Magdeburg l Während entlang der Olvenstedter Straße Händler und Anwohner aufatmen können, machen die wenigen verbliebenen Gewerbetreibenden an der Großen Diesdorfer Straße lange Gesichter. Von der Öffnung der Tunneldurchfahrt für den Straßenbahnverkehr profitieren nur Erstere. Dort fahren ab Donnerstag wieder vier Linien zwischen Stadtfeld und Innenstadt. Auf der anderen Magistrale wird dann keine einzige Straßenbahn unterwegs sein.

Wie die MVB kürzlich ankündigten, bleibt die Strecke zwischen Damaschkeplatz und Westring ein Jahr lang straßenbahnfrei. Grund ist der grundhafte Ausbau des kurzen Abschnitts entlang des Adelheidrings im Rahmen der 2. Nord-Süd-Verbindung.

Direktverbindung fehlt

Auf der Sitzung der AG Gemeinwesenarbeit (GWA) Stadtfeld-Ost machten die Anlieger nun ihrem Ärger darüber Luft. Apotheker Gert Fiedler sagt, dass er zwar Verständnis für die Baumaßnahmen habe. „Es wäre noch tolerabel, wenn es einen durchgehenden Nahverkehr von Ost nach West geben würde“, erklärte er. So wie es aber geplant ist, sei es eine „Katastrophe“. Fahrgäste aus Diesdorf müssen in der Olvenstedter Straße in den Bus umsteigen, um auf indirektem Weg zum Bereich Arndtstraße zu gelangen. „Das ist kein gutes Angebot für die Kunden im bevölkerungsreichsten Stadtteil“, sagte er.

Ein junger Mann beschwerte sich, dass er als Fahrgast Zuverlässigkeit von den MVB erwarte. „Dazu gehört auch beim Schienenersatzverkehr ein Zehn-Minuten-Takt wie bei der Straßenbahn“, sagte er. Wie das erreicht werden kann, sei ihm als Fahrgast egal. In Rothensee mit einem Bruchteil der Einwohnerzahl Stadtfelds sei es auch möglich gemacht worden. Er nennt die geplante Linienführung eine „massive Verschlechterung“.

SPD-Stadtrat Falko Grube erläuterte, warum die Bauzeit für das kurze Straßenstück im Adelheidring so lang ist. „Unter der Straße liegen Abwässerkanäle der Städtischen Werke, die erst verlegt werden müssen“, sagte er. Das sei wie am Damaschkeplatz sehr zeitaufwendig. Verärgert sei er, weil es bis heute keine Planung für den Ausbau der Großen Diesdorfer Straße gebe. „In dem Jahr hätte man dort einiges bauen können“, so Grube.

In diese Kerbe schlug auch Ratskollege Jürgen Canehl von den Grünen. Er forderte, dass noch versucht werden sollte, in dem Jahr eine provisorische barrierefreie Haltestelle an der Arndtstraße zu errichten. Fraktionskollegin Madeleine Linke will erreichen, dass die Taktung der Busse verbessert wird. „Da müssen wir als Stadträte Druck aufbauen“, sagte sie. Außerdem soll ein neuer Versuch unternommen werden, auf der Großen Diesdorfer Straße eine sogenannte Protected Bike-Lane für die straßenbahnfreie Zeit einzurichten. Dabei wird der vorhandene Schutzstreifen für Radfahrer baulich von der Fahrbahn abgetrennt.

Sitzung mit MVB-Vertretern

Verteidigende Worte gab es von den Stadträten René Hempel (Linke) und Christian Hausmann (SPD), beide Mitglieder im Aufsichtsrat der MVB. Sie erklärten, dass in vielen Fällen nicht die MVB Schuld an Probleme hätten. „Man kann sicher nachsteuern, wo es Lücken gibt“, sagte Hausmann.

Da zur GWA-Sitzung kein MVB-Vertreter vor Ort war, wird nun zeitnah eine Sondersitzung anberaumt. Dann sollen eine bessere Taktung und die durchgehende Verbindung thematisiert werden, kündigten die GWA-Sprecher Stephan Bublitz und Thomas Opp an.