Stadtentwicklung

Magdeburgs Hasselmanagerin geht davon aus, dass der Leerstand zunehmen wird

Von Karolin Aertel

Magdeburg. Ausschreitungen, Feindseligkeiten zwischen Anwohnern und feiernden Jugendlichen, die Schließung liebgewonnener Kult-Kneipen und die Abwanderung eines attraktiven Handels - der Hassel, einst ein beliebtes Kneipenviertel, zeigt inzwischen seine Fratze. Marianne Tritz will ihm wieder ein Gesicht geben. Ein freundliches und vielseitiges, eines das man sich gerne anschaut.

Zurzeit bietet der Hasselbachplatz jedoch eher einen traurigen Anblick. Verbliebene Restaurants und Bars sind aufgrund der Pandemielage seit Monaten geschlossen, der kleine Einzelhandel fernab der Lebensmittelbranche ebenso. Es ist ruhig geworden am Hassel, wenn auch gewiss zur Freude so mancher Anwohner.

Obgleich die letzten Monate vom Stillstand gekennzeichnet sind, ist Marianne Tritz stetig in Bewegung. Seit sie im Dezember die Stelle als neue Hasselmanagerin angetreten ist, sei viel hinter den Kulissen passiert.

„Fete de la Musique“-Finale möglicherweise am Hassel

Der Bereich Eventplanung nehme derzeit zwar nicht den größten Teil ihrer Arbeit ein, dennoch gibt es erste Vorstöße. So laufen die Vorbereitungen für die Teilnahme am Tag der Städtebauförderung am 8. Mai und an der „Fete de la Musique“ am 21. Juni. Gerade Letzteres soll nach langer Event-Zwangspause mal wieder ein Höhepunkt für das Hasselleben werden – vorausgesetzt die Pandemielage lässt dies zu. So hofft Marianne Tritz, die Abschlussparty der „Fete de la Musique“ an den Hassel holen zu können. „Wenn alle Konzerte beendet sind, wäre es toll, den Abschluss mit DJ am Hassel zu feiern.“ Besiegelt sei das aber noch nicht, erklärt sie.

Leerstandsgespräche mit Immobilienverwaltern

Neben der Eventplanung sei der Fokus momentan auf das Leerstandsmanagement gerichtet. Hierzu ist die Hasselmanagerin mit zahlreichen Immobilienverwaltern im Gespräch. Denn letztlich entscheiden sie, was mit den verwaisten Ladenflächen passiert. Insbesondere in der Sternstraße steht einiges leer, zuletzt schloss die Riff-Bar.

Auch das beliebte Café Central existiert dort nicht mehr, obgleich der Verein „platz*machen“ mit fast nahtlosem Übergang einen Kiez-Laden eröffnet hat, in dem sich die Mitglieder inhaltlich mit dem Hasselbachplatz und einem solidarischen Miteinander auseinandersetzen.

Wenngleich der schnelle Übergang von der Bar zum Kiez-Laden beispielhaft ist, geht die Hasselmanagerin davon aus, dass der Leerstand am Hassel zunehmen wird. Nicht zuletzt, weil Corona einige Gastronomen und Einzelhändler in die Knie zwingt.

Corona bringt Gastronomen und Händler in Schieflage

„Ich weiß, dass sich manche in echter Schieflage befinden“, verrät sie. Sie wisse aber auch, dass es durchaus auch Ideen für Neues gibt. „Da sind findige und gute Personen, die sich Gedanken machen, was man machen kann.“ Dabei nimmt Marianne Tritz allerdings an, dass der Hassel nicht wieder zu der Kneipenmeile wird, die er mal war. „Das Ausgehverhalten der Menschen hat sich verändert. Sie wollen nicht mehr in Bars verschwinden, sondern draußen sein.“

Und so setzt sie stattdessen auf Abwechslung, auf hübsche kleine Geschäfte, auf Gewerbe aber auch auf Cafés, Bars und Restaurants mit Außengastronomie. „Der Hassel ist das Herz des Gründerzeitviertels. Ich möchte die Idee des Gründens wieder aufgreifen. Dort, wo gegründet wird, entsteht auch wieder Neues daneben. Etwas, das einander bedingt, was in Beziehung zueinander steht.“ Hierzu sei sie mit vielen Immobilienverwaltern eng im Gespräch.

Noch mehr Spätshops? Politik ist gefragt

Ob die Wahl der Entscheidungsträger dann aber auf eine kleine Boutique oder ein Café oder doch auf einen weiteren Spätshop falle, obliege jedoch nicht ihrer Entscheidungshoheit. Um die Ansiedlung weiterer Spätshops oder Shisha-Bars zu verhindern, sei die Politik gefragt, erklärt sie. „Ich kann immer nur das Gespräch suchen.“

Und das suchte Marianne Tritz jüngst auch mit dem städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb. Denn gerade zu Ostern sei ihr aufgefallen, wie viel Müll am Hassel rumliege. Die To-go-Gastronomie mit ihren Einwegverpackungen hinterlässt ihre Spuren.

Alle tragen Verantwortung für den Pandemiemüll

Hinzukommen umherfliegende Einwegmasken. Der Pandemiemüll, ein Problem, das auch andere Stadtteile und Städte kennen. Auf der Suche nach Lösungen bemerkte sie schnell, dass wie so oft der Teufel im Detail steckt. „Ich lerne immer noch dazu“, gibt sie zu verstehen. So handele es sich teilweise um Flächen, für deren Sauberkeit die Anwohner Verantwortung tragen. Für viele Grünflächen am Hassel sei wiederum der Stadtgartenbetrieb zuständig, für andere Bereiche der Abfallwirtschaftsbetrieb. Von Letzterem habe sie sich jetzt den Reinigungsturnus erklären lassen und festgestellt: „Man muss wirklich sagen, dass sie richtig fleißig sind.“ Was bleibe, sei eine Verantwortung, die wir alle tragen.

Markt mit Kunsthandwerk soll etabliert werden

Wenngleich der Handlungsspielraum der neuen Hasselmanagerin gewiss begrenzt ist, stellt sie sich der Herausforderung, dem Hassel zu einem neuen Gesicht und zu einem attraktiven Aufenthaltsort zu verhelfen. Dazu soll beispielsweise auch ein Markt mit Kunsthandwerk und regionalen Produkten beitragen, der etabliert wird. Wie und wann derartiges umgesetzt wird, ist am Ende allerdings von mehr als dem Engagement der Hasselmanagerin abhängig. Das Wohlwollen und Gespräche mit Stadt und Ordnungsbehörden, mit Händlern und ansässigen Gewerbetreibenden gehören ebenso dazu.