Magdeburg l Denkfabrik, Fraunhofer-Institut, Forschungscampus Stimulate – der Wissenschaftshafen macht bereits jetzt seinem Namen alle Ehre. Der vor neun Jahren aufgestellte Masterplan für den ehemaligen Handelshafen in Alte Neustadt nimmt immer konkretere Form an. Mit dem nun beschlossenen Verkauf des Grundstücks mit der stillgelegten Tankstelle kann das nächste große Bauprojekt unter dem Namen Heisenberg-Campus angegangen werden.

Dabei war das gut 15 500 Quadratmeter große Areal zuvor vergeblich von der Stadt angeboten worden. Auf eine Ausschreibung vor zwei Jahren hatte es keine verwertbaren Rückmeldungen gegeben. Im nächsten Anlauf warb die Stadt bundesweit um Interessenten – und eine ganze Reihe von Angeboten gingen ein. Den besten Preis und das überzeugendste Konzept bot demnach das Unternehmen Agromex mit Niederlassungen in Berlin und Leipzig und erhielt somit den Zuschlag. Der Finanzausschuss des Stadtrats hat dem Vorschlag der Verwaltung bereits zugestimmt, der Gestaltungsbeirat zuvor ebenso.

Agromex wirbt auf seiner Webseite schon mit dem Bauprojekt. „Es besteht die Chance, das Gelände identitätsstiftend neu zu besetzen“, heißt es dort. Auf Entwürfen des Berliner Architekturbüros Hascher Jehle sind die neuen Gebäude zu sehen. Sie sollen am Hafenbecken und auf der Elbseite gebaut werden. Am Sarajevo-Ufer sind sieben Stadthäuser geplant, in denen circa 130 Wohnungen entstehen sollen. Ob zur Miete oder als Eigentum stehe derzeit noch nicht fest, heißt es vom Unternehmen.

Lärmschutz für Wohnungen

In den Gebäuden auf der Seite des Hafenbeckens können Labore oder Büros bezogen werden. Außerdem sollen „Möglichkeiten der Beherbergung“ angeboten werden. Die vorrangig gewerbliche Nutzung war Bedingung seitens der Stadt, um keine Probleme mit dem Lärmschutz für die Wohnungen zu bekommen. Daher soll der Riegel aus Büro und Forschung als Schallschutz für die dahinterliegenden Wohnhäuser dienen. Im Bereich dazwischen sollen die denkmalgeschützten Gleise der früheren Hafenbahn in eine Grünanlage integriert werden, die „das Zentrum des Ensembles“ werden soll.

Nachdem der Verkauf des Grundstücks vollzogen ist, soll nun zunächst ein Bebauungsplan für das Vorhaben aufgestellt werden. Einen entsprechenden Antrag will das Unternehmen über eine eigens gegründete Projektgesellschaft zeitnah stellen. Erst wenn dieser gültig ist und die Baugenehmigung vorliegt, kann gebaut werden. Wann das sein wird, könne noch nicht abgeschätzt werden und hänge von der Dauer der Verfahren ab, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage. Die reine Bauzeit für das gesamte Projekt soll dann aber drei Jahre betragen.

Weitere Projekte geplant

Der Heisenberg-Campus reiht sich ein in weitere Projekte, die im ehemaligen Handelshafen bereits entstehen oder noch geplant sind. So wird derzeit das Fraunhofer-Institut erweitert. Am Eingang zum Hafen wurden beziehungsweise werden zwei alte Zuckerspeicher saniert. Der Forschungscampus Stimulate soll hier demnächst eröffnen. In Richtung Jerusalembrücke sind ebenfalls mehrere Wohnhäuser geplant.

In den Startlöchern steht die Sanierung der beiden Reichseinheitsspeicher direkt neben dem Verkaufsgrundstück. Nach jahrelanger Planung sollen dort zunächst im ersten Gebäude über 130 Wohnungen entstehen. Nördlich davon lockt zudem der Museumshafen mit seinen historischen Schiffen und der Hubbrücke Besucher in den Wissenschaftshafen.