Calbe l Für Doppstadt war das vergangene Jahr in zweierlei Hinsicht außergewöhnlich. Mit dem 55-jährigen Bestehen gab es einerseits einen Anlass, stolz auf die Geschichte des Unternehmens zurückzublicken. Auf der anderen Seite wird 2020 aber auch als Corona-Jahr in Erinnerung bleiben – als Jahr, in dem die Wirtschaft weltweit mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen hatte. Doppstadt und die Recycling-Branche machen in dieser Hinsicht keine Ausnahme.

Umsatz um 15 Prozent geringer

„Corona hat uns wie viele andere auch getroffen“, sagt Doppstadt-Geschäftsführer Michael Simon. Umsatzeinbrüche habe es aufgrund des zweimonatigen Lockdowns vor allem im wichtigen Auslandsgeschäft gegeben, sagt der 53-Jährige, der seit August 2020 mit an der Spitze der Unternehmensgruppe steht.

Am Produktionsstandort in Calbe (Salzlandkreis) war die Fertigung zwei Monate dicht, mehr als 250 Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Die Erleichterung war groß, als nach dem unfreiwilligen Stillstand wieder Betrieb in den Hallen einkehrte und die Produktion anlief. „Im Rückblick haben wir die Situation besser gemeistert als befürchtet“, sagt Simon. Auch wenn der Umsatz der Gruppe 2020 mit 145 Millionen Euro um 15 Prozent geringer als 2019 ausfällt, ist der Geschäftsführer optimistisch: „Aktuell ist der Auftragsbestand gut. Trotz der weltweiten Unsicherheiten spüren wir Corona in unserem Geschäft kaum“, so Simon.

Dass es gut läuft, ist auch der Flexibilität geschuldet. Etwa 25 Prozent der Maschinen werden unter normalen Umständen in Deutschland abgesetzt. Der Rest entfällt aufs Ausland. Weil die Nachfrage auf den Auslandsmärkten in Corona-Zeiten zurückging, richtete Doppstadt zuletzt den Fokus verstärkt auf den inländischen Markt.

Spezialmaschinen gehen in über 40 Länder. Spezialisiert ist das Maschinenbauunternehmen auf Recyclingtechnik. An den Standorten in Velbert und Wülfrath (beide Nordrhein-Westfalen) sind Vertrieb und Service gebündelt. Im Werk in Calbe werden 90 Prozent der Maschinen gefertigt. Dort angesiedelt ist auch eine Abteilung für Forschung und Entwicklung.

Produziert werden auf dem 230.000 Quadratmeter großen Produktionsareal weltweit gefragte Maschinen zur Aufbereitung von unter anderem Altholz, Kompost, Baumisch- und Gewerbeabfall.

Die Spezialmaschinen gehen an Kunden in über 40 Ländern. 1992 wurde die Förderanlagen Calbe GmbH von Doppstadt übernommen. In Calbe sind heute mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt, insgesamt arbeiten rund 700 Mitarbeiter für die Unternehmensgruppe.

In den Standort im Salzlandkreis wurden in den vergangenen Jahren über 40 Millionen Euro investiert. Im vergangenen Jahr habe man Investitionen aber aufgrund der Corona-Unwägbarkeiten zurückgestellt, sagt Konrad Kerres, Geschäftsführer der Doppstadt Beteiligungs GmbH.

Im Zusammenspiel mit den Kunden habe Doppstadt unter widrigen Corona-Bedingungen umdenken müssen. „Die Auswirkungen der Pandemie haben uns das Leben schwergemacht. Unsere Produkte sind erklärungsbedürftig“, sagt Kerres. Die neu entwickelten Spezialmaschinen müssen beim Kunden vorgeführt werden. Auslieferung und Inbetriebnahme sowie Service vor Ort sind immer mit Reisen verbunden. „Da mussten wir uns einschränken und hatten einen deutlich höheren Aufwand“, sagt Kerres.

Ungeachtet der Umstände hat Doppstadt im vergangenen Jahr neue Maschinen auf den Markt gebracht. Etwa den Inventhor Typ 6. Der Zerkleinerer nimmt es unter anderem mit Altholz, Gewerbemüll, Reifen oder ganzen Bahnschwellen auf.

Branchentreffen fiel aus

Die Maschine zu präsentieren, sei in einem Jahr ohne Messen eine Herausforderung gewesen, sagt Thomas Willeke, Leiter Marketing bei Doppstadt. Normalerweise gehören die innovativen Maschinen zu den Hinguckern auf der alle zwei Jahre stattfindenden IFAT, der Weltleitmesse für Umwelttechnologien in München. Diesmal war alles anders – das Branchentreffen fiel wie viele andere Anlässe aus. Ein positiver Aspekt in der Pandemie. Thomas Willeke kann dem aber auch Positives abgewinnen. „Es ist uns gelungen, auch ohne die Plattform einer Messe unsere neuen Maschinen und Lösungen weltweit bei Händlern und Kunden zu platzieren.“ Dafür sei man nun online auf neue Formen der Präsentation und Kommunikation umgeschwenkt. Vieles werde man sicher in Zukunft beibehalten, sagt Willeke. Einer der wenigen positiven Effekte im Corona-Jahr.

Wie sich das laufende Geschäftsjahr entwickelt, bleibt abzuwarten. Die Zeichen stehen derzeit auf Rückkehr zur Normalität. „Wir setzen natürlich darauf, dass es keinen weiteren Lockdown gibt“, sagt Geschäftsführer Michael Simon.

Insgesamt sind die deutschen Maschinenbauer besser durch die Corona-Krise gekommen als befürchtet. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sank die Produktion 2020 bereinigt um Preiserhöhungen (real) um 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am Ende steht dennoch das schlechteste Ergebnis seit der Finanzkrise 2009 zu Buche.

Für 2021 rechnet der Verband Deutscher Maschinen- uns Anlagenbauer (VDMA) mit einem Produktionszuwachs von vier Prozent. Vieles wird davon abhängen, wie die globale Nachfrage wieder in Schwung kommt.

Und welche Herausforderungen stehen bei Doppstadt in der Zukunft an? „Die Fachkräftesituation“, sagt Michael Simon. „Qualifizierte Mitarbeiter sind ein rares Gut.“ Im Wettstreit um die besten Talente müsse auch Doppstadt zeigen, was es als Unternehmen bietet. Um die Marke weiterzuentwickeln und als Arbeitgeber bekannter zu werden, kooperiert man im Salzlandkreis unter anderem mit Schulen, außerdem werden lokale Sportvereine unterstützt.

Besonderes Augenmerk legt das Maschinenbauunternehmen auf die Ausbildung. Am Standort Calbe lernen derzeit 40 Auszubildende. In die Erweiterung der Lehrwerkstatt wurden in den vergangenen Jahren mehr als 150.000 Euro investiert.

Eine weitere Aufgabe besteht künftig darin, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Neben veränderten Prozessen in der Produktion sind Maschinen mit Elektroantrieben auf dem Vormarsch.

Investitionen geplant

Doppstadt bietet schon jetzt verschiedene stationäre Zerkleinerer mit Elektroantrieben an. „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Elektroantrieben auch bei den mobilen Maschinen zukünftig stark steigen wird“, sagt Konrad Kerres. Beim neuen Vorzerkleinerer Methor, dessen Produktion kürzlich von Velbert nach Calbe verlegt wurde, können Kunden schon zwischen einem Diesel- und Elektroantrieb wählen. Standort Calbe soll ausgebaut werden. Und wie geht es weiter in Calbe? „Made in Germany ist für unsere Kunden unverändert ein wichtiges Qualitätsargument, daher ist der Standort Calbe für uns enorm wichtig“, sagt Michael Simon. „Wir werden den Standort weiter ausbauen“, kündigt er an. Geplant sind als Nächstes weitere Investitionen in die Modernisierung der Zerspanung.

Im kommenden Jahr wird es am Standort im Salzlandkreis eine neuerliche Gelegenheit zum Feiern geben. 30 Jahre wird es dann her sein, dass das Werk in Calbe Teil von Doppstadt wurde. Beim Maschinenbauer wäre man glücklich, wenn der Anlass dann nicht mehr von den Folgen der Corona-Pandemie überschattet wird.