Stadtgrün

Neuer Höchststand bei Baumfällungen

Magdeburg verliert weiter an Stadtgrün. Die Zahl der Fällungen städtischer Bäume hat im Vorjahr einen neuen Höchststand erreicht.

Magdeburg l Trassenneubau, Tunnel, Spätfolgen der Flut, Gefahrenabwehr. Es gibt viele Gründe, warum Bäume aus dem Stadtbild verschwinden. 2016 erreichten die Fällungen einen neuen traurigen Rekord. Allein 1388 unter städtischer Obhut stehende Schattenspender mussten entfernt werden. Das ist eine Steigerung zum Vorjahr um fast 70 Prozent. Der zuständige Umwelt-Beigeordnete Holger Platz räumt ein, „dass wir einen weiteren Substanzverlust städtischer Bäume verzeichnen müssen“.

Den 1388 gefällten Stadtbäumen stehen 529 Neupflanzungen entgegen. Darunter sind Ersatzpflanzungen sowie vom Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe (SFM) nachgepflanzte und teils gespendete Bäume.

Die Schere zwischen Fällung und Nachpflanzung geht indes schon seit Jahren auseinander. Das liegt daran, dass nicht für jeden gefällten Baum auch ein neuer in den Boden kommt. Wenn etwa aus Gründen der Gefahrenabwehr oder wegen Krankheit die Säge angesetzt werden musste, ist der Baum nicht in jedem Fall zu ersetzen.

2016 musste der SFM allein 1114 Bäume im Zuge der akuten Gefahrenabwehr beseitigen. Als Spätfolge des Hochwassers von 2013 wurden z. B. am Salbker See 43 Bäume entfernt. Und in der Breitscheidstraße wurde im Juli 2016 die Fällung von neun schwer geschädigten Rosskastanien verfügt. Am Ende ergibt sich die hohe Gesamtzahl von 1388 gefällten Stadtbäumen.

2015 waren es 821 gewesen, 2014 insgesamt 878 und im Jahr 2012 (also vor der Hochwasserkatastrophe) sogar nur 604.

Aber selbst dieser Negativrekord von 2016 ist noch nicht die ganze Wahrheit. Bei den genannten 1388 Fällungen handelt es sich nur um städtische Bäume, nicht um Fällungen privater Antragsteller. Diese sind im halbjährlichen Bericht der Stadtverwaltung an den Umweltausschuss momentan noch nicht enthalten. Aber: Seit 2011 lag auch die Zahl der genehmigten privaten Fällungen schon in hohen Bereichen – jährlich allein bei 1600 bis 1700 Bäumen.

In den ersten vier Monaten 2016 wurden schon 748 private Baumfällungen genehmigt. Eine aktuellere Zahl lag am Donnerstag nicht vor. Dazu kommen noch die enormen Substanzverluste durch die von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau beauftragten Fällungen wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers, die vor allem den Norden der Stadt und Bereiche östlich der Elbe treffen. Seit 2014 sind deshalb schon rund 7000 Bäume abgesägt worden. Auch die Rodungen für den Hochwasserschutz an der Alten Elbe sorgen für weniger Grün.

Es summiert sich am Ende. Beigeordneter Platz betont in seinem Bericht, der am 7. März dem Umweltausschuss des Stadtrates vorliegen wird, Ziel künftiger Stadtpolitik müsse sein, den verlorenen Bestand auszugleichen. Die Projekte „Bäume für Rothensee“ sowie „Baumoffensive/Stadtwald“, die derzeit in Vorbereitung seien, sollen dabei helfen.