehr Informationen gibt es unter www.domverein-magdeburg.de