Queere Szene

Magdeburger Studenten zeigen Flagge

Eine neu gegründete Hochschulgruppe der Otto-von-Guericke-Universität setzt sich für queere Themen ein.

Von Lena Kaltenbach
Die Vorstandsmitglieder Gabriel Rücker, Livia Bilevic und Benjamin Wöhl (v. links) wünschen sich eine Uni frei von Diskriminierung.
Die Vorstandsmitglieder Gabriel Rücker, Livia Bilevic und Benjamin Wöhl (v. links) wünschen sich eine Uni frei von Diskriminierung. Foto: Lena Kaltenbach

Magdeburg - Im Juni wird auf der ganzen Welt der „Pride Month“ (engl. für „Monat des Stolzes“) gefeiert und für mehr Offenheit gegenüber verschiedenen sexuellen Orientierungen und Identitäten plädiert.

Die Uni-Gruppe „OvGU Pride“ kämpft für Sichtbarkeit und Akzeptanz – und weiß, warum das Thema heute aktueller ist denn je. „Man denkt, wir seien doch mittlerweile so aufgeklärt. Aber ich bin erst 19 und sogar in meiner Jugend galt ,schwul’ noch als Schimpfwort. Bis ich 16 war, dachte ich, das sei etwas Schlechtes“, erinnert sich Benjamin Wöhl.

Gabriel Rücker (27) und Livia Bilevic (23) haben ähnliche Erfahrungen gemacht und gründeten daher die Hochschulgruppe „OvGU Pride“, die sich für queere Hochschulpolitik einsetzt. Das heißt, sie machen sich stark für alle, die nicht hetero sind, sondern beispielsweise schwul, lesbisch oder transsexuell.

Sichtbarkeit schafft Sicherheit

Wer neu an eine Uni kommt, hat schon mit genug Eindrücken und durchaus auch Unsicherheiten zu kämpfen. „Man sollte sich nicht auch noch Sorgen machen müssen, ob man sich so zeigen kann, wie man wirklich ist“, findet Livia, „besonders für Erstsemester in einer neuen Umgebung möchten wir daher einen sicheren Raum schaffen.“ Sie arbeiten dabei auch mit dem „Queer-Referat“ und dem Gleichstellungsteam der Uni zusammen.

Die drei Mitstreiter aus der neuen Hochschulgruppe möchten denen eine Stimme geben, die oftmals keine haben oder sich nicht trauen. Sie fordern unter anderem Unisex-Toiletten (bei denen nicht nach Geschlecht getrennt wird), Sensibilisierung zu gendergerechter Sprache und eine Ansprechstelle für Trans- und Intersexuelle. „Sichtbarkeit schafft Sicherheit“, sagt Gabriel. „Und Akzeptanz“, fügt Benjamin hinzu. Die aktuellen politischen Veränderungen sehen die drei kritisch. „Der Druck von Rechts macht mir schon Angst, nicht allein wegen der Situation für die queeren Menschen, sondern auch allgemein“, sagt Benjamin und auch für Livia ist es erschreckend, wie offensiv manche Parteien ihre Menschenfeindlichkeit zur Schau stellen würden. Gabriel hat auch Angst. „Aber die lähmt mich nicht. Sie motiviert mich! Und ich nutze diese Kraft, um laut zu sein!“

Er möchte Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen und dass die Stimmen der Studenten auch außerhalb der Uni gehört werden. Für den 10. August plant die Gruppe einen „Campus Pride“-Aktionstag mit Workshops, Vorträgen und einer gemeinsamen Party mit dem Club „Boys'n'Beats“.

Bis dahin kämpfen Gabriel, Livia und Benjamin weiter dafür, dass die Universität ein Ort wird, an dem sich alle wohlfühlen können. „Es sind die kleinen Dinge. Einfach mal eine Regenbogenflagge aufhängen, bedeutet so viel“, sagt Gabriel und trägt sie, bis es so weit ist, einfach selbst voller Stolz.