Magdeburg l Zwei Pfarrer aus der Lutherstadt Wittenberg und ein Pfarrer aus Bad Düben wollen Magdeburgs langjährigen Domprediger Giselher Quast im Amt beerben. Quast hatte 1979 seine Dompredigerstelle angetreten und scheidet nach ununterbrochener Amtsführung im Juni 2016 aus Altersgründen aus.

Langwieriges Auswahlverfahren

Bevor ein Nachfolger gewählt ist, müssen die Mitglieder der Magdeburger Domgemeinde ein langwieriges Prozedere befolgen. Das Pfarrstellengesetz schreibt detailliert das Verfahren vor.

Nach der Ausschreibung und der Kandidatensichtung stand nun die Auswahl von bis zu vier Kandidaten fürs Finale an. „Wir haben uns für drei Personen entschieden“, sagte Stephen Gerhard Stehli, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. Er leitet gemeinsam mit dem Magdeburger Superintendenten Stephan Hoenen das Auswahlverfahren, das nun an Fahrt aufnimmt.

Zwei Bewerber aus der Lutherstadt Wittenberg

Der Gemeindekirchenrat entschied sich für Eckhart Friedrich und Dr. Kristin Jahn aus Wittenberg und Jörg Uhle-Wettler aus Bad Düben. Die Auswahl sei dabei nach „Aktenlage“ erfolgt. Eine persönliche Vorstellung habe es noch nicht gegeben, sagte Superintendent Stephan Hoenen.

Interessant: Mit Eckhart Friedrich und Kristin Jahn bewerben sich zeitgleich nicht nur zwei Wittenberger, sondern auch zwei Kollegen, die bisher unmittelbar zusammenarbeiten. Friedrich und Jahn sind in der Lutherstadt zwei von drei Pfarrern der Stadtkirchengemeinde, allerdings mit unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen. Jörg Uhle-Wettler dient als Pfarrer in Bad Düben mit rund 1300 Gemeindegliedern.

Bewerber halten Gottesdienst

Alle drei Bewerber müssen nun in ein Vorstellungsverfahren, das man neudeutsch als „Casting“ bezeichnen könnte. Anfang 2016 halten die Bewerber Friedrich (10. Januar), Jahn (17. Januar) und Uhle-Wettler (24. Januar) einen Gottesdienst im Domremter (jeweils 10 Uhr). Danach gehen sie in eine zweite Runde und geben jeweils eine Konfirmandenstunde. Dabei werden sie von Mitgliedern des Gemeindekirchenrates begleitet. Anschließend folgt die Meinungsbildung in der Gemeinde. Den Abschluss bildet ein geheimes Wahlverfahren mit bis zu fünf Wahlgängen, in denen der 13-köpfige Gemeindekirchenrat den Domprediger bestimmt. Diese Entscheidung wird Anfang Februar fallen.

Verfahren soll kein "Wahlkampf" sein

Die Bewerber wollten sich gegenüber der Volksstimme mit Blick auf das Prozedere nicht äußern. Das Verfahren verlangt von den Bewerbern besondere Zurückhaltung. „Wahlkampf“ ist ausdrücklich nicht vorgesehen.

Formal betrachtet besetzt der neue Domprediger übrigens die zweite Pfarrstelle am Dom. Erste Dompredigerin bleibt wie bisher Bischöfin Ilse Junkermann.