Magdeburg l Nach Monaten der Dürre steigt der Wasserstand in der Elbe wieder: Werte wie jetzt, die dauerhaft über einem Meter am Pegel an der Strombrücke liegen, gab es seit Juni nicht mehr.

Von den 1,89 Metern, die die Bundeswasserstraßenverwaltung als mittleren Wasserstand für die Jahre 2005 bis 2015 errechnet hat, bleibt der größte Fluss in Mittel- und Norddeutschland dennoch weit entfernt. Nachdem der Pegelstand gestern am späten Nachmittag 1,47 Meter erreicht hatte, könnte er heute laut Vorhersage in den Abendstunden wieder auf 1,38 Meter und morgen unter 1,29 Meter fallen. Laut einer weniger genauen Abschätzung ist für Montag ein Wert von 1,17, am Dienstag von 1,15 Meter und am Mittwoch wieder 1,20 Meter denkbar.

Schwierige Vorhersage

Der Ausblick auf künftige Wasserstände ist allerdings ebenso wie Wettervorhersagen über mehr als zwei Tage mit Vorsicht zu genießen. Laut Wasserstraßenverwaltung ist es möglich, mit 80-prozentiger Sicherheit den Pegel für die ersten beiden Tage einzuschätzen. Als erfüllt gilt die Vorhersage, wenn die Werte nicht mehr als zehn Zentimeter vom Vorhersagewert abweichen. Für den dritten und vierten Tag gilt eine Spanne von 20 Zentimetern ober- und unterhalb des prognostizierten Werts.

In diesem Jahr hat der Pegel an der Strombrücke neue Niedrigwasserrekorde erreicht. Der 48-Zentimeter-Wert von 1938 wurde am 27. August mit 46 Zentimetern unterboten. Und dieser Rekord fiel wiederum am 20. September mit 45 Zentimetern.

Keine Flusskreuzfahrten

Für viele Schiffe war in diesem Jahr die Elbe wegen des langanhaltenden Niedrigwassers Sperrgebiet. Neben den Transporten in der Frachtschifffahrt, die vom Schiff auf Lkw und Bahn verlegt werden mussten, gab es große Einschränkungen für die Passagierschifffahrt. Über Monate konnten die Flusskreuzfahrten Magdeburg nicht ansteuern.

Und die Magdeburger Weiße Flotte konnte ihre Schiffe seit dem 6. Juli nur auf dem Mittellandkanal einsetzen. Unter anderem waren Fahrten mit dem Magdeburger Theaterschiff und den Nachtschwärmern ausgefallen. Dass sich die Lage jetzt deutlich entspannt hat, nutzt den Kapitänen in der Fahrgastschifffahrt derzeit herzlich wenig: Bis auf Charterfahrten sind zurzeit keine Passagierschiffe auf der Elbe unterwegs. Erst im Frühjahr beginnt wieder die Saison.

Das gilt auch für die Reederei Süßenbach mit Sitz in Schönebeck – die aber nicht ganz so heftig unter dem Niedrigwasser leiden musste. Als einziges Schiff hielt die Marco Polo in den Sommermonaten hier den Fahrbetrieb auf der Elbe aufrecht. Reeder Tobias Süßenbach erläutert: „Das liegt zum einen an der Bauart des Schiffs. Zum anderen haben wir dank des Rückstaus am Domfelsen unterhalb unserer neuen Anlegestelle an der Sternbrücke sowie des Wassers aus der Saale bessere Bedingungen als andere Kollegen.“ Dennoch sei die Arbeit im Sommer kein Kinderspiel gewesen: Der Kapitän musste immer genau in der Fahrrinne bleiben, damit das Schiff nicht aufsetzt. Derzeit sind Charterfahrten möglich – Linienfahrten und die Ausflüge mit dem Programm der Magdeburger Kugelblitze sowie mit Ilka Hein beginnen auch hier erst wieder im Frühjahr.

Übrigens: Unabhängig vom Niedrigwasser waren die neueren Teile des Magdeburger Hafens, die dank der 2013 eröffneten Niedrigwasserschleuse ausreichend Tiefgang für die Frachtschiffe garantieren. Der Hafen kann von den Wetter­extremen sogar profitieren: Hier kann dann zwischen Schiff und anderen Transportmitteln umgeladen werden.