Magdeburg l Die meisten Spaziergänger auf der Uferpromenade werden es gar nicht wissen, dass unter ihren Füßen die Schrote entlang fließt. Als das Neubaugebiet Magdeburg-Nord in den 1970er Jahren am Reißbrett der DDR-Stadtplaner entstand, wurde entschieden, das Flüsschen in der Erde verschwinden zu lassen. 40 Jahre später ist es für die Stadtverwaltung nun an der Zeit, diese Entscheidung rückgängig zu machen und die Schrote wieder ans Tageslicht zu holen.

„Freilegung/Renaturierung Schrote beim Neustädter See“ heißt die Drucksache, die jetzt vom Oberbürgermeister für den Weg durch die Stadtratsgremien freigegeben wurde. Darin wird detailliert erläutert, wie das Wasser wieder an die Oberfläche kommen soll.

Ausgehend vom Gelände des Magdeburger Zoos, durch das die Schrote fließt und wo sie im Untergrund verschwindet, soll sie auf einer Strecke von gut einem Kilometer wieder „in einen naturnahen Zustand“ versetzt werden. Nördlich der Straßenbahnwendeschleife soll die Baumaßnahme am jetzigen Austrittspunkt enden.

Gewässerlandschaft

Aktuell ist die Trasse eine reine Grünfläche, die nicht mit Bäumen bepflanzt werden darf, weil deren Wurzeln in den Wasserlauf reichen und für Probleme sorgen könnten. Durch die Freilegung wäre dann aber eine „parkähnliche Baumbepflanzung“ möglich.

Die Stützmauer, die derzeit die Uferpromenade vom oberen Gehweg entlang der Hochhäuser trennt, würde bei der Umsetzung des Projekts abgerissen werden. Stattdessen würde eine „interessant gestaltete Gewässerlandschaft“ entstehen. Nördlich der Barleber Straße soll die bestehende Brachfläche durch die Öffnung des Gewässerlaufs zu einer Sumpfzone werden.

Vier neue Brücken

Der neue Gewässerlauf folgt grundsätzlich geradlinig nach Norden, nur am Hochhaus Salvador-Allende-Straße 32 schwenkt er kurz nach Osten, um Platz für die erforderliche Feuerwehrzufahrt zu lassen. Bei den Querungen der Barleber Straße und Salvador-Allende-Straße sowie der Straßenbahntrasse bleibt die derzeitige Verrohrung als Brücken erhalten. Vier neue Brücken ermöglichen an den Hauptfußwegen den Übergang über die Schrote.

Fast 6,6 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Der Löwenanteil (gut 5,2 Millionen Euro) kommt dabei über das EU-Förderprogramm Efre vom Bund. Das Land steuert 920.000 Euro bei. Der Eigenanteil der Kommune liegt bei verhältnismäßig geringen 460.000 Euro.

Hauptziel ist nach Angaben der Stadtverwaltung die Verbesserung des Wohnumfeldes und die Verschönerung des Stadtbildes. Die Maßnahme dient zudem den Zielen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Isek), insbesondere dem Leitbild: „Grüne Stadt aus Tradition“.

Verbessertes Stadtklima

Daneben spielen auch Umweltaspekte eine Rolle. Die Freilegung würde zum einen den Anforderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) entsprechen. Zum anderen wird die Selbstreinigungskraft des Gewässers gestärkt und das Wanderungsverhalten von Fischen und Amphibien verbessert. Schließlich würde sich dadurch auch das Stadtklima verbessern.

Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), eigentlich zuständig für die Unterhaltung der Schrote, unterstützt die Pläne zu ihrer Freilegung, weil es „zur Erlangung der Ziele der WRRL beiträgt und sich positiv auf das Stadtbild auswirkt“.

Baustart Ende 2020

Nach den Planungen der Stadt könnte das Projekt Ende 2020 begonnen und im Jahr darauf beendet werden. Vorausgesetzt Anfang 2019 liegt der Fördermittelbescheid vor.

Bevor es schön an der Schrote wird, sind aber zunächst umfangreiche Arbeiten notwendig, die „erhebliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft“, inklusive Baumfällungen, bedeuten, wie die Verwaltung einräumt. Dafür sollen aber mindestens 80 neue Bäume gepflanzt werden.