Hochwasser

Magdeburger THW hilft in Überschwemmungsgebieten in Rheinland-Pfalz

14 Helfer des THW-Ortsverbandes Magdeburg haben sich auf den Weg ins Hochwasser-Gebiet im Westen Deutschlands gemacht. Am Nürburgring wird der Fachzug Führung und Kommunikation zum Einsatz kommen.

Von Christina Bendigs 20.07.2021, 18:21 • Aktualisiert: 21.07.2021, 08:54
Das THW Magdeburg hat einen Fachzug Führung und Kommunikation ins Hochwassergebiet geschickt. Bis zu 1000 Einsatzkräfte können sie von ihrem mobilen Büro aus koordinieren und entsprechende Infrastruktur von Telefon bis Internet stellen.
Das THW Magdeburg hat einen Fachzug Führung und Kommunikation ins Hochwassergebiet geschickt. Bis zu 1000 Einsatzkräfte können sie von ihrem mobilen Büro aus koordinieren und entsprechende Infrastruktur von Telefon bis Internet stellen. Foto: Christina Bendigs

Magdeburg - Dass sie zum Einsatz kommen werden, ist schon etwa eine Woche klar. Und so stehen bei vielen Ehrenamtlichen des THW Magdeburg gepackte Taschen schon bereit, als am 20. Juli 2021 um 10.30 Uhr die Alarmierung beim THW in Magdeburg eingeht. Nur eine Stunde später herrscht auf dem Hof an der Leipziger Chaussee in Magdeburg bereits Geschäftigkeit. Drei Fahrzeuge stehen vor den Garagen, dazu Anhänger und ein Bulli. Männer und Frauen in der klassischen blauen Einsatzuniform des THW treffen letzte Vorbereitungen. Sind die Fahrzeuge voll funktionsfähig? Haben alle eingeplanten Helfer auch die notwendige Ausbildung und Einsatzberechtigung? Hat jeder THW-Kleidung zur Verfügung? Diese und viele andere Fragen werden noch einmal gegengecheckt, bevor sich die 14 Männer und Frauen, die in den Hochwasser-Gebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz helfen wollen, mit Blaulicht und Martinshorn in den Einsatz verabschieden.

Der Fachzug Führung und Kommunikation ist der erste Zug des THW-Ortsverbandes Magdeburg, der ausrückt. Gegen 15 Uhr rollen die beiden Lastwagen mit der Technik und der kleine Bulli vom Hof. Gegen Abend wollen die Helfenden den Nürburgring erreiche und können ab heute bis zu 1000 Einsatzkräfte führen und koordinieren. Diese Zahl allein lässt erahnen, mit welchem Informationsfluss die Ehrenamtlichen konfrontiert sein werden. Ab heute 10 Uhr sind die Helfer aus Magdeburg eingeplant, um ein anderes Führungsteam abzulösen. Sieben Tage wird ihr Einsatz dauern. Voraussichtlich werden sie in Zwölf-Stunden-Schichten eingesetzt - entweder tagsüber oder nachts, so dass jeweils zwölfstündige Ruhezeiten zur Verfügung stehen.

Nach zahlreichen Sicherheitscheck rollten die Fahrzeuge vom Hof. Material: Christina Bendigs

Es sind gemischte Gefühle, die die Helfer an Abreisetagen wie diesen beschäftigen, weiß Uwe Kretzschmar als stellvertretender Ortsbeauftragter des THW Magdeburg. Zum einen seien sie für Fälle wie diese ausgebildet und würden sich freuen, helfen zu können, auf der anderen Seite sei bereits klar, dass sie auf eine Großschadenslage treffen werden. „Wenn das THW alarmiert wird, dann ist klar, dass die Lage sehr ernst ist“, sagt Uwe Kretzschmar. Auch schlechte Nachrichten werden die Ehrenamtlichen hinnehmen müssen. Und die können in geballter Form auch eine Belastung für die Helfer darstellen.

Emotionaler Einsatz steht Helfern in Überflutungsgebieten bevor

Es werde daher schon vorher geschaut, wer einem Einsatz auch emotional gewachsen ist. Zudem seien Einsatznachsorgeteams in die Arbeit des THW eingebunden und würden regelmäßig Gesprächsangebote unterbreiten.

Der Fachzug Führung und Kommunikation könne am besten arbeiten, wenn er nicht gestört werde. Doch es sei davon auszugehen, dass unter den gegebenen Umständen Bürger einfach in das Führungszentrum stürzen und sagen: Helft mir. Die Betroffenen haben unter Umständen keinen Personalausweis und besitzen nichts als die Kleidung am Leib. „Dann steht da ein Vater mit seinen Kindern und sagt: Mein Haus ist Weg. Wo soll ich hin?“, beschreibt Kretzschmar, was passieren kann. Hier die richtige Balance zwischen der Sicherung der eigenen Arbeit und Verständnis für die Betroffenen zu finden, dafür sind die Helfer des THW ausgebildet. Aber es werde auch versucht, das Lage- und Führungszentrum so gut wie möglich abzuschirmen.

Letzte Absprechen wurden getroffen.
Letzte Absprechen wurden getroffen.
Foto: Christina Bendigs

Was beim Fachzug Führung und Kommunikation besonders berücksichtigt wird, ist das Zusammenspiel. „Meistens werden die Züge komplett gewechselt, damit eingespielte Teams miteinander arbeiten“, erläutert Kretzschmar. Da wisse einer, wann der andere in Stress gerate und wann der Zeitpunkt gekommen ist, ihn besser nicht mehr anzusprechen. „Sie arbeiten immer zusammen und können Zwischentöne besser wahrnehmen“, sagt Kretzschmar.

Vergleich mit Elbe-Hochwasser 2013: Jetzt ist es verheerender

Viele der Helfer werden Bilder vom Hochwasser 2013 vor Augen haben, von dem auch die Landeshauptstadt Magdeburg betroffen war. Doch damals sei das Wasser langsam gekommen und wieder abgeflossen. In Süddeutschland hätten jetzt Sturzfluten ganze Dörfer mit sich gerissen. „Hier waren die Häuser nass, dort sind sie einfach weg“, beschreibt Kretzschmar. Gleiches treffe auch auf die Infrastruktur zu, wie Wasser- und andere Versorgungsleitungen. Das Ausmaß sei verheerender, vergleicht Uwe Kretzschmar.

Nach Katastrophen wie dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sitzen die Helfer oft schon auf gepackten Koffern.
Nach Katastrophen wie dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sitzen die Helfer oft schon auf gepackten Koffern.
Foto: Christina Bendigs

So haben auch die Magdeburger THW-Helfer Trinkwasser und Diesel-Nachschub an Bord, um sich für einige Tage selbst versorgen zu können.

Vor der Abreise werden alle Fahrzeuge noch einmal geprüft.
Vor der Abreise werden alle Fahrzeuge noch einmal geprüft.
Foto: Christina Bendigs

Über das Einsatzgeschehen vor Ort sind die Helfer aus Magdeburg beim Eintreffen schon gut informiert. „Es gibt einen THW-internen Messenger, über den wir Informationen austauschen. Auf diese Weise haben wir schon einen guten Überblick“, erklärt Kretzschmar.

80 Mitglieder im aktiven Dienst des THW-Ortsverbandes Magdeburg

135 Mitglieder hat der Magdeburger Ortsverband des THW, 80 davon sind im aktiven Dienst und für den Einsatz im Katastrophenfall ausgebildet. Neben dem Fachzug Führung und Kommunikation gibt es noch einen technischen Zug. Auch dieser sei schon einsatzbereit und warte nur noch auf die Alarmierung. Das THW habe eine genaue Abfolge: „Als erstes helfen die lokalen Ortsverbände, danach sind die Verbände aus Niedersachsen und Bremen an der Reihe, anschließend Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt“, zählt Kretzschmar auf. Angesichts der Ausmaße werden die Magdeburger aller Voraussicht nach mehrfach in die Hochwassergebiete fahren, um zu helfen. Aktuell sind aus Sachsen-Anhalt die Ortsverbände Quedlinburg, Halle und Burg mit etwa 80 Helfenden vor Ort.

Auch Trinwasser und Diesel haben die Helfer des THW-Ortsverbandes Magdeburg an Bord ihrer Fahrzeuge.
Auch Trinwasser und Diesel haben die Helfer des THW-Ortsverbandes Magdeburg an Bord ihrer Fahrzeuge.
Foto: Christina Bendigs